Die in den Himmel steigende Rauchsäule türkischer Anmaßung - QR Code Friendly

Nach dem geplatzten Auftritt des türkischen Justizministers in Baden-Württemberg hat Außenminister Mevlüt Cavusoglu Deutschland Doppelmoral vorgeworfen. Die Türkei könne die Geschehnisse in Gaggenau nicht hinnehmen, sagte Cavusoglu in Ankara. Wenn Deutschland die Beziehungen zur Türkei aufrechterhalten wolle, müsse es "lernen, sich zu benehmen". Antwort des Leserbriefschreibers: Herr Cavusoglu, Deutschland hat ein sehr sensibles Gespür für das Auftreten von „Herrenmenschen“. Diese Sorte Mensch hat Deutschland schon einmal zwölf Jahre lang in Atem gehalten. Wir weisen Versuche von „Herrenmenschen“, Deutschland zu disziplinieren, schärfstens zurück. Zwei Empfehlungen an Herrn Erdogan: Erstens möge er bei dem Versuch, die Türkei ins Mittelalter zurück zu führen, nicht versuchen, Deutschland zum Handlanger zu machen. Zweitens möge er sich auf das Ziel des Kemal Atatürk zurück besinnen, die Türkei in die Moderne zu führen, und endlich auf dem von Atatürk eingeschlagenen Wege weitermachen. Wenn Sie, Herr Erdogan, unbedingt Padischah einer erneuerten Großtürkei werden wollen und Ihr Land mit einer „Rolle rückwärts“ ins Mittelalter zurückführen wollen, verweigern wir Deutschen Ihnen dafür unsere Unterstützung. Menschenverachtende Autokratien haben wir auf unserem Planeten genug. Sie haben lange von der Mitgliedschaft in der EU geträumt. Fragen Sie sich doch einmal selber, ob Sie sich eher als Europäer sehen, der „Ja“ sagt zu den Errungenschaften der abendländischen Aufklärung, der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit oder ob Sie sich in Ihren politischen Träumen nicht eher als orientalischen Padischah sehen, dessen Untertanen auf den Knall einer Peitsche hin parieren. Zu diesem Weltbild passen ja auch die abenteuerlichen Dimensionen Ihres Palastes bestens, der etwas größer ist als eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Deutschland und die Türkei sollten sich wie folgt einigen: Deutschland führt seine Wahlkämpfe auf deutschem Boden aus und die Türkei auf türkischem Boden. Wer Ihnen zujubeln will, soll das auf türkischem Boden tun und nicht in Deutschland! Lassen Sie Ihre Finger von der Idee, Deutschland als türkische Kolonie zu betrachten, auf deren Boden Sie mit pompösen Veranstaltungen Ihren Aufstieg zum Herrscher einer orientalischen Großmacht vorbereiten können! Im Übrigen, Herr Erdogan und Herr Cavusoglu: das Instrumentarium von Drohung und Erpressung sollte nicht zum Handwerkszeug von Staaten gehören, zwischen denen ein zivilisierter diplomatischer Austausch stattfindet. Otfried Schrot


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