Eine Bilanz - QR Code Friendly
Die Astronomen haben mit ihren Teleskopen noch keinen Ersatzplaneten im Universum gefunden, auf den die Menschheit übersiedeln könnte für den Fall, dass sie ihren Planeten unbewohnbar macht. Das Schicksal der Menschheit steht und fällt mit dem „Funktionieren“ des Planeten Erde. Wir, das Menschengeschlecht, haben aber noch keine globale Instanz geschaffen und mit den erforderlichen Vollmachten ausgestattet, um die Bewohnbarkeit unseres Planeten auf Dauer sicherzustellen. Das ist der erste Faktor, der die Zukunft der Menschheit gefährdet. Der zweite Faktor ist das Fehlen einer völkerrechtlich verbindlichen Regelung für die gewaltlose Lösung aller Konflikte. Weil sie fehlt, hängt das Damoklesschwert von 15000 Atomsprengköpfen und von Tag für Tag erneut sich über den ganzen Planeten ergießenden Waffenexporten mit einer unablässigen  Zunahme von Kriegen mit daraus resultierenden immer größeren Flüchtlingsströmen über unseren Köpfen. Abrüstungsgespräche sind Augenauswischerei, so lange aufgerüstet wird. Der Weltsicherheitsrat ist nie ein Produzent von Sicherheit gewesen. Die Mitglieder führen ständig Kriege und belauern sich gegenseitig. Was sie zerstören wie im Irak und in Afghanistan, müssen  Tausende von Nichtregierungsorganisationen, die nur für das Wohl der Menschen arbeiten, mühsam wieder aufbauen.  Der dritte Faktor ist das Fehlen einer internationalen Vereinbarung über die Auswahl der politischen Führer für die Besetzung der Positionen der Regierungschefs. Auf dieser Welt kann nur etwas besser werden, wenn die Kooperation der 193 Regierungschefs der Mitgliedstaaten der UNO so glatt funktioniert wie ein Verbund von gut geölten Zahnrädern. Vorrausetzung dafür ist, dass alle annähernd die gleiche Vorbildung und die gleichen charakterlichen Eigenschaften, vor allem Verantwortungsbewusstsein haben, weniger für das eigene Bankkonto, sondern für die Menschen, die ihnen ihr Schicksal anvertraut haben. Der vierte Faktor ist das Fehlen einer internationalen engmaschigen Regelung für den Ablauf von Wahlkämpfen in den Demokratien. Die schönste Freiheit der Meinungsäußerung ist dann dem Verfall preisgegeben, wenn sie von den Kandidaten für ein politisches Amt zur Volksverhetzung missbraucht wird. Nur strenge Sachlichkeit der Kandidaten kann Demokratien erhalten. Der fünfte Faktor ist das Fehlen einer internationalen Vereinbarung über die Unkündbarkeit internationaler Verträge durch die Nachfolger der Unterzeichner. Wenn diese Vereinbarung nicht bald zustande kommt, können wir wieder in die Steinzeit zurückkehren. Der sechste Faktor ist das Fehlen einer internationalen Vereinbarung über den dringend gebotenen Ausgleich zwischen Reich und Arm, ein „Dauerbrenner“ in der Weltgeschichte. Je größer der Abstand zwischen Reich und Arm wird, desto größer wird die Neigung zu Revolutionen und zur Entstehung von Flüchtlingsströmen, die vom Elend zum Wohlstand ziehen. Der siebente Faktor schließlich und endlich, der alle sechs vorher erwähnten Faktoren einschließt, ist das Fehlen einer geregelten Weltordnung in Form einer Weltverfassung, die das Zusammenleben und die Regelung der Bedürfnisse der Menschheit im 21. Jahrhundert ohne Gewaltanwendung sicherstellt, insbesondere eine internationale Vereinbarung über den Umgang mit dem Internet und über die internationalen Handelsbeziehungen und eine völkerrechtlich verbindliche gewaltlose Lösung von Konflikten, damit wir in unserem Unvermögen, unsere Emotionen unter Kontrolle zu halten, diesen Planeten nicht pulverisieren. Es ist traurig, dass ein unbekannter Leserbriefschreiber die Mächtigen der Welt mit ihren fetten Gehältern mit dieser politischen Bilanz konfrontieren muss, um ihnen einen Anstoß zur Abarbeitung der großen Defizite in der Weltpolitik zu geben. Otfried Schrot
Bewerten, Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Um diesen Artikel hier in der Bürgerredaktion zu kommentieren, bitte anmelden.

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
(Durchschnittliche Bewertung 0 bei Bewertung(en))