Hoeneß u. a.: Verlogenes Mitgefühl i. S. Brunner (gedruckt) - QR Code Friendly

Forum  SZ v. 4.10.13 Seite  R12
---------------------------

DOMINIK-BRUNNER-DENKMAL

Netter Benefiz, harte Realität
'Menschenkette gegen Gewalt' vom 13.September:


Ich hatte den Brief als Antwort auf einen Anderen Artikel geschrieben, einen Kommentar von Prof. Chrsitian Pfeiffer: "Mehr Liebe, weniger Hiebe" v. 14.9.13
Deshalb musst man den ersten Teil meines Briefes weglassen.

 Ich ärgere mich wieder einmal antizyklisch:

Prof. Pfeiffer hat völlig recht, erstaunlich ist nur, dass man dies in einem Land, das sich angeblich seit 2000 Jahren um die Verwirklichung der Kernbotschaft des Christentums bemüht, überhaupt noch erwähnen muss: das Liebe nämlich heilsamer ist als es Hiebe sind.  Wobei Liebe nichts  mit einer rosarot verklärten Romanze oder laissez-faire zu tun hat sondern, wenn sie mit Bewusstsein gepaart ist, für den Adressaten der Liebe als durchaus schmerzhaft empfunden werden kann. Auch hierfür sind vom Religionsgründer Jesus viele Beispiele überliefert.

Das Niveau der Auseinandersetzung um Strafen und Straftäter befindet sich in unserem technologisch so hoch entwickelten Land leider immer noch auf dem Stand des ganz dunklen Mittelalters. Viele Zeitgenossen würden immer noch gerne mindestens einmal im Monat auf ihrem Marktplatz einer Hinrichtung beizuwohnen, um dann mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, dass man das Böse  wieder einmal von der Welt entfernt hat. Dass dies ein absoluter Blödsinn ist, erklären uns seit mindestens 100 Jahren alle Wissenschaften vom Menschen immer wieder und von verschiedenen Gesichtspunkten aus.

Mein  Vorwurf richtet sich vor allem an Politiker, denn sie wissen es  besser und geben  zu diesem Thema nur oft populistischen Schwachsinn von sich, weil sie es sich "mit dem Volk"  nicht verderben wollen. Abschreckendes Beispiel ist hierfür immer noch der Aufruf des Ex-Kanzlers und Juristen (!) Schröder, der mit seinem apodiktischen Aufruf: "Wegsperren für immer!" sich in die Reihe von extrem gefährlichen Populisten von ganz blöd bis ganz  rechts eingereiht hat. Für diesen Aufruf verdient er im Prinzip eine Strafe, die aus der gleichen Zeit stammt, wie sein Aufruf, nämlich aus dem Mittelalter:  Öffentliches Auspeitschen auf dem Marktplatz.

Antizyklisch geärgert habe ich mich auch über das gestrige riesige Rambambazamba  um das Aufstellen des Denkmals für Herrn Brunner.  Natürlich ist es schlimm, dass und wie er zu Tode gekommen ist und mir tut sein Tod so leid, wie mir der Tod, von jemand, den ich nicht kannte, tun kann.  Besonders pikant ist jedoch, dass sich als Bekämpfer solcher Taten besonders Herr Hoeneß hervorgetan hat, der wohl selbst immer noch nicht begriffen hat,  dass man sehr viel mehr  für die Verhinderung solcher Taten tun könnte,  wenn Leute wie er ihre Steuern ordnungsgemäß zahlen würden.  Dann hätte die  öffentliche Hand  mehr Geld, um sich dieser gestörten Jugendlichen anzunehmen, die ihren Schmerz und ihre Wut  nur durch blinde Aggressionen  ausleben können.
Ich bezweifle, dass es diesen Denkmalaufstellern  wirklich um  den sinnlosen Tod von Herrn Brunner geht.  Es gibt sehr viel mehr sinnlose und  vermeidbare Tote durch fahrlässiges Verhalten in unserem Land, die man sehr viel leichter verhindern könnte, wenn man denn wollte.  Allerdings  müsste man sich hierzu mit anderen Kalibern, mächtigeren gesellschaftlichen Kräften ,  anlegen,  als mit gestörten Jugendlichen.
Es ist bei weitem gefährlicher in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert zu werden, als nachts in der S-Bahn mit Jugendlichen (mit oder ohne Migrationshintergrund) zu fahren. Die vermeidbaren Toten in unseren Krankenhäusern belaufen sich unwidersprochen auf 100 - 150 Tausend PRO JAHR, wenn man alle Fahrlässigkeitstaten zusammenzählt. Über diesen Skandal regen sich alle,  auch die Medien nur sehr schaumgebremst auf. Dabei liegt es nur daran, dass diese armen Leute, die an Hygeniemängel, falschen Medikamenten und Ärztefehlern sterben, dies unbemerkt von Videokameras tun. Es gilt der alte Spruch: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.

Dagmar Schön

Bewerten, Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Um diesen Artikel hier in der Bürgerredaktion zu kommentieren, bitte anmelden.

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
(Durchschnittliche Bewertung 0 bei Bewertung(en))