Das Sterben der Friedhöfe - QR Code Friendly

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Der 11. Juni 2020, Fronleichnam. Dieser Feiertag wird in 6 von 16 Bundesländern Deutschlands begangen. Lebten wir jetzt gerade nicht in Zeiten des Corona-Virus, würden viele Kirchengemeinden, diesen Feiertag mit einer "Fronleichnams-Prozession" begehen. Im Grunde genommen weihevoll, würdevoll dieser katholische Brauch.
 
Anders als der Name des Feiertags vermuten lässt, wird nicht des toten, sondern des lebendigen Jesus gedacht. Viele gehen nach der Prozession in die Friedhöfe, um ihrer Verstorbenen zu gedenken, zu ihnen zu beten, eine Kerze anzuzünden, am Grabstein mit ihnen spirituelle Verbindung zu pflegen. Man will den Verstorbenen nahe sein - seit Jahrhunderten ist das üblich in Deutschland, ob man nun gläubig ist oder nicht.
 
Aber was ist mit den Friedhöfen selbst? Dem "God'sacker" -Gottesacker- wie man in Bayern sagt, droht selbst der Tod, geht seit geraumer Zeit das Geld aus. Warum ist das so, darf man fragen?
 
Man erlebt immer häufiger Leerflächen auf den Friedhöfen, es gibt offensichtlich immer weniger "Erdbestattungen". Zum einen, weil die Menschen teilweise immer weiter voneinander entfernt wohnen, weil sich immer weniger die Zeit nehmen für die Grabpflege, weil die sogenannten "Grabliegekosten" inzwischen ganz massiv angestiegen sind. Von den Bestattungskosten allgemein einmal abgesehen, diese Kostenbürde, die jemandem eine Grabstelle abverlangt, wollen oder können sich immer weniger antun.
 
Ist man öfter in den Friedhöfen in München unterwegs, stellt man unschwer fest, dass die Pflege der Friedhöfe seitens der Verwaltungen immer nachlässiger wird. Die zum Friedhof gehörenden Gebäude sehen insgesamt bedauerlich aus. Selbst die Bedürfnisanstalten in den Friedhöfen sind in einem teilweise miserablen Zustand. Hat aber jetzt nichts mit Vandalismus zu tun, sondern schlichtweg mit schlechter oder unzureichender Wartung und Pflege. Eigenartigerweise wird seitens der Friedhofsverwaltung peinlichst genau darauf geschaut, ob sich ein Grabstein setzt. Wir Grabstellenbesitzer werden sofort angemahnt, aus unfallträchtigen Gründen den Zustand beheben zu lassen.
 
Geht man durch die Grabreihen, stellt man fest, dass selbst massive Löcher im Boden seitens der Friedhofsverwaltung nicht als bedrohliche Unfallgefahr gesehen werden, es wird nichts gemacht. Auch die Rasenpflege ist meist sehr spärlich in unseren Friedhöfen. In Anbetracht der sichtbaren Gesamtumstände braucht sich eine Friedhofsverwaltung erst recht nicht wundern, wenn es immer weniger Menschen gibt, die sich dort bestatten lassen wollen.
 
Mich wundert es nicht mehr, dass über unseren Friedhöfen seit vielen Jahren schon die "Pleitegeier" kreisen.
 
Alois Sepp
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Alois Sepp
Autor: Alois Sepp

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Kommentare  

# Das Sterben der FriedhöfeRoland Klose 2020-06-12 07:08
40 bzw. 30 Jahre haben meine Ehefrau und ich die Friedhofsgräber ihrer Eltern und meiner Großeltern gepflegt. Damit ist jetzt Schluss, weil der Friedhof schon lange kein "Paradiesgarten Eden" mehr ist. Wegen der vielen Feuerbestattungen gibt es viele leere und ungepflegte Flächen. Meine Ehefrau und ich haben uns deshalb dazu entschlossen, unsere Körper nach dem Tod dem Anatomischen Institut der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf für Forschungs- und Ausbildungszwecke zu spenden incl. einer späteren kostenlosen Bestattung hinter dem Institut. Dann haben wir nicht umsonst gelebt und unsere Körper somit einem sinnvollen Zweck gestiftet.
# RE: Das Sterben der FriedhöfeMichael Maresch 2020-06-12 09:03
Wenn die Altersarmut steigt, wachsen die leeren Flächen auf den Friedhöfen. Den es sind die Alten, die die Gräber, in denen sie bald liegen werden, pflegen und erhalten. Die Grundrente aber sieht Gräbererhalt nicht vor. Viele alte Menschen können sich daher die Gräber schlicht nicht mehr leisten.

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