{jcomments on}Wir haben eine Kirchenspaltung, einen Dreißigjährigen Krieg, und wohl Millionen Tote gebraucht um z.B. das Ritual des Ablasskaufs einzustellen und unsere Religionen dorthin zu bringen, wohin sie gehören: in die Glaubensecke, nicht in die allgemeine Rechtsgestaltung.
Ob wir uns damit auch ein Recht erworben haben über die unsäglichen Rituale anderer Religionen zu urteilen, sei, vor allem vor unserer Geschichte, dahingestellt. Ich denke niemand will ernsthaft Beschneider bestrafen.
Das Recht, nein die Pflicht, wenigstens auf Unverträglichkeiten von Glaubensritualen mit unseren Gesetzesvorstellungen hinzuweisen, haben wir damit aber allemal.
Im Beschneidungsfall wie im Kopftuchfall oder im Klassenzimmerkreuzfall "heiligt" der Erfolg auch die Mittel: die Diskussion, nicht der Krieg, ist jeweils eröffnet. Glaubensfuzzies aller Art sollen wissen, dass wir unsere erworbenen Rechte und Pflichten demokratisch verteidigen. Dass wir nicht kuschen. Wie Heribert Prantl wiederholt in der SZ. Der sich nicht scheut sogar Joseph und Maria als mögliche Straftäter an den Haaren heranzuziehen. Das ist mindestens so krätzig wie das Beschneiden selbst: hätte Luther Jesus als Ablasshändler bezichtigt, wozu er heute jedes Recht hätte, wäre die Reformation damals sicher gescheitert.
Luther aber, ist solch Konfrontation erzeugende Stimmungsmache noch nicht mal eingefallen. Er hat einfach die Diskussion eröffnet. Wie das Kölner Landgericht. Die darauffolgenden Kriege haben die Glaubens- und Stimmungsmacher zu verantworten. Nicht Luther.
Schluss damit! Reden wir miteinander. Demokratisch unverbiegbar. Und ohne den Edelfedern das Recht zu "beschneiden" manchmal kleinmütig unter das Ziel zu schießen.
Welch eine wunderbare Debatte. Gelebte, erlebte Demokratie! Lasst uns 30 Jahre drüber reden!
Michael Maresch
