Verzweiflungsschrei der
Zitat aus einer Zuschrift: unsere Kliniken auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos sind überfüllt mit Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen. Sie werden dort nach oftmals traumatischen Erlebnissen einem zweiten Trauma ausgesetzt, wie der junge Familienvater Ahmad: Er desertierte vor der syrischen Armee, weil er nicht töten wollte. Jetzt sitzt er seit einem halben Jahr mit seiner Frau und dem drei Monate alten Sohn in Samos fest. Er hat Tag und Nacht Angst, dass sein Asylantrag zum zweiten Mal abgelehnt wird. „Was sollen wir tun? Uns ins Meer stürzen?“, fragt seine Frau. Ahmed fürchtet die Abschiebung nach Syrien, und dass das sein Todesurteil wird.

Existentielle Ängste, fehlende Privatsphäre und kaum medizinische Hilfe: Jeden Tag behandeln unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen physische und psychische Wunden. Allein im vergangenen Jahr haben sie mehr als 5.200 medizinische Konsultationen abgehalten und fast 1.400 psychologische Einzelsitzungen. Doch nach den Behandlungen müssen die Menschen in die gleichen einfachen Sommerzelte – auch im Winter – oder in überfüllte Container zurückkehren. Es fehlt ihnen an sauberem Wasser oder warmer Kleidung, so dass wir unentwegt Kinder wegen Atemwegserkrankungen, Durchfall oder Hautkrankheiten behandeln. In Lesbos leben beispielsweise 5.400 Menschen in einem Lager für höchstens 2.300 Personen. Abo Arab, ein 28-jähriger Syrer aus Damaskus, hat Haft und Folter in Syriens Gefängnissen überlebt. Er sagt: „Am Ende würden selbst Heilige aufeinander losgehen, wenn sie so lange hier festgehalten würden wie wir.“ Unsere Psychologen bestätigen, dass das Leben der Menschen in mit Stacheldraht abgezäunten Lagern und völliger Ungewissheit zu neuen psychischen Problemen wie Depressionen bis hin zu Selbstmordversuchen führt.

Die Verzweiflung der Menschen ist ein Resultat des EU-Türkei-Abkommens. Wir fordern daher, mehr Personen auf das griechische Festland zu bringen und dort zusätzliche Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Die Übersiedlung von Menschen in andere EU-Staaten muss wiederaufgenommen und auf den griechischen Inseln die medizinische und humanitäre Versorgung verbessert werden.

Stellungnahme des Leserbriefschreibers: möge dem satten, lautstarken Herrn Orban und seinem gutchristlichen ungarischen Volke dieses Schicksal für den Rest der Weltgeschichte erspart bleiben! Mögen die Bösmenschen hierzulande, die den Gutmenschen ihre Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen vorwerfen, anfangen, über den Begriff „Solidarität“ nachzudenken!“ Otfried Schrot
Weitere Artikel
Otfried Schrot

Bewerten, Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Um diesen Artikel hier in der Bürgerredaktion zu kommentieren, bitte anmelden.

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
(Durchschnittliche Bewertung 0 bei Bewertung(en))