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RHEINPFALZ vom 10.08.2013, Seite 48, Titel „Befriedigung der Eitelkeiten“
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Eine Dissertation  oder Doktorarbeit ist laut Wikipedia "eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit, die in der Regel einen Wissenszuwachs enthalten soll". Offensichtlich waren die Arbeiten von Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis und anderer weder eigenständig verfasst noch bringen sie einen Erkenntniszuwachs - es sei denn, einen moralischen.

Waren dies nur Ausnahmen oder zeigte dies nur die Spitze eines Eisbergs? Ich denke letzteres. Im politischen Geschäft, aber auch vielfach in der freien Wirtschaft ist ein "Doktortitel" die Voraussetzung zum Aufstieg auf der Karriereleiter. Es geht schon lange nicht mehr um einen wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs, sondern um die Befriedigung der eigenen und fremder Eitelkeiten. Und dafür ist jedes Mittel recht. Annette Schavan und wohl auch Bundestagspräsident Norbert Lammert, die ihre Arbeiten vor dreißig oder fast vierzig Jahren schrieben, würde ich einen eher saloppen oder schlampigen Umgang mit der Primär- und Sekundärliteratur zu Gute halten, das unterscheidet sie von plumpen Plagiatoren wie Dr. Cut & Paste Karl-Theodor zu Guttenberg. In Ordnung ist das trotzdem nicht.

Mundus vult decipi" - die Welt will betrogen werden, wusste schon Sebastian Brant in seinem 'Narrenschiff', "ergo decipiatur" - also wird sie betrogen! Das digitale Zeitalter erleichtert zwar den Betrug, aber es macht auch seine Aufdeckung um vieles leichter. Plagiatoren aufgepasst!

Manfred Kiefer
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Autor: Manfred Kiefer

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