Geht man regelmäßig und mit wachen, offenen Augen in unsere Alten- und Pflegeheime, so kann jedem noch rüstigen Menschen himmelhohe Angst beschleichen. Angst davor, medikamentös einmal genauso stillgelegt zu werden, wie viele unserer alten Menschen. Alte Menschen, die ihre Lebensleistung vollbracht haben, alte Menschen die zum Teil Deutschland nach zwei verlorenen Weltkriegen und einer massiven Inflationszeit wieder mit aufgebaut und zum Wirtschaftswunderland verholfen haben. Der Dank der heute Jüngeren, der heutigen Gesellschaft, der heutigen Politik, der Plünderer unseres Gesundheitssystems ist diesen Menschen sicher. Verfolgte man die Berichterstattung im Fernsehen vor ein paar Tagen, so wird die eigene Feststellung sicher untermauert und bestätigt.
Unser Gesundheitssystem wird durch den dualen Zustand noch mehr ausgeblutet, als es sein müsste. Warum muss es Krankenkassen, Medizinische Dienste parallel laufend geben? Jeder Laden kocht seine eigene Suppe, treibt einen enormen Verwaltungswust vor sich her, betreibt für sich alleine Prachtbauten die man einsparen könnte. Hinzu kommt, dass jede der Einzelorganisationen vor sich hinwurstelt, somit keinerlei Finanzkontrolle möglich ist.
Wenn den Einzelnen das Geld zu knapp wird, werden die Beiträge erhöht, die Menschen abgezockt. Es ist kein Einzelfall, dass Pflegebedürftige medikamentös ruhig gestellt werden, weil kein Personal für menschenwürdige Pflege, menschenwürdige Behandlung vorhanden ist. Da müssen Pflegebedürftige von den Notärzten in das Krankenhaus eingewiesen und einige Tage überwacht werden, nur weil das Pflegeheim kein Bedarfsgerechtes Personal hat. Man stelle sich die massiven Unkosten vor. Alleine schon der Hin- und Rücktransport des Pflegebedürftigen kostet ein Schweinegeld. Der Betroffene selbst hat obendrein zusätzlich zu den Transportkosten noch einen gewaltigen Eigenanteil aufzubringen. Von den nicht bezifferbaren, persönlichen Strapazen für die Betroffenen noch gar nicht gesprochen, einfach eine unmenschliche Zumutung! Die Krankenkassen müssen diesen Aufwand zu einem guten Teil bezahlen, von den Klinikkosten noch gar nicht gesprochen. Die Pflegeheime erleichtern sich nur die Arbeit, schieben die Verantwortung auf andere Einrichtungen ab, wie z.B. Krankenhäuser, Notärzte, sparen sich obendrein Personal- und Pflegekosten. Das kann es doch nicht sein! Im Sinne von Nächstenliebe wird besonders für das eigene Haus der kirchlichen Einrichtungen in den jeweiligen Prospekten grandios geworben.
Von vielen Misslichkeiten kann der Pflege-Kritiker Claus Fussek berichten. In der TV-Sendung kam der Pflege-Papst Claus Fussek, sowie Dieter Hildebrandt zu Wort. Die von beiden gemachten Ausführungen sind mehr als Erschreckend.
Durch das künstliche Nebeneinander dieser Organisationen (Krankenkassen und Pflegekassen) entstehen Milliarden Verluste, die man den Bedürftigen locker zukommen lassen könnte, ohne den Beitrag anheben zu müssen. Bei genauerem Betrachten der einzelnen Systeme und Organisationen, bis hin in die Heime selbst, wird man sich sicher, dass unser Gesundheitssystem insgesamt bewusst ausgeplündert und abgezockt wird. Man spricht von der so genannten "Pflege-Mafia!"
Da prahlen viele Heime, auch die der christlichen Einrichtungen, dass man den Pflegeschlüssel erfüllt, eine ausreichende und umfassende Pflege gewährleistet ist. Dabei ist der Pflegeschlüssel in den Heimen nur der gesetzliche Mindestzustand, selbst dieser wird häufig nicht gewährleistet. Es wird deshalb nicht gewährleistet, weil Mitarbeiter berechtigt abwesend sein können (Urlaub, Krankheit usw.), der Mindest-Personalbedarf nicht gegeben ist. Dabei ist es in manchen, namhaften Einrichtungen an der Tagesordnung, das ohnehin zu knappe Personal zeitlich und finanziell immer mehr zu beschneiden. Wen wundert es dann wenn die Krankenstände hochschnellen, die Belastungsgrenze der Mitarbeiter laufend höher gesetzt wird. Wen wundert es dann, dass sich keine Mitarbeiter mehr einfinden, diesen Knochen-Job zu verrichten?
Da brüstet man sich in den Einrichtungen, dass der Medizinische Dienst dieser Einrichtung eine gute Note verpasst hat, alles andere ist dann wieder unwichtig. Eigenartigerweise stellt man in der jeweiligen Einrichtung gravierende Missstände fest, wenn aber der medizinische Dienst oder die Heimaufsicht ins Haus steht, ist plötzlich alles sehr aufgeräumt. Der MDK kontrolliert hauptsächlich bei Nachkontrollen die Dokumentation auf den Stationszimmern. Es ist aber bekannt, dass man Pflege auf einem Stück Papier ebenso trefflich aufzeichnen kann, hierzu muss man nicht zum Pflegebedürftigen gehen. Die monatliche Abrechnung erfolgt nach den Angaben und Aufzeichnungen am Papier. Traurigerweise wird alles minutengerecht abgerechnet. Es ist unerheblich, ob der Pflegebedürftige körperlich und geistig mitmachen kann oder nicht. Es werden Standardwerte für allerlei Tätigkeiten festgelegt, brutal ausgedrückt muss der Pflegebedürftige nach Stoppuhr auf die Toilette, ins Bad zum Waschen, zum Essen oder Schlafen dann in seine Koje. So etwas ist menschenunwürdig. Ich wünsche denen, die solche Standards ohne genügender Abweichmöglichkeiten festlegen, einmal selbst diesen Zustand erleben zu müssen. Das Pflegepersonal hat keine zeitliche Möglichkeit mehr, dem Bedürftigen die erforderliche "Menschlichkeit" zukommen zu lassen!
Im Übrigen kann man in dem Buch von Claus Fussek und Gottlob Schober mit dem Titel: "ES IST GENUG! Auch alte Menschen haben Rechte" eindrucksvoll traurige Zustände aufgezeichnet finden. In diesem Buch wird Klartext geredet. So manche Heimleitung will dies natürlich nicht wahrhaben und stellt für sich und sein Haus, solche Zustände in Abrede, ja es werden die Feststellungen als "übertrieben" hingestellt. Doch, leider gibt es in vielen Häusern die vorher skizzierten Missstände. Die Pflege- und Hilfsbedürftigen, die Demenzkranken, wie auch die Behinderten, können einem nur leid tun. Dabei wird von den Alten- und Pflegeheimen allmonatlich massives Geld verlangt. Diese Beträge werden mit alljährlicher Regelmäßigkeit, unter allerlei Argumenten gesteigert, die Betroffenen Dank der rückläufigen Renten in immer größere Finanznöte gebracht. Die Altersarmut steigt stetig, die Betroffenen werden immer schneller in die Sozialarmut abgedrängt. Wir Bürger und Beitragszahler werden in steigendem Maße mit höheren Steuern und Abgaben belegt.
Alois Sepp
Pflege-Notstand in unseren Alten- und Pflegeheimen
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- Geschrieben von: Handwerksmeister Alois Sepp
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