In der einer Ausgabe vom 21. August 2013 auf Seite 1 steht eine treffende Titelzeile zu lesen: "Es ist wirklich fünf nach zwölf", Der Untertitel lautet: Bessere Bezahlung und Imagewandel für die Sozialberufe gefordert.

Das ist alles richtig, meines Erachtens ist es aber schon mehr als fünf nach zwölf, es wird allerhöchste Zeit, dass hier etwas getan wird. Wenn sich gerade vor den Wahlen mal Politiker daran erinnern, dass die Sozialberufe der Leistung nach unterbezahlt sind, das Ansehen dieser Berufe besser in den Mittelpunkt gerückt werden könnte, warum haben sich diese ehrenwerten Großredner nicht schon längst darum gekümmert?
In Bayern regiert die CSU, in München z.B. die SPD und die Grünen. In der vergangenen Wahlperiode waren allesamt nur mit sich selbst, Parteiengeplänkel und ihrer eigenen Pfründesicherung beschäftigt. Für den Bürger, für die Sozialberufstätigen hat sich niemand interessiert. Für die Sozialschwachen ebenso nicht. Die Altersarmut greift immer mehr um sich. Dafür verantwortlich sind hauptsächlich unsere Politiker, die der Wirtschaft, dem Kapital und dem Reibach allgemein den Rücken gestärkt haben. So auch dem Wohnungsmarkt in München keinerlei Unterstützung zukommen haben lassen.

Wie soll man da in unserer teuren Stadt Sozialberufe halten können, Sozialberufe wie Kranken- und Altenpfleger, oder auch Andere in Kindertagesstätten, Seniorenheimen und sogar in kirchlichen Einrichtungen? Wie sollen sich diese Berufsgruppen in München eine bezahlbare Wohnung halten können, wenn es keine gibt? Kirchliche Einrichtungen, die sonst dem Munde nach das Kreuz und die angebliche Nächstenliebe und Fürsorge für schwache Menschen unserer Zeit so hoch heben, gehen mitunter mit schlechtestem Beispiel voran.

Wen wundert es dann, dass ausgebildete Pflegekräfte fehlen, dass Pflegehilfskräfte fehlen. Gerade die kirchlichen Einrichtungen heben besonders hervor, dass der Pflegeschlüssel gemäß Vorgaben durch den Gesetzgeber eingehalten wird, mehr aber wird nicht getan.  Der Pflegeschlüssel ist eigentlich nur eine Minimumvorgabe. Es wird nichts getan, dass die fleißigen, stets einsatzbereiten, umsichtigen und verantwortungsbewussten Pflegerinnen und Pfleger, Krankenschwestern und Krankenpfleger, ihrer Leistung entsprechend bezahlt werden. Es wird im Rahmen eines Tarifvertrages, oder im Rahmen der eigenen Bestimmungen keinerlei Unterschied zu denen gemacht, die zu bestimmten Zeiten sich von der Arbeit drücken, die Arbeit zu Lasten der anderen abschieben. Wen wundert es dann, wenn sich die immer einsatzbereiten Kräfte physisch wie auch psychisch aufarbeiten, demzufolge echt krank werden und ausfallen? Die Leidtragenden sind die Pflegebedürftigen und die Kranken allgemein. Auch das ist ein sehr wichtiger Umstand, warum Pflegerinnen/Pfleger nach wenigen Berufsjahren aussteigen müssen!

Es wird auch seitens des Gesetzgebers sehr ungleich gehandelt. Diejenigen, die sich für ihre Angehörigen in der eigenen Wohnung aufopfern, teilweise sogar den eigenen Beruf und ihr eigenes Einkommen aufs Spiel setzen, wird durch die Pflegekassen wesentlich weniger bezahlt und vergütet, als für diejenigen die ihre Angehörigen einfach nur in eine Einrichtung abschieben. Häufig ist es leider so, dass bedingt durch den Mindestpersonalbestand (Pflegeschlüssel), die Pflegeleistung für ihre Angehörigen daheim wesentlich besser und umfangreicher ist, als in einer unterbesetzten Einrichtung.

Alle diese Bedingungen und Tatbestände werden so nicht beleuchtet und dargestellt, dabei wäre hier der Imagewandel bei ordentlicher Erkennung und Anerkennung am leichtesten möglich. Diese Umstände kann man selbst am besten nachvollziehen, wenn man sehr viele Jahre in so einer Einrichtung tätig war. Man kann ohne sich anstrengen zu müssen, den sukkzessiven Abbau der nötigen Leistungen für Alte, Kranke und Behinderte Menschen nachvollziehen. Seit Einrichtung der gesetzlichen Pflegeversicherung wurden die Leistungen im Laufe der Jahre trotz immer höherer Preise in den Einrichtungen laufend und schleichend abgebaut. Das ist leider die Wirklichkeit, alles andere sind nur Lippenbekenntnisse vor den Wahlen.
Hinterher, nach den Wahlen wird es immer wieder sehr leise um diese Probleme, da erinnert sich plötzlich keiner mehr daran was er vorher vollmundig versprochen hat!

Alois Sepp

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