So wie es aussieht, hat die ADAC-Motorwelt-Redaktion ihren eigenen Präsidenten interviewt. Bei Allem, was nun inzwischen bekannt wurde, bei all dem Verhalten was Präsident Peter Meyer vom ADAC bisher an den Tag gelegt hat, muss man berechtigte Zweifel über das Interview und den Aussagen von Peter Meyer haben. Ich möchte nun ebenfalls als sehr langjähriges ADAC-Mitglied nicht in den Fehler verfallen, alles in Bausch und Bogen zu verdammen. Bisher war ich manchmal überrascht von den vielseitigen Aktivitäten des ADAC, die uns per Brief oder Motorwelt-Zeitschrift zur Kenntnis gebracht wurden. Selbstverständlich habe ich nicht im Geringsten daran gezweifelt, dass der ADAC dies nicht nur den Mitgliedern zuliebe tut, sondern auch seinen wirtschaftlichen Gewinn daraus zieht.
 
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor über 50 Jahren auch nicht ganz aus freien Stücken zum Mitglied des ADAC wurde, sondern die Aufnahme zum Verein aus einer Autopanne heraus erfolgte. Wäre es nicht so, würden heute nicht knapp 19 Millionen Mitglieder beim ADAC sein. Aus reiner gesellschaftlicher Überzeugung heraus, wäre dies noch dazu in der derzeitigen Finanzlage der Menschen gesehen, gar nicht möglich.

Wenn Herr Meyer aussagt: "Für uns sind Offenheit, Transparenz und umfassende Aufklärung oberstes Gebot", glaube ich das leider nicht mehr unvoreingenommen. Wenn er ferner sagt: "Ich bedanke mich bei allen Mitgliedern, die uns weiterhin ihr Vertrauen schenken", betrachte ich dies auch mit etwas gemischten Gefühlen. Herr Meyer wird nicht direkt als "ADAC" wahrgenommen, sondern als eine Person, die Mitgliedschaft wird in direktem Zusammenhang von Ereignissen gesehen. Und nur aus diesem Grunde sind die Austritte (noch) nicht gravierend. Betrachtet man darüber hinaus, dass die "Gelben Engel" der Strassenwacht des ADAC, viele Neumitglieder im Rahmen eines Hilfseinsatzes gewinnen, sieht die Sache schon realistischer aus, kann Herr Meyer die Austritte gelassener hinnehmen.

Bezüglich der in der Motorwelt dargelegten Beurteilungen, Wertungen, Einschätzungen in Bezug auf das Auto, in Bezug auf die politische Einflussnahme, war ich schon immer etwas misstrauisch. Ich sagte auch in Leserbriefen, dass ich mir eine bessere Einmischung zu Gunsten der Autofahrer gewünscht hätte. Es wurde auch in meiner sehr langen Mitgliedschaft noch nie ein Leserbrief abgedruckt, nicht einmal auszugsweise. Es wurde zwar immer auf den jeweiligen Brief mit Höflichkeistfloskeln geantwortet, das wars aber dann auch schon. Ferner wurde darauf verwiesen, dass wegen des beengten Platzes in der ADAC-Motorwelt immer nur einige Briefe veröffentlicht werden können. Ich bin der Meinung, wenn man wollte, wäre es für den ADAC-Verlag eine Leichtigkeit, hier am System etwas zu ändern. Hat doch die Motorwelt seitenmäßig doch einen sehr stolzen Umfang, in der letzten Motorwelt von insgesamt 106 Seiten, sehe ich jedoch grob die Hälfte nur an Reklameseiten. Das hat in meinen Augen nichts mehr mit einer "Vereins-Zeitung" zu tun, sondern mit absoluter Geschäftemacherei.
 
Alois Sepp

Teilen, Hinweis der Redaktion, Kommentieren und Bewerten in den sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Keine Kommentare