Gewalt gegen Polizisten ist ein Alkoholproblem - QR Code Friendly
Leserbrief zu einem Artikel in der SZ am 4.10.2013 S. R 16  "Wenn Polizisten Opfer werden"

"Dabei haben die bayerischen Polizisten selbst nicht gerade den Ruf, zimperlich zu sein..."  schreibt Frau Kanning. Nicht nur die Sozialpsychologie, sondern schon der gute alte Volksmund weiss: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.  Es sind nicht die Bürger, die den Polizisten Ehrerbietung zeigen müssen, sondern umgekehrt. Sie werden von uns Bürgern bezahlt, um in einem eng beschriebenen Aufgabenkreis  Dienstleistungen für uns zu erbringen. Sie sind nicht mehr, der verlängerte Arm der 'Obrigkeit'.

Die meisten Attacken gegen Polizisten finden von Männern statt, die besoffen sind.  Auch über 75 % der Tötungsdelikte werden unter Alkoholeinfluss begangen.  Fussball und Alkohol sind ohnehin siamesische Zwillinge. Wahrscheinlich  muss man auch besoffen sein, um es jede Woche wieder spannend zu finden, wenn 22 Männer versuchen einen Ball zwischen zwei Pfosten zu schiessen.  Trotzdem gilt der massive Alkoholkonsum in Deutschland nicht als gesellschaftlichen Problem. Deutschland liegt mit einem Verzehr von 12 Lit reinem Alkohol pro Jahr noch vor Irland und ist in seinen Auswirkungen, nicht nur bei der Gewalt gegen Polizisten, erschreckend: Privatdozent Dr. Norbert Wodarz von der Klinik für Psychiatrie der Universität Regensburg beim Suchtforum kennt die Zahlen:

"Jeder 35. Bundesbürger ist alkoholabhängig, ein Drittel davon sind Frauen, jeder zehnte Abhängige ist jünger als 21 Jahre. Jede zehnte Familie hat mindestens ein betroffenes Mitglied. Jedes 300. Baby kommt mit einer Alkoholembryopathie zur Welt. Jeder fünfte Patient im Krankenhaus hat Alkoholschäden. Besonders gefährdet sind Jugendliche, machte der Psychiater klar. Durchschnittlich mit 12,7 Jahren, in der neuesten Studie schon mit 11,9 Jahren, trinkt ein Jugendlicher erstmals Alkohol. Mit 17 bis 18 Jahren hat ihn praktisch jeder schon probiert. Aus neurobiologischer Sicht ist der Konsum von Suchtstoffen während der hoch empfindlichen, pubertären Umbauphasen im Zentralnervensystem besonders gefährlich, sagte Wodarz. So zeigte eine Studie des Max-Planck-Instituts, dass jeder zehnte jugendliche Alkoholkonsument später von diesem Suchtstoff abhängig wird."

Da viele Leute gut dran verdienen, gilt Alkohol immer noch als reines Genussmittel. Alkohol ist eine Droge, die häufig stark persönlichkeitsverändernde Wirkung hat. Verbieten bringt natürlich nichts, da müsste man sich schon etwas Kreativeres einfallen lassen.

 


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