Die Gewöhnung - Todfeindin des kritischen Bewußtseins - QR Code Friendly
 Auszug aus den Medien: Indien wird nach Ansicht von Experten im kommenden Jahr Großbritannien und Frankreich überholen und zur fünftgrößten Wirtschaftsmacht aufsteigen. Von derzeit Platz sieben werde sich Indien 2018 auf den fünften und bis zum Jahr 2032 sogar auf den dritten Platz hocharbeiten, erklärte das Londoner Consultingunternehmen Centre for Economics and Business Research am Dienstag. Stellungnahme des Leserbriefschreibers: Das Beispiel zeigt, wie das wirtschaftliche Kraftfeld der Welt sich unaufhörlich verändert, während in der Weltpolitik eine Zementierung der Macht stattfindet. Als die UNO 1945 gegründet wurde und die sogenannten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges mit der Installierung des Sicherheitsrates in der Charta der Vereinten Nationen ihre privilegierte Vormacht zementierten, war Indien noch eine britische Kolonie, die sich unter der Führung Mahatma Gandhis mühsam auf den Weg aus der Bevormundung durch Großbritannien hinaus zur Unabhängigkeit machte. Nun gehört Indien zu den ganz Großen, die auf Grund ihrer seit 1945 erlangten Bedeutung sehr wohl ebenfalls einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat verlangen könnten. Die ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates tun aber so, als ob sie die großen Veränderungen seit 1945 nicht zur Kenntnis genommen haben und beharren auf ihrer Vormacht in der UNO „bis zum Ende der Weltgeschichte“. Der Menschheit ist nicht bewusst, dass wir in einer „Weltdiktatur der großen Drei“ leben, die nicht daran denken, die von ihnen in 70 Jahren angewärmten Stühle im Weltsicherheitsrat auch einmal für andere frei zu machen. Ein einziges Veto im Weltsicherheitsrat genügt, um das „Rad der Geschichte“ zum Nachteil der gesamten Menschheit anzuhalten. Wir, die regierte Menschheit, leben nicht in einer Weltdemokratie, sondern in einer Weltdiktatur, in welcher das Triumvirat, welches aus den USA, Russland und China besteht, bestimmt, „wo es langgeht“! Erst wenn sich alle, egal ob hoch oder niedrig, egal ob reich oder arm, aus eigener Einsicht dem gleichen Recht unterordnen, werden wir einen erträglichen Weltzustand erreicht haben. Dazu ist es erforderlich, dass sich Kräfte bilden und zusammenschließen, die eine Weiterentwicklung des internationalen Rechtes fordern, insbesondere mit dem Ziele, dem Erwerb, der Erhaltung, der Ausübung und der zeitlichen Begrenzung von Macht noch engere Grenzen zu setzen als sie zur Zeit bestehen. Voraussetzung dafür ist, dass die Menschheit aus ihrem „Todesschlaf der Gewöhnung“ erwacht und beginnt, ihr eingerostetes kritisches Bewusstsein zu polieren. Otfried Schrot
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Otfried Schrot

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