Die Dilettanten von Brisbane (gedruckt) - QR Code Friendly

AZ vom 18.11.2014, Seite 31, Titel "Ungeschickt"
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Die Hauptakteure auf dieser Konferenz können sich, was ihre Ungeschicklichkeiten betrifft, das Wasser reichen. Wladimir Putin schickt Schiffe der russischen Flotte in die Gewässer vor Brisbane, so dass nachdenkliche Weltbürger sich fragen, ob der Mann an Paranoia  leidet. Sicher wird Putin darauf achten, dass die Fernsehbilder von dem einsam und allein an einem Tische  sitzenden Putin nicht in die russischen Medien gelangen, weil die russischen Bürger sich sonst fragen könnten, ob er für die Vertretung russischer Interessen auf internationalen Konferenzen wirklich der richtige Mann ist.

Barack Hussein Obama sollte sich zügeln und nicht als selbstverständlich annehmen, dass  die internationale Gemeinschaft den Wunsch hat, dass die USA die Führungsmacht der Welt werden. Es gibt viele triftige Gründe, das nicht zu wünschen. Die internationalen Untersuchungskommissionen sind noch nicht so weit, den Flugzeugabschuss in der Ukraine auf dem Schuldkonto Wladimir Putins persönlich zu verbuchen. Obama ist mit dieser Schuldzuweisung über das Ziel hinausgeschossen. Obama muss sich ferner fragen lassen, ob er Russland überhaupt gebeten hat, die USA im Kampf gegen den ISIS im Irak und Syrien zu unterstützen – oder ob er die Lage dort zur Wahrung amerikanischer Wirtschaftsinteressen lieber allein bereinigen möchte.

Schließlich fehlt ein internationaler politischer Knigge für feine Umgangsformen der Chefs der Weltmächte untereinander, damit sie  aufhören, einander zum Nachteil einer sich nach Frieden sehnenden Menschheit Holzklötze an die Köpfe zu werfen. Und es fehlt ein Schiedsrichter, der die Einhaltung dieses politischen Knigge durchsetzt.

Otfried Schrot

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