Weshalb Deutschland seine NATO - Mitgliedschaft überdenken sollte - QR Code Friendly

Donald Trump hat im Verlaufe seines auf dem niedrigsten Niveau eines Wirtshausstreites ablaufenden politischen Dialoges mit Kim Yong Un den zweifelsfreien Beweis dafür erbracht, dass er für die Führung des nordatlantischen Bündnisses ungeeignet ist, weil ihm die wichtigste Eigenschaft für diese Rolle fehlt: Besonnenheit! Wenn die europäischen Regierungschefs über diese Erkenntnis hinweg „zur Tagesordnung“ übergehen, versündigen sie sich an ihren Völkern. Fällige Erkenntnis: von diesem Mann müssen wir auf Abstand gehen, sonst reißt er uns in den Abgrund! Das Verhalten des amerikanischen Präsidenten gibt Anlass, über das Einfrieren oder die Auflösung des nordatlantischen Bündnisses nachzudenken. Zusätzlich zu der Erkenntnis der Nichteignung Trumps für das höchste Führungsamt in der NATO gibt es weitere Gründe für ein Überdenken der Lage Deutschlands im nordatlantischen Bündnis, welche die Deutsche Nation nicht länger verdrängen sollte.

1.      Die NATO ist einmal gegründet worden als Abwehr gegen die Bedrohung durch den Warschauer Pakt. Der existiert schon lange nicht mehr. Die NATO hätte aufgelöst werden können, wurde sie aber nicht, weil die USA weiterhin einen Knüppel für die Erreichung ihrer weltpolitischen Ziele behalten wollten. Den Knüppel NATO benutzten sie dann nach dem 11. September 2001. Nicht der Staat Afghanistan hatte die USA angegriffen, sondern eine Räuberbande hatte zwei Hochhäuser zerstört. Insofern war der Bündnisfall gar nicht gegeben. Die Verfolgung Osama bin Ladens wäre Sache von Interpol gewesen. Der Überfall der USA auf Afghanistan war eine Überreaktion, aber mit einem erwünschten Vorwand, um im rohstoffreichen Zentralasien Fuß fassen zu können. Was die USA wirklich an Afghanistan fesselt, ist die Hoffnung, die gewaltigen Rohstoffreserven des Landes eines Tages ausbeuten zu können und nicht primär das Bestreben, den „lieben, armen Afghanen“ mehr Sicherheit zu verschaffen. Leider klappte und klappt die Zusammenarbeit mit den Taliban nicht. Deshalb ist alles anders gekommen. Wenn es wirklich nur um die Sicherheit Afghanistans ginge, müsste man sich folgende Frage stellen: Weshalb müssen Soldaten aus den 20000 Kilometer entfernten Vereinigten Staaten von Amerika und aus dem 5000 Kilometer entfernten Deutschland für die innere Sicherheit Afghanistans sorgen? China ist direkter Nachbar Afghanistans und könnte die NATO von ihrer „schweren Last“, für die innere Sicherheit  des Landes zu sorgen, leicht befreien, wenn die wirtschaftlichen Interessen der USA in Afghanistan nicht das entscheidende Hindernis für eine solche Entscheidung wären. Es ist also offensichtlich, dass  der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan bei einer mehr den deutschen Interessen entsprechenden Außenpolitik durchaus überflüssig wäre. Herr Gabriel sollte diesen Gedanken mit seinem Kollegen, dem chinesischen Außenminister in Peking, doch einmal vertiefen.

2.      Zum deutsch - russischen Verhältnis: Deutschland ist seit 1945 durch amerikanische Einflussnahme stets so manipuliert worden, dass es in Moskau eine Bedrohung gesehen hat. Nach Meinung des Leserbriefschreibers ist Russland jedoch keine Bedrohung. Putin dürfte Westeuropa viel eher als „fette, Eier legende Henne“ betrachten, mit der er gute Geschäfte machen möchte und die man deswegen nicht durch einen Atomkrieg zerstört. Die Europäer sind dumm genug, die ausgestreckte Hand Russlands mit dem fortdauernden Handelsembargo zurückzuweisen. Zur Krim: der Ukrainer Nikita S. Chruschtschow hat sich 1954 in seiner Eigenschaft als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion als Dieb betätigt, indem er Russland die Krim durch Abtrennung gestohlen und seiner Heimat, der Ukraine, einverleibt hat, nachdem die Halbinsel seit 1783 zu Russland gehört hatte. Putin hat die Krim sicher nicht auf die „feine englische Art“ nach Russland zurückgeholt, aber nach einem halben Dutzend NATO – Osterweiterungen, mit denen die NATO immer näher an den Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, Sewastopol, herangerückt war, erscheint seine Handlungsweise durchaus nachvollziehbar. Europäische Kritiker sollten sich, bevor sie Putin verurteilen, besser erst einmal über die Geschichte der Krim informieren

3.      Donald Trump ist kein Demokrat, was er mit seinen fortgesetzten Angriffen auf die Justiz und die Medien der USA unter Beweis stellt. Glücklicherweise ist die amerikanische Demokratie noch stabil genug, um Trump daran zu hindern, unter Anwendung der „Methode Erdogan“ seine Gegner zu Tausenden einsperren zu lassen. Als Präsident eines demokratischen Staates und Führer eines internationalen Bündnisses ist er jedoch wegen seiner zahllosen Charakterdefekte vollkommen ungeeignet

4.      Das nordatlantische Bündnis ist zu zerstritten, um in einem eventuellen Krieg eine Siegeschance zu haben. Der Spaltpilz ist Recep Tayyib Erdogan. Er macht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit Deutschlands und der Türkei als „Verbündete“ im Kriegsfalle unmöglich und bietet somit einem möglichen militärischen Gegner die Chance, einen Keil in das Bündnis zu treiben.

Noch eine Randbemerkung zum ehemaligen Bundeskanzler Schröder: über Gerhard Schröder kann man denken wie man will und sagen was man will, aber er verfügt über eine nützliche Eigenschaft: „Er „kann mit Putin“! Wenn die deutschen Spitzenpolitiker auch über diese Eigenschaft verfügten, würde das die Position Deutschlands auf dem Schachbrett der Weltpolitik ganz erheblich stabilisieren.

Der Leserbriefschreiber beendet diesen Brief mit seinem Credo: “Wenn Deutschland nicht zusammen mit den anderen europäischen NATO – Partnern eine ganz einschneidende politische Weichenstellung im nordatlantischen Bündnis vornimmt, wird der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten und gleichzeitige militärische Oberbefehlshaber der NATO, Donald Trump, Europa ins Unglück stürzen!“

Otfried Schrot


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