Eine Darstellung, wie unsere Zukunft aussehen könnte, wenn unsere Politiker so weitermachen wie bisher. Wenn sie am Volk vorbeiregieren, wenn sie weiterhin so intensiv um ihre eigene Tasche bemüht sind.

Die Debatte über den Vorschlag der Politik, die Lebensarbeitszeit bis 67 zu verlängern, ist noch nicht richtig abgeklungen, da kommt schon der nächste, noch kühnere Vorstoß:

"Arbeit bis 70 ! Hut ab!" Dies ist taktisch ein geniales Manöver: Da wird doch jeder sagen "Okay, dann lieber freiwillig bis 67!"

Man stelle sich das mal bildlich vor: Der 68-jährige, der früher, beglückt mit einer neu erstandenen Heizdecke gemütlich im Kaffeefahrtbus saß, wird dann am Steuer desselben sitzen. Am Ende der Fahrt wird er dann von einem 1-Euro-Jobber aus dem Bus gehoben, weil seine Bandscheiben streiken, und dann im Rollstuhl nach Hause geschoben.

Die in Ehren ergraute Großmutter wird dem jugendlichen Sozialhilfeempfänger im Computerladen die Vorzüge eines Notebooks mit Intel-Pentium-Prozessor, Blaulichtlaser-DVD-Brenner; 16:9-Display und DVB-T-Karte für den standortunabhängigen terrestrischen digitalen TV-Empfang erklären. Wieder abgeholt wird ein Gerät von einem 70-jährigen Obergerichtsvollzieher, dessen Rollstuhl ebenfalls von einem 25-jährigen 1-Euro-Jobber geschoben wird.

Man bemerke wie viele neue Jobs von unseren weit voraus denkenden Regierenden dabei geschaffen werden. Obwohl: An der Kundenverkaufsfront sehen die Arbeitgeber ja lieber junges Personal. So nach dem Grundsatz: "Höchstalter 25, mit langjähriger Berufserfahrung!" Meine 39-jährige Bekannte hat unlängst ihren Job in einem Jeansgeschäft verloren und die Arbeitsagentur hat sie nun in eine Umschulungsmaßnahme für den Verkauf von Seniorenmode gesteckt. Aber wie wird die Seniorenmode der Zukunft aussehen? Blaumann und Schwesterntracht? Oder Drillichanzug, denn die Bundeswehr als Staatsbetrieb wird sich dem Trend zur verlängerten Lebensarbeitszeit ja nicht verschließen wollen. Der 65-jährige Feldwebel im Auslandseinsatz in Afghanistan? Warum eigentlich nicht, denkt unsere Regierung, wenn er noch rüstig genug ist und sein Sturmgewehr noch halten kann. Man bedenke, wenn es dort zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, was man da an Rentenzahlungen einsparen kann.

Aber auch die Streikmode wird sich auf die älteren arbeitswilligen Jahrgänge einstellen müssen: In diese grellroten Westen mit Gewerkschaftslogo und Streikparole müsste halt dann nur noch ein Nierenwärmer und eine Bandscheibenstütze integriert werden. Obwohl: Jede Maßnahme, die ein frühzeitiges, Rentenschonendes Ableben fördert, dürfte willkommen sein.

Wie raffiniert unsere Vordenker gedacht haben beweist auch folgende Vorstellung: Das Altenpflege- bzw. Krankenpflegepersonal muss ja nur noch aus seinem Pflegebett aufstehen, die Patienten versorgen und schnell wieder in sein eigenes Bett zurück klettern. Welch ein Sparpotenzial tut sich hier auf! Das Pflegepersonal müsste nicht mehr zur Arbeit fahren, kommt dem Umweltschutz zu Gute. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bräuchte nicht mehr ewig über zu hohe Lohnkosten und Renten lamentieren, weil Lohn und Rente arbeitgeberfreundlich Verschmelzung finden könnten. Die Autoindustrie würde sicherlich nur einen geringfügig kleineren Absatzmarkt haben, dafür nähme ja die Lebensmittelindustrie zu. Die Krankenhäuser und Altenheime wären besser ausgelastet und die Arzneimittelindustrie würde boomen!

Aber: Was wird aus unserer Gesundheitsreform, was wird aus den bestehenden Pflegekosten? Was wird aus den vielen verlorenen Arbeitsplätzen? Werden das alles 1-Euro-Jobber, um die vielen Alten zu versorgen? Was wird aus den von den 1-Euro-Jobbern nicht mehr aufbringbaren Zahlungen in die Rentenkassen?

Welche Freude wird es für uns sein, wenn unsere rüstigen und verkalkten alten Regierungsmitglieder, die man ja auch von 1-Euro-Jobbern versorgen lassen kann, immer verrücktere Ideen produzieren würden! Doch genau genommen:  Wäre es nicht klüger, würden wir selber dafür sorgen, dass jüngere und bessere Leute uns regierten? Solche, die dafür arbeiten, dass es der Bevölkerung besser geht und nicht immer für sich eine gute Versorgung anstreben. Solche die dafür sorgen, dass die von den Regierenden bis heute geplünderten Rentenkassen, wieder aufgefüllt werden. Heuer, am 22. September haben wir die beste Gelegenheit dazu, den alten und verkorksten Möchtegern-Politikern die satten 0,25 Prozent zu verpassen, so wie sie es uns Westrentnern am 1. Juli zukommen haben lassen.

Alois Sepp

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