Von 1914 nichts gelernt - QR Code Friendly
Der Erste Weltkrieg begann mit einem Doppelmord: beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-UngarnsErzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenbergbei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Bewegung Mlada Bosna, ermordet. Kurze Zeit  später stand die Welt in Flammen und der erste Weltkrieg begann, weil die politischen Verantwortungsträger der Zeit  es verabsäumt hatten, sich Eimer mit kaltem Wasser über die Köpfe zu gießen und Entscheidungen mit Besonnenheit und Augenmaß zu treffen. Nun haben wir schon wieder so einen Fall. Der Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im britischen Salisbury gefunden worden. Nach britischen Angaben wurden sie mit dem in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Beide befinden sich seitdem in kritischem Zustand. Russland bestreitet jegliche Verwicklung. In der Tat, so ist es. In allen Berichten über den Vorfall finden sich nur Begriffe wie „mutmaßlich, höchst wahrscheinlich, so gut wie sicher“. Wladimir Putin konnte bis jetzt keine Schuld nachgewiesen werden. Das hinderte Theresa May nicht an einer hysterischen Überreaktion, und sie versicherte sich prompt der Solidarität der EU – Staaten, dieselbe Dame, die total unsolidarisch mit ihrem Land Großbritannien die EU verlassen will. Meine schrille Dame in London und meine Herren EU – Regierungschefs, vor keinem zivilisierten  Gericht in einem zivilisierten Staat wird ein Angeklagter ohne Beweis seiner Schuld verurteilt. Eine Mutmaßung reicht nicht aus! Sie haben überreagiert. Wollen Sie alle noch einmal an der Eskalationsschraube drehen wie die politischen Versager des Jahres 1914 und den Giftanschlag in Salisbury in einen gigantischen Kriegsausbruch verwandeln? Weshalb hat Theresa May nicht die diplomatische Intelligenz besessen, die russische Regierung einzuladen, zusammen mit der britischen Regierung nach dem Bösewicht zu fahnden, der versucht hat, mit dem Giftanschlag einen Keil zwischen Großbritannien und Russland zu treiben? Das wäre eine elegante Reaktion gewesen, und Wladimir Putin wäre in der Bringschuld gewesen. Weshalb soll er denn unmittelbar vor zwei für seine Prestigepflege so extrem wichtigen Terminen wie seiner erhofften Wiederwahl und der Fußballweltmeisterschaft in Russland „so dumm und dämlich sein“, sich der ganzen Welt als „Giftmischer“ zu präsentieren, Herr Juncker? Wer hat denn nun etwas von der Abberufung  von 46 Diplomaten aus zwei Botschaften und von der Abberufung des EU – Botschafters aus Moskau? Antwort: der noch unbekannte und noch nicht aufgefundene Täter, der einen Keil zwischen Russland und den Westen treiben wollte und sich ins Fäustchen lacht, weil er „einen Volltreffer“ gelandet“ hat, nämlich mit einem minimalen Einsatz wieder eine Eiszeit zwischen Ost und West herzustellen. Eine Erkenntnis ist traurig: die Mechanismen in den beteiligten Politikergehirnen haben in diesem Fall genau so versagt wie im Jahre 1914. Armes Europa, arme USA!  Ihr seid auf einen noch Unbekannten „hereingefallen“! Otfried Schrot
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Otfried Schrot

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