Ja, die Einkaufsdebatte gibt es längst und immer wieder. Die Beiträge in Pro und Contra der AZ vom 22.11.14 haben alle ihre Berechtigung. Gebe aber der Contra-Meinung absolut recht,
was die Kundenfrequenz nach 19 Uhr angeht. Von Ausnahmen und verschiedenen Geschäftssparten abgesehen, sind die Läden wirklich fast leer.
Gebe zusätzlich aber folgendes zu Bedenken:
Wer sind die wirklich Leidtragenden, wenn die Geschäfte länger offen haben? Es sind die Mitarbeiter selbst. Ich erinnere mich noch gut an die Einführung der 35-Stunden-Woche. Was war
seitens der Gewerkschaften der Hintergrund dafür und was wurde daraus? Der Hintergrund war, der damalig hohen Arbeitslosigkeit zu begegnen. Man meinte, dass mehr Menschen eingestellt
würden. Der Schuss ging aber nach hinten los. Nachdem in Deutschland nicht zuletzt durch die behördlichen Auflagen die Finanzlasten im Personalkostensektor immer höher wurden, wurde
die Arbeit auf inzwischen immer weniger Beschäftigte verteilt. Viele Betriebe sahen sich veranlasst, ihre Produktion ins billigere Ausland zu verlagern.
Damit die wöchentlichen Arbeitszeiten nicht überschritten werden, den Mitarbeitern nicht mehr als nötig ausgezahlt zu werden brauchte, wurden nur versetzte Arbeitszeiten eingeführt. Führte
mitunter dazu, dass verschiedene Geschäfte erst ab 10 Uhr Vormittag aufmachen. Will man wie früher üblich, den Tag nicht zeitlich verschwenden, wurde man förmlich gezwungen seine Einkäufe
erst später zu tätigen. Der Tag ist für sinnvolle Arbeiten schon halb gelaufen, weil er zweigeteilt war.
Zugegeben, es gibt Berufsgruppen die selbst um 20 Uhr erst ihren verdienten Feierabend haben. Aber mal Hand aufs Herz, es wird kaum jemanden geben, der von 7 Uhr früh bis 20 abends
arbeitet. (Ausnahmen bestätigen die Regel!) Durch die versetzen Arbeitszeiten fangen die meisten Mitarbeiter entsprechend später an, wenn sie bis 20 Uhr Dienst haben. Demnach können sich diese Mitarbeiter wirklich anders organisieren, es muss nicht zwangsweise erst nach 20 Uhr eingekauft werden.
Ferner sollte man die heutigen, vielen Interneteinkaufsmöglichkeiten nicht außer Acht lassen. Auch durch diese Einkaufsmöglichkeit fehlt es an sichtbaren Kunden in den Läden. Die Läden mit
Internet-Einkaufsmöglichkeit haben ihren Verkaufserlös zusätzlich in dieser Sparte, darf auch nicht vergessen werden.
Darüber hinaus sollte es aber auch in Bayern den Gewerbetreibenden endlich erlaubt werden ihre Öffnungs- und Dienstzeiten nach Gegebenheit und Möglichkeit mit ihrem Personal so zu
öffnen, wie sie es für richtig halten. Diesbezüglich war die eingesessene und unbewegliche CSU wirklich nur der Hemmschuh der Gewerbetreibenden.
Alois Sepp
Einkaufsdebatte in München
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- Geschrieben von: Handwerksmeister Alois Sepp
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