XY gelöst (gedruckt) - QR Code Friendly
AZ vom 18.10.2013, Seite 21
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Wir könnten auf einfachste Weise die Kriminalität in unserem Land beinahe beseitigen: wir müssen nur eine Gendatenbank aufbauen, die alle Menschen, die in unserem Land sind, umfasst. Am besten europaweit: bei Geburt oder Grenzübertritt: Speichelprobe.
Das müsste nur die sicherste Datenbank der Welt sein: Ohne Internet - Anschluß. In keinem Netzwerk. Im Hochsicherheitstresor. Zugriff nur durch richterlichen Beschluss.
Das wäre der größte mögliche Schlag gegen Verbrechen aller Art, der SuperGAU für Kriminelle.
Gerne bin ich der Erste, der seine Gene dort einlagert.

Michael Maresch

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Kommentare

# Alois Sepp 2013-10-17 10:47
Würde bei dieser Aktion sofort mitmachen!
# Roland Klose 2013-10-18 17:05
Die Gendatenbank halte ich für keine gute Idee. Stellen Sie sich mal vor, Sie gehen jeden Morgen an den Isarauen joggen und verlieren dabei gelegentlich aufgrund der Anstrengung Schweiß und Spucke. Und plötzlich wird eines Tages und eines Abends dort eine Leiche gefunden. Am Tatort wird daraufhin nach dem Abgleich mit der Gendatenbank Ihre DNA sichergestellt. Sie sind zwar nicht der Täter, aber für den Tatzeitpunkt haben Sie leider kein Alibi. Dann sind Sie urplötzlich für die Polizei der Tatverdächtige Nr. 1. Wollen Sie das wirklich?
# Michael Maresch 2013-10-18 19:40
Die Gefahr, Herr Klose, die Sie beschreiben, gibt es nicht. Genspuren sind zeitlich nicht zuzuordnen. Das bedeutet, man weiß nicht, wann eine Genspur entstanden ist. Daher sind Genspuren im und aus dem öffentlichen Raum ohne jede Beweiskraft.Die verbleibende geringe Gefahr in die Nähe eines Verbrechens gerückt zu werden, nehme ich in Kauf, wenn dafür all die Vergewaltiger, Mörder und Kriminellen gefasst werden. Auch ohne Gentechnik war ich einst im Verdacht den Oetger entführt und getötet zu haben, weil ich in die Rasterfahndung passte. Mit Gentechnik wäre das nicht passiert.
# Manfred Kiefer 2013-10-19 09:20
Ich halte das - mit Verlaub - für eine Schapsidee. Dem Missbrauch ist dadurch Tür und Tor geöffnet. Herr Klose hat mit seiner Argumentation völlig recht!
# Michael Maresch 2013-10-19 09:36
Ich halte es, mit Verlaub, für eine Schnapsidee, einen Dritten arumentationslos einer Schnapsidee zu bezichtigen.
# Manfred Kiefer 2013-10-19 09:48
Argumentationslos? Um es zu wiederholen: dem Missbrauch sind dadurch Tür und Tor geöffnet. Das werden sie auch durch die vermeintlich besten Sicherungen nicht verhindern können.
# Dagmar Schön Rechtsanwältin 2013-10-21 01:11
Ich habe diesen Vorschlag zuerst für einen Witz gehalten, wirklich.

Nachdem ich nun weiß, dass er tatsächlich ernst gemeint ist, bin ich schlichtweg entsetzt. Dieser Vorschlag enthüllt ein Menschenbild, ein Staatsverständnis und eine Kenntnis davon, wie unser 'Rechtsstaat' funktioniert, der eine umfassende Ahnungslosigkeit von unserem GG offenbart, aber auch darüber, wie es praktiziert wird.
Der Traum von einer Gesellschaft, in der niemand jemand schädigt, also strafbar handelt, weil man ALLE Straftäter erwischt und bestraft, ist wirklich sehr unbedarft.
Prof. Roxin, bei dem ich in den 70iger Jahren Strafrecht gehört habe, sagte in seinen Vorlesungen: „Das Strafrechtssystem lebt von der Dunkelziffer.“ Was er damals sagte habe ich erst sehr viel später verstanden. Sozialadäquates Verhalten erzeugt man nicht durch Bestrafung - das sollte schon jeder wissen, der Kinder hat. Und die größten 'Verbrecher, die, die viele Menschen verletzen und umfassende Schäden erzeugen, sind nicht die 'normalen Bürger' wie du und ich, die in XY abgehandelt werden, sondern das sind Menschen, die Funktionen und Jobs haben, in denen sie Macht ausüben können. Sie sind meist sehr wohl bekannt und trotzdem geht man nicht gegen sie vor. In allen Zeitungen sind täglich Dutzende von entsprechenden Artikeln. Um sie zu finden braucht man bestimmt keine Gendatenbanken.
Gendatenbanken von allen Bürgern, das sind die 'wet-dreams' der NSA-Chefs und ähnlich Verrückter.
# Michael Maresch 2013-10-21 08:30
Ich habe mich, als Erfinder, ein ganzes Leben davon ernährt, das wenigstens anzudenken, was nicht gedacht werden darf. Oft gegen den erbitterten Widerstand der sogenannten "Fachleute".
Ich träume keinen Traum von der vollständigen Ausmerzung des Verbrechens und selbstverständlich sind die wahren Verbrecher nicht mit Gentechnik erfassbar.
Prof. Roxin, den ich auch gehört habe, gibt dazu wenig her, die Möglichkeit der Gendatenbanken, egal ob in der Hand der Guten oder der Bösen, hätte sein Gebäude schwer ins Wanken gebracht.
Trotzdem: wenn es ein Gedankengebäude gibt, das Gendatenbanken für die Menschenrechte und die bürgerlichen Rechte nutzbar macht, darf man dieses wichtige Instrument keinesfalls ausschließlich den oben genannten wirklichen Verbrechern überlassen.

Ich sehe das, Entschuldigung, einfach mehr technisch. Für mich ist eine Datenbank, ohne die übrigens auch die Bürgerredaktion nicht möglich wäre, nur ein Werkzeug. Ein gefährliches zwar, ähnlich der Atomkraft, aber eben erst mal nur ein neutrales Werkzeug, das in seiner Reinform mit meinem oder irgendeinem Menschenbild gar nichts zu tun hat.
Viel gefährlicher, immer als reines Gedankengut betrachtet, sind da die Netze. Sie erlauben den Zugriff und damit den Missbrauch.
Ich will also nichts, als mal darüber nachdenken zu dürfen, wie gefährlich Gendatenbanken sind, wenn man sie von den Netzen trennt.
Sosehr manche Leute das auch bedauern mögen: Technik ist nicht zurückdrehbar. Die Macht der Gendatenbanken ausschließlich in der Hand der Verbrecher aller Art, jagt mir einen Schauer über den Rücken.
Eine Tabuisierung des Themas befördert aber genau diesen Trend.
# Roland Klose 2013-10-21 11:58
Sie haben recht, Herr Maresch, Deutschland braucht Erfinder und Querdenker. Ich selber bezeichne mich als Querdenker, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht. Soziale Gerechtigkeit ist aber wie die Bekämpfung der Kriminalität und die Gewährleistung von absluter Sicherheit nie vollständig realisierbar, obwohl der Trend genau dahingeht: z. B. durch biometrische Passbilder und Fingerabdrücken in Reisepässen. Jetzt fehlt nur noch, dass von jedem Bürger Speichel, Urin und Blut in sog. Datenbanken gespeichert wird. Mit all diesen Maßnahmen wird jeder Bürger automatisch kriminalisiert und als möglicher Verbrecher verdächtigt. Das schränkt meine persönliche Freiheit ein und schwächt meinen Glauben an demokratischen Rechtsstaat. Außerdem will ich nicht ständig als möglicher Terrorist im Internet, am Telefon und per Handy geortet. abgehört und beobachtet werden. Diesen Staat kann ich nicht akzeptieren. Er muss bekämpft und in seine Schranken gewiesen werden. Wir sind das Volk!
# Dagmar Schön Rechtsanwältin 2013-10-21 12:02
Zu einer "Erfindung" gehört eine "Erfindungshöhe", das wissen Sie sicher besser als ich. Die Entwicklung einer Datenbank, die Entschlüsselung des Gens waren "Erfindungen". Was mit einer Datenbank alles gemacht werden soll, ist eine Anwendung dieser Erfindung. Anwendungen sind kein schützenwerte kreative Akte.
Die Idee ALLE Bürger eines Landes in eine Gendatenbank aufzunehmen ist überhaupt nicht neu und deren Gefährlichkeit ist so evident, dass man dazu gar nicht die derzeitigen oder früheren Exzesse von Machtausübung kennen muss, um dagegen zu sein. In der Tat sehen Sie das zu "technisch" - mit Verlaub: Wissenschaftler und Erfinder, die nicht wissen, dass auch sie sich im Rahmen von Menschenrechten und anderen Werte- und Gesetzesordnungen bewegen, waren und sind ein Riesenproblem für die Menschheit. Ich habe zu diesem Thema ein Interview mit Carl Djerassi gemacht. Er hat nicht nur die 'Pille' erfunden, sondern 27 Ehrendokterwürden für seine übrigen ehemischen Forschungen erhalten. Er fordert zwar Freiheit die Grundlagenforschung, aber die Anwendungen muss natürlich kontrolliert werden. Er sagte, dass er sich niemals für die Herstellung von chemischen Waffen hätte einspannen lassen. Prof. Hans-Peter Dürr, auch kein ganz unwichtiger Wissenschaftler, sagt das gleiche.
Wenn Sie sagen, dass das Motiv für Ihren Vorschlag nicht der Traum von der verbrechensfreien Gesellschaft ist, frage ich mich, was dann das Motiv ist und ob Sie sich überhaupt Ihrer Motive für diesen Vorschlag bewusst sind. Sie begründen ihn jedenfalls nur mit einer effektiven 'Verbrecherjagd'. Ungewöhnlich und neu finde ich an Ihrer Idee gar nichts, es ist der alte Traum der 'Weltherrscher'.
Technik ist sicher nicht zurückdrehbar, aber je wirkungsmächtiger sie ist, umso mehr muss ihre Anwendung überwacht und kontrolliert wird. Ihre Anwendung muss im Rahmen von WERTEN stattfinden. Ich halte auch Atomkraftwerke, Tiefseebohrungen nach Öl etc. für Verbrechen. Techniken, die bei menschlichem oder technischem Versagen Schäden verursachen, die nicht zu berechnen sind, weil sie so groß sind, dürften überhaupt nicht angewendet werden. Wir wissen: absolute Sicherheit gibt es nicht, auch nicht bei gefährlichen Techniken. Bisher zahlen immer noch die 'kleinen Leute' , also wir die Zeche hierfür.
Es stimmt auch nicht, dass eine umfassende Gendatenbank und deren Anwendung bei Straftaten Roxins Aussage 'ins Wanken' bringen würde. Im Gegenteil, es würde sie bestätigen. Wenn tatsächlich ALLE Straftaten, die begangen werden, auch verfolgt würden und nicht wie heute, nur nach dem Zufallsprinzip des russischen Rouletts, bräuchten wir einen Polizei- und Justizapparat, der grob geschätzt fünf Mal so groß sein müsste, wie der jetzige. Man könnte die so verschwendete kreative Energie wesentlich besser verwenden. Lesen Sie doch zu diesen Themen mal wieder den guten, alten Arno Plack, der schon in den 70iger Jahren Erhellendes dazu geschrieben hat. z. B. "die Gesellschaft und das Böse" und "Plädoyer für die Abschaffung des Strafrechts". Seine Forderungen Ehebruch und Homosexualität aus dem Strafrecht zu entfernen, wurden immerhin schon 1969 verwirklicht. Mit der Abschaffung des Strafrechts, das übrigens nicht nur er fordert, wird es, das zeigt Ihre Einstellung, noch sehr viel länger dauern.
# Michael Maresch 2013-10-22 00:09
Es ist ja nicht so, dass ich nicht beinahe jede kluge Bemerkung zu meinem zugegebenermaßen idealistisch überhöhten Artikel unterschreiben könnte. Auch die Art wie andere die Nägel zu meiner Kreuzigung schärfen, finde ich bemerkenswert. Nach langen Gesprächen zum Thema mit meiner Frau fordere ich auch nicht mehr Abstraktionsvermögen oder Lesegenauigkeit ein, noch bin ich beleidigt, weil niemand mich im Zusammenhang sieht und daraus das Vertrauen ableitet, dass ich nicht über Nacht zum rechten Zombie verkommen bin.
Diese Diskussion von meiner Seite abschließend, habe ich nur noch zwei Bemerkungen:
1. Das Patentrecht ist das Werkzeug einer kriminellen Vereinigung zwischen Großindustrie und Gesetzgeber, zum Nachteil einzelner innovativer Menschen, das oft zu deren Tod führt. Die Henker sind die Patentanwälte.
2. Ich schreibe auch in Zukunft genau das was ich meine. Denn das ist der innere Sinn der Bürgerredaktion: Die vollständige Freiheit der Autoren. Ob sie verstanden werden oder nicht, ob sie verstehbar sind oder nicht.
# Alois Sepp 2013-10-24 22:50
Herr Maresch, so soll es auch verstanden werden, dass jeder von uns seine persönliche Einstellung und Meinung zu einem bestimmten Artikel kund tun kann. Das waren ja auch unsere allerersten Gespräche bei der Gründung der Bürgerredaktion. Ein wichtiger Grundsatz war doch, dass jeder von uns seine Meinung schreibt und vertritt, ohne irgendeine "Zensur" befürchten zu müssen.

Bei Leserbrief-Veröffentlichungen in der Tagespresse ist man immer der Zensur unterworfen, es wird nur das gedruckt was in die Spalte oder das Meinungsschema passt. Mitunter wird der ursprüngliche Sinn komplett auseinandergerissen, wenn der Beitrag in gekürzter Form abgedruckt wird. Es entsteht also mitunter ein völlig falsches Bild.

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