Vor dem Gang ins Scheinwerferlicht zum Zahnarzt und zum Seelenklempner (gedruckt) - QR Code Friendly
zu "Edathy - Schuld und Bühne" Von Nico Fried und Thorsten Denkler und der Kommentar von H. Prantl , SZ 19.12.14

Die Politik besteht aus Kartenhäusern - 'House of Cards' ist überall. Die Brutalität und Skrupellosigkeit in der gleichnamigen TV-Serie, ist offenbar nicht weit weg von der Realität zeigt uns das Edathy-Drama.  Was in all dem Getöse etwas untergegangen ist: Die Bilder, die er in Kanada gekauft hat, waren wohl tatsächlich strafrechtlich nicht relevant, denn sie "sind gar nicht mehr Gegenstand der Anklage".  Wie schwerwiegend die Bilder der jetzigen Anklage sind, wird sich erst im Prozess herausstellen. Dabei war klar: Mit dem ersten, öffentlich geäußerten Verdacht, war  Edathys  bisheriges Leben bereits zerplatzt wie eine Seifenblase. Jedes Leben würde so platzen, kein Verdienst wäre stark genug einer deratigen Granate zu widerstehen.

Die Dunkelziffer von sexuellem Missbrauch von Kindern dürfte immer  noch sehr groß sein. Für den Grimme-Preis war 2014 der Krimi  'Operation Zucker' nominiert, bei dem es um einen Berliner Pädophilen-Club geht, zu dessen Kundenkreis hochrangige Personen der Berliner Justiz gehörten, auch ein langjähriger Freund der ermittelnden Staatsanwältin, gespielt von Senta Berger, war darunter. Alles sehr realistisch beschrieben und dargestellt. Gruselig. Man kann davon ausgehen, dass viele ehrenwerte Herren der Berliner Gesellschaft den Fall Edathys mit Stoßgebeten begleiten, dass ihnen das gleiche Schicksal erspart bleiben möge.  Normalerweise arbeiten die Seilschaften auch besser. Die Enttarnung von 'ehrenwerten Mitgliedern der Gesellschaft' passiert  relativ selten. Edathy gehörte auch nicht wirklich 'dazu'.
Die andere Frage ist: Wie 'astrein', wie 'lupenrein' muss ein Mensch sein, der bestimmte berufliche Positionen und Ämter anstrebt? Wütend war Edathy  in der Pressekonferenz noch immer darüber, dass strafrechtlich irrelevante Bilder, die nur zu seinem Intimbereich gehörten, sein Leben zerstört haben. Zu Unrecht, wie er findet. KEs stimmt, die Reinheitsanforderungen sind  in jeder Beziehung viel größer  als früher, schon allein wegen der omnipräsenten Medienöffentlichkeit. Karrierebewusste Menschen tun gut daran sich  eines klarzumachen: Ihr  Charakter sollte zumindest so gepflegt und fehlerlos sein, wie ihr Gebiss. Niemand käme auf die Idee mit einem fehlenden oder faulenden Zähnen öffentliche Führungspositionen  wahrzunehmen.

Es gibt bei uns nicht nur gute Zahnärzte, sondern auch gute 'Seelenklempner' - beide Professionen sollte man ihre Arbeit machen lassen bevor man auf die Bühne geht.


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