Einem Internetbericht vom 6.5.2014 ist wieder der Missstand in Pflegebereichen zu Tage getreten. Es heißt u.A.: "Alte und Pflegebedürftige, die zum Opfer überforderter Pflegekräfte werden, während sich gleichzeitig Betrüger in der ambulanten Pflege die Taschen voll machen".
Noch bevor der Zuschauer Details über dieses Thema im Fernsehen bei RTL gesehen hat, leugnet der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), dass es gravierende Missstände in diesem Bereich gibt: "Das, was hier unterstellt wird, als hätten wir menschenunwürdige Bedingungen in unseren Pflegeheimen, das ist schlicht und ergreifend nicht wahr."
Während Pflegeplätze zwischen 2500 und 4000 Euro pro Monat kosten, bekommen die Pflegekräfte nur relativ wenig Geld - etwa 2100 bis 2250 Euro brutto - und müssen körperlich und psychisch belastende Arbeit im Schichtdienst leisten. Die RTL-Reporterin, obwohl nur als Praktikantin eingesetzt, ist bei vielen Aufnahmen allein mit den Patienten zu sehen. Laut diesem Bericht müssen drei Pflegekräfte sich in einer Einrichtung der Stadt München um 37 Pflegebedürftige kümmern. Dafür sind morgens eineinhalb Stunden Zeit - macht siebeneinhalb Minuten pro Person, rechnet die Reportage vor. Siebeneinhalb Minuten fürs Wecken, Vorlagen wechseln, Waschen, Toilettengang, Anziehen und eventuell Füttern. Doch manchmal sind auch nur zwei Angestellte da, dann zieht sich das Ganze bis in den Vormittag hin.
In den Zimmern riecht es streng. Denn geduscht wird nur einmal pro Woche, weil die Zeit meist nur für eine Katzenwäsche reicht. Dabei sind viele Patienten offensichtlich inkontinent und bräuchten mehr Körperpflege. Und mehr Zuwendung. Undercover-Reporter haben während ihrer immerhin neunmonatigen Recherche eben doch Situationen entdeckt, die niemand erleben möchte.
--- Ende des Berichtsauszuges
Zugegeben, man darf jetzt nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und alles und jedes Haus in Misskredit bringen. Es gibt Gottlob auch hervorragend geführte Einrichtungen. Da kann man Herrn Laumann nur gratulieren, wenn er noch nie etwas mit Pflege- oder Altenheimen zu tun hatte, angeblich von solchen Missständen nichts festgestellt hat. (was ich ihm allerdings nicht abnehme!) Man braucht nicht einmal als Undercover-Reporter unterwegs sein, um gravierende Zustände in so mancher Einrichtung zu entdecken. So manche Alten- und Pflegeeinrichtung riecht man schon beim Betreten des Eingangsbereiches. Andere wiederum riechen schon am Eingang sehr angenehm und sauber. Der angenehme Geruch setzt sich auch in den Fluren und Zimmern fort.
Man kann vor den Mitarbeitern im Pflegebereich nur voll Hochachtung den Hut ziehen, denn die finanzielle Anerkennung ist seitens der Politik, seitens der allgemeinen Gesellschaft alles andere als respektabel. Die schwere und aufopfernde Tätigkeit wird von vielen erst dann besser geschätzt, wenn ihre Angehörigen selbst der Pflege bedürfen. Leider wird von gesetzlicher Seite, also von der Bundes-Politik so wenig getan, um dies zu verbessern. Der so viel zitierte "Pflegeschlüssel" steht meist nur auf dem Papier und ist in den Einrichtungen nur zu erreichen, wenn niemand des Personals krank oder in Urlaub ist. In den Heimen werden lieber "Ehrenamtliche" Mitarbeiter eingesetzt als festes Personal, weil es sonst den vorgegebenen Finanzrahmen sprengen würde. Würde der "Pflegeschlüssel" als Mindestforderung nicht vorgegeben sein, so würden die Einrichtungen wesentlich mehr Pflege-Hilfskräfte beschäftigen, weil man die Pflege-Hilfskräfte noch schlechter bezahlt als die Pflege-Fachkräfte.
Aber alle diese Zustände und Misslichkeiten sieht Herr Laumann scheinbar nicht, oder er will es nur nicht zur Kenntnis nehmen. Es wäre die vordringlichste Aufgabe eines Pflegebeauftragten der Bundesregierung hier schnellstens für Abhilfe besorgt zu sein. In diesem Punkt könnte die Bundespolitik endlich ihrem Amtseid gerecht werden und "Zum Wohle des Volkes" handeln. Ich glaube kaum, dass dies die Gesellschaft allgemein auch im Rahmen eines erhöhten Beitrages nicht respektieren und anerkennen würde, wenn man dadurch wieder echte und menschenwürdigere Zustände erreichen könnte.
Einem Bericht in der Münchner AZ vom Mittwoch, den 7.5.2014 sind Missstände eines Müchner Altenheimes klar angesprochen und wiedergegeben. Die gesamten Vorgänge lassen unweigerlich den Rückschluss zu, dass es in manchen Pflegeeinrichtungen schauderhaft zugeht. Die Menschenehre und -achtung wird mit Füßen getreten. Ausgerechnet diese Menschen, die sich nicht mehr selbst helfen und wehren können sind dem (überforderten) Pflegepersonal hilflos ausgeliefert. Offensichtlich hat der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Herr Laumann weder von den Pflegemissständen, noch jedwede Beiträge von Claus Fussek etwas mitbekommen. Wieso kann er sich dann als Pflegebeauftrater der Bundesregierung bezeichnen?
Alois Sepp
Nachsatz:
In der AZ-Ausgabe vom Donnerstag, den 8.5.2014 findet man einen sehr realistischen Bericht, indem Pflege-Experte Claus Fussek die Fakten klar anspricht. Leider sind solche Vorgänge wie im St.-Josef-Heim in München "Alltag". Claus Fussek kritisiert das System des Schweigens. Es haben alle Beteiligten Angst, die Fakten klar zu benennen. Die einen haben Angst um den Ruf des Hauses, die anderen Angst um den Arbeitsplatz, die nächsten haben Angst um ihre Angehörigen. (weil es evtl. am Vater/an der Mutter ausgelassen wird) Der eigentliche Skandal ist, dass es jeder weiß und keiner sagt. Ärzte die in die Heime kommen, sehen es jeden Tag - und schweigen. Notärzte, Rettungsassistenten sehen es - und schweigen. Angehörige, Pfleger, Heimleiter, alle wissen es - und schweigen. (so der Bericht)