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Fangen wir mit der Kanzlerin an. Politiker verlieren im Laufe ihrer Amtsführung das rechte Augenmaß für die Dinge. Beweis: die Kanzlerin hat das deutsche Sprichwort vergessen: Aller guten Dinge sind drei. Sie hätte nach drei Legislaturperioden – nach der Heranbildung von geeignetem Nachfolgepersonal – in allen Ehren in den mehr als wohlverdienten Ruhestand gehen können, und ihr mehr oder weniger glanzvolles Bild in den Geschichtsbüchern wäre unangetastet geblieben. Beim vierten Versuch ist sie im Gestrüpp einer gescheiterten Regierungsbildung hängen geblieben. Völlig grotesk wird die Situation nun dadurch, dass sie nicht die Weisheit besessen hat, zu sagen: „Ich betrachte das als Wink des Schicksals, jetzt einer jüngeren Kraft Platz zu machen!“ Stattdessen „will sie nun ein fünftes Mal ran“ und erinnert den Leserbriefschreiber damit an den Starrköpfigen in Simbabwe, der gerade mit dem Segen seines Volkes mehr oder weniger unsanft in den Ruhestand geschickt wurde. Ferner ist der Kanzlerin vorzuwerfen, dass sie – der „Methode Helmut Kohl“ folgend – geeignete Nachfolger behutsam an den politischen Horizont verschoben hat, wo sie ihr nicht gefährlich werden  konnten. Und der CDU ist vorzuwerfen, dass ihre Hörigkeit gegenüber der Chefin offensichtlich so weit fortgeschritten ist, dass in der Partei auch niemand den Mut gehabt hat, der Dame nahezulegen, nunmehr die sanften Gefilde des wohlverdienten Ruhestandes aufzusuchen. Martin Schulz kann man nur mit einem Satz begegnen: „Man soll nie nie sagen!“ Diese Lektion lernt er jetzt. Zu Horst Seehofer kann man nur sagen: er kämpft um jeden Tag, an dem er noch die frische Höhenluft der Macht atmen darf! Das verheißt bewegende, wenn nicht hässliche Szenen auf dem bevorstehenden CSU – Parteitag. Und nun kommt die Überraschung: obwohl der Leserbriefschreiber nie Kommunist war und nie der Linken angehört hat, wünscht er sich Sarah Wagenknecht als Bundeskanzlerin, weil sie keine Probleme damit hat, über ein Thema zu sprechen, das in den Gesprächen zur Bildung einer Jamaica – Koalition offensichtlich vernachlässigt worden ist, nämlich Deutschlands Waffenexport, einer der größten der Welt, der im Gegensatz zu Willi Brandts Gelöbnis steht: „Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen!“und auch im Gegensatz zu den Nie – Wieder – Gelübden am Volkstrauertag und am Holocaust – Gedenktag. Es ist eine der großen Zukunftsaufgaben der deutschen Nation, in diesem Punkte ehrlich zu werden und sich in Anbetracht des Kriegselends auf der Welt von der Profitgier und der Heuchelei zu befreien und der politischen Moral endlich die Ehre zu geben.       Otfried Schrot

 
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Otfried Schrot

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