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SZ vom 11./12.08.2012, Seite 21, Titel "Demokratie zeigt Zähne"

Die Sportlerin (von der SZ hinzugefügt: Nadja Drygalla) mit ihrem rechtsradikalen Freund täuscht ein Dilemma von
faustischen Ausmaßen vor, in dem wir uns befinden sollen.
Ließ sie sich doch mit dem "Teufel" ein und, obwohl niemand weiß ob sie dort auch seine Lieder singt, in die Hölle musste sie dazu allemal. Da aber sitzt sie nun in ihrer Zwickmühle: soll sie auf ihre Liebe verzichten, was auch eine Hölle ist oder (Die SZ dichtet: nur gegen alle Widerstände weiterschmoren?) einfach nur weiterschmoren und gegen alle Widerstände...? Es regt sich der fromme Wunsch, dass sie die Kraft habe, dabei nicht selbst radikal zu werden.
Das aber wird schwer. Denn aus ihrer subjektiven Liebessicht sind sicher wir die größeren Teufel. Und damit hätte sie, solange sie sich nicht radikalisiert, leider auch fast recht.
Denn: wir können diese Liebe nicht lieben. Wir verabscheuen die radikale Rechte.
Verabscheuen wir sie aber so sehr, dass wir selbst ein mögliches Unrecht, als das kleinere Übel, in Kauf nehmen?
Welch ein vordergründiges Dilemma! Stecken wir ein Mädchen wegen ihrer Liebe in "Einzelsippenhaft", weil
wir alle die angestrebte völkische Sippenhaft ihres  rechtsradikalen Geliebten verhindern wollen und müssen? Isolieren wir also "notgedrungen" die Rechtsradikalen und ihre Wasserträger?
In Wahrheit tun wir das alles sehr bewußt, gezielt und auch rechtlich einwandfrei.
Denn freie Liebe ist die Kür, unabdingbare demokratische Pflicht dabei ist aber die
demokratisch zu verantwortende Partnerwahl. Wer sich einen undemokratischen
Partner wählt, hat ihn sich zuzurechnen. Wird, weil er oder sie das selbst frei
so entschieden hat und solange er oder sie sich nicht eindeutig öffentlich
distanzieren, berechtigt ebenfalls als undemokratisch angenommen. Die Demokratie
zeigt (die SZ dichtet dazu: in diesem Fall) gesunde Zähne.
Das dritte Reich aber (Sippenhaft?), mit all seiner Idiotie hat bei diesem einfachen demokratischen Prozess gar nichts zu suchen. Das stopfen wir damit gerade. Denn aus diesem Loch stinkt es noch.

Michael Maresch


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