Was ist los beim Bund der Versicherten? - QR Code Friendly

Der Bund der Versicherten (BdV) wurde vor über 30 Jahren als gemeinnütziger Verein gegründet. Vereinszweck war und ist, offensiver Verbraucherschutz im Versicherungswesen - quasi als Gegenlobby zur Macht der Versicherungsunternehmen. Darüber hinaus bietet der Verein seinen Mitgliedern den Zugang zu günstigen Gruppenversicherungen. Der BdV hat wichtige Urteile für die Verbraucher erstritten (u.a. zu Rückkaufswerten und Überschussbeteiligungen von Kapitallebensversicherungen). Seit einiger Zeit werden diese Verdienste von massiven internen Querelen überschattet. Was ist da los, fragen sich nicht nur verunsicherte Mitglieder.

War in den frühen Jahren vom BdV zu hören „Kapitallebensversicherungen sind legaler Betrug“, ist es in der letzen Zeit stiller geworden; Kritiker sprachen sogar schon von einem Schmusekurs gegenüber der Versicherungswirtschaft.  Das änderte sich als der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein im November 2011 in den Vorstand des Vereins berufen wurde. Kleinlein sorgte mit der Aussage „Riestern lohnt sich nicht“ für Wirbel in der Branche. Das konnte nicht gut gehen. Zumal Kleinlein sich überdies mit seinem Co-Vorstand anlegte und als problematisch eingestufte Zahlungen an ein ehemaliges Vorstandsmitglied (pikanterweise die damalige Lebensgefährten und jetzige Ehefrau des zweiten Vorstands) stoppte. Daraufhin wurden beide Vorstände vom amtierenden Aufsichtsrat im März 2013 gefeuert und ein neuer Vorstand eingesetzt. Offiziell wurden „unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche und personelle Ausrichtung“ des Vereins genannt. Damit schien die Angelegenheit abgeschlossen. Doch unter der Oberfläche gärte es weiter. Einige Betriebsratsmitglieder schrieben gut die Hälfte der rund 53 000 Vereinsmitglieder an  und forderten die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung „in welcher die außergewöhnliche und für den BdV teure Entlassung unseres Vorstandsvorsitzenden Axel Kleinlein sowie die Verantwortlichkeit des Aufsichtsrates erörtert und erklärt werden“ sollten. Um eine Versammlung einzuberufen ist die Zustimmung von mindestens einem Prozent der Mitglieder nötig. Dies ließ die Gegenseite nicht ruhen. In einem Rundbrief an die Mitglieder, der auch auf ihrer Internetseite "Wir-sind-die-99.de" zu finden ist, sprechen die Kleinlein-Gegner vom „Versuch einer kleinen Gruppe linker Fundamentalisten ... endlich an die Pfründe des BdV zu kommen“. Diese Gruppe „in deren Zentrum Rechtsanwalt Bluhm die Fäden zieht“ arbeite „mit einer durchtriebenen Zermürbungstaktik“. Die gewiss nicht linker Sympathien verdächtige FAZ schrieb, dass „die Vereinsrebellen [die Gruppe um Bluhm; Anm. d. Verf.] befürchten, dass die Organisation mitten im Bundestagswahlkampf, in dem die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung und die Ausschüttung von stillen Reserven an Lebensversicherungskunden keine unbedeutenden Themen sind, handlungsunfähig sei “.

Wer die Oberhand in diesem Machtkampf gewinnt, ist derzeit nicht abzusehen. Es bleibt spannend. Die Masse der Mitglieder hat bisher nicht am Vereinsleben teilgenommen, sondern nur von günstigen Versicherungstarifen profitiert und die Beratungskapazität des Vereins genutzt. Mitgliederversammlungen waren die Sache weniger. Vielleicht werden sich nun einige Mitglieder fragen, ob die finanziellen Vorteile es wert sind in einem Verein zu bleiben, der sich lieber mit sich selbst beschäftigt als mit seiner Hauptaufgabe.

Vielleicht sollten sich die Kontrahenten des unerfreulichen Gerangels darauf besinnen, wer den Verein finanziert: nämlich die Mitglieder. Und vielleicht wäre dies ein Anlass über zeitgemäße Formen der Mitgliederbeteiligung nachzudenken. Die Piraten liegen mit dem Antrag für eine ständige Mitgliederversammlung im Internet nicht ganz falsch - es muss ja keine ständige Versammlung sein.

Manfred Kiefer

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