AZ vom 07.04.2015, Seite 16, Titel "Keine Achtung"
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Ich lese gerade einen Beitrag in der Münchner AZ vom Donnerstag, dem 2.4.2015, einen Beitrag auf Seite 5 mit der Überschrift: "Letzte Ruhe unter dem Baum". Im Grunde genommen gehört das Ritual mit dem Tod in unseren Kulturkreis. Leider wird aber das "Ritual" nur noch nach monetären Gesichtspunkten ausgeschlachtet. Das hat nichts mehr mit Achtung den Verstorbenen gegenüber zu tun.
Da wundern sich die Friedhofsverwaltungen über den Rückgang der Erdbestattungen. Mich wundert es wirklich nicht, wird doch mit dem "Tod" nur noch massiv Geld geschäffelt. Die Friedhöfe, so aber auch in München, tun im Grunde genommen für die Pflege und Werterhaltung der letzten Ruhestätten soviel wie nichts. Im Gegenteil, es wird uns Grabbesitzern bestenfalls eine Aufforderung nach der anderen geschickt, weil sich der Grabstein senkt oder gelockert hat, weil die Umrandung in Schieflage geraten ist. Meines Wissens wird uns dabei noch eine Frist gesetzt, bis wann das eine oder andere zu erledigen ist. Da wird bei einer Bestattung schon 25 Jahre im Voraus die Grabgebühr abverlangt, im Gegenzug befinden sich rund um unsere Grabstellen Löcher und Kuhlen im Erdreich, die sonst im Privaten Bereich unter dem Deckmantel der Sicherheit gleich angemahnt würden. Die Grabbesucher jedenfalls dürfen sich auf dem städtischen Grund ruhig die Beine brechen, da regt sich niemand in den Behördenstuben auf. Alleine das Gras wird seltenst im Friedhof gemäht, das Unkraut kann einen Meter hoch wachsen rund um die Grabstätte, das stört auch niemanden.
Der Bericht lautet: "Letzte Ruhe unter dem Baum". Dies mag heute zur modernen Kulturlandschaft zählen. Es ist keine Seltenheit, dass für eine normale und bürgerliche Bestattung über 5000 Euro aufgebracht werden muss, auch wenn man eine Grabstelle hat. Wundert es dann jemanden, wenn sich die Bürger für eine kostengünstigere Lösung entscheiden? Wundert es dann, dass die Feuerbestattungen alljährlich zunehmen? Wundert es dann jemanden, dass andere Bestattungsformen im Vormarsch sind? Mich verwundert es nicht.
Das Geschäft mit dem Tod wird schamlos von der gesamten Branche ausgenutzt. Auf diese kulturelle Entwicklung brauchen wir sicherlich nicht besonders stolz sein. Das ist meines Erachtens bestenfalls pietätlos, unseren Verstorbenen gegenüber.
Alois Sepp
Das Geschäft mit dem Tod (gedruckt)
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- Geschrieben von: Handwerksmeister Alois Sepp
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