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Kritik und Erfahrungen in unseren Krankenhaus-Notaufnahmen.

Musste wegen einen dringenden Falles gestern wieder einmal einen guten halben Tag lang in der Notfallaufnahme für Erwachsene in einem großen Münchner Krankenhaus zubringen. Für den Außenstehenden erscheinen die Abläufe etwas unsystematisch und wenig geordnet. Bei etwas mehr durchstruktuierten Abläufen könnten die echten Wartezeiten gewaltig gekürzt werden. Da liegen bei erhöhtem Patientenaufkommen, die Patienten im Flur, dies ist ja nichts Neues und durchaus verständlich, wenn die Plätze im Notfallzimmer belegt sind.

Schlimm ist es, wenn dem einen oder anderen Patienten etwas unwohl ist, oder wenn er wegen der langen Wartezeit auf die Toilette muss. Wir mussten leider erleben, dass fast jeder vorbeikommende Pfleger, Pflegerin, Hilfskraft oder auch Schwester kein besonderes Interesse daran hat, dem Patienten überhaupt zuzuhören oder noch viel weniger auf ihn einzugehen. Von den vielen, die gestern an einer im Flur liegenden älteren Dame vorbeigingen, waren nur drei dabei, die stehen blieben und sich die Dame anhörten. Eine Pflegerin/Schwester, oder was sie auch war, blieb zwar stehen, hörte sich die Dame an, verschwand aber wortlos ohne irgendeiner sichtbaren Reaktion.

Ein Pfleger, der die Dame anhörte reagierte prompt und brachte ihr eine Nierenschale mit etwas Zellstoff darin, weil sie sich äusserte, dass ihr schlecht sei. Eine wartende ausländische Frau, wie auch ich selbst gingen zu der älteren Dame hin und beruhigten sie, gaben ihr zu verstehen, dass wir hier alle warten müssen, sie nicht die Einzige ist. Daraufhin wurde sie schon etwas ruhiger.

Eine weitere Schwester, die sich der Dame zuwandte, sprach ebenfalls mit ihr, sagte ihr dann auch, dass sie gleich drankommen würde.

Mein Bruder wurde ebenfalls in diesem Notfall-Behandlungsraum behandelt, wurde dann zum CT gebracht, später nach einiger wiederholter Wartezeit dann zur Ultraschall-Untersuchung der Gefäße. Es hieß vom Transportpfleger oder wie sich der Dienst dort nennt, dass er gleich wieder zurück komme, wir hier warten können.

Hätte ich nach längerer Wartezeit den Bettentransporteur nicht angesprochen, würden meine Frau und ich vermutlich heute noch im Flur auf die Rückkehr des Patienten warten. Obwohl die Notaufnahme Bescheid wusste, dass mein Bruder bereits auf Station gebracht wurde, wurden wir nicht verständigt. Erst nach meiner Nachfrage, wurde mir mitgeteilt wo mein Bruder hingebracht wurde.

Dieses spielt sich in einer Notaufnahmeabteilung ab, mutet sich für uns Außenstehende und Wartende schon etwas befremdlich an!

Als meine Frau und ich dann auf die uns angegebene Station gingen, stellten wir fest, dass mein Bruder an einer uneinsehbaren Stelle im Treppenhaus abgestellt war. Was wäre gewesen, wenn der Patient, der mit Verdacht auf Gehirnschlag eine weitere Gesundheitsattacke erfährt? Man sah ihn ja gar nicht, weil er an einer vom Flur aus nicht einsehbaren Ecke abgestellt war, vom dringenden Toilettenbedürfnis noch gar nicht gesprochen.

Es stand nach Aussage der Schwester nicht fest, ob er in dieser Station bleibt, daher die Zwischenlagerung im Treppenhaus. Nach einer weiteren, längeren Wartezeit, als ich die vorbeikommende Schwester frug, ob sie nun jetzt schon wisse, was mit meinem Bruder geschieht, ging sie ins Schwesternzimmer und telefonierte. Nach einer Weile kam sie wieder zu uns und mein Bruder kam auf ein Zimmer.

Zugegeben, das Patientenaufkommen war doch beträchtlich in der Notfallaufnahme, zumal einige Wiesengeschädigte auch darunter waren. Eine Dame, die komplett zugedröhnt war und torkelnd über die ganze Flurbreite dort hin und her lief, beschäftigte ebenfalls das Klinikpersonal, nahm also auch für dringendere Fälle Zeit und Personal in Anspruch.

Dieses Geschehen gestern war eine ganz taufrische Erfahrung mit einer Notfallaufnahme in einem unserer Münchner Krankenhäuser. Die in dieser Klinik gemachten und ähnlichen Erfahrungen musste ich leider schon in einigen anderen Münchner Kliniken erleben.

Würde ein privater Wirtschaftsbetrieb so arbeiten, gäbe es wesentlich mehr Firmenpleiten. Unser Gesundheitssystem muss diese Zustände verkraften und finanzieren! Reicht das Geld nicht, werden höhere Kassenbeiträge erhoben, das wars dann aber auch. Über übersichtlichere und allgemein gültige Strukturen wird offensichtlich nie nachgedacht.

Alois Sepp

 

 

 


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