Rente: je gesunder desto Blase - QR Code Friendly

Wenn man sich aus unserem Wirtschaftssystem die Spekulanten wegdenkt, bleiben Waren, deren Wert in Lebenszeit der sie herstellenden Menschen bemessen werden kann. Ein Baum im Wald, zum Beispiel, hat keinerlei Wert, abgesehen von der Fiktion des Eigentums, bis jemand kommt und ihn in irgendeiner Form veredelt und/oder vermarktet. Damit kann festgestellt werden: die Fiktion Eigentum, sobald sie den lebenserhaltenden und sofort realisierbaren Bedarf des Eigentümers überschreitet, ist die Spekulation des Eigentümers darauf, dass da mal in der Zukunft jemand kommen wird, der sein Eigentum veredelt und/oder vermarktet. Blenden wir also den spekulativen Teil des Eigentums vorübergehend auch aus.

Was jetzt den Wert der Waren noch spekulativ beeinflusst, ist der unterschiedliche Bedarf der Menschen, hervorgerufen durch regionale Einflüsse und die Geschichte dieser Region, aber auch durch im jeweiligen Menschen liegende Einflüsse wie Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, Durchsetzungsvermögen , Gesundheit und Sozialisation.

Schnell wird klar, dass jeder dieser Begriffe, löst man ihn heraus, selbst wieder Basis von Spekulation werden kann. Der Gesunde gegen die Kranken, die erste Welt gegen die Dritte, usw., usw..

Stellen wir uns also eine Welt vor, in der Waren für jeden Menschen den gleichen Wert haben, eine Welt die spekulationsfrei ist. In ihr sind notgedrungen alle vollständig gleich und sterben nicht. Was für ein Horror. Und trotzdem, das ist das Ziel der idealen Demokratie.

Angekommen auf dieser Horrorvorstellung wird erkennbar, dass zwei der beschriebenen Spekulationsgründe unabdingbar sind, dass wir also keinerlei Einfluss darauf haben: das Alter und das damit verbundene Sterben sowie das Geschlecht. Alle anderen Einflüsse auf den Wert der Waren sind menschengemacht und daher auch wieder abschaffbar.

Soweit es das Geschlecht betrifft, haben wir das im vergangenen Jahrhundert in Angriff genommen. Wir sind da, unterstützt durch die Technik, auf einem guten Weg und können das Geschlecht wohl für diese Betrachtung ausblenden.

Bleibt das Alter und der Tod.

Bisher haben wir das so gelöst, dass wir das schwindende Leistungsvermögen des alten Menschen in den Warenwert der Produkte, die die Jungen erzeugen, eingerechnet haben. Erstaunlicherweise haben wir die Kosten, die der junge Mensch erzeugt, bis er Waren herstellen kann, abgesehen von Almosen wie Kindergeld oder den neuen Anspruch auf einen Krippenplatz, anders behandelt: die haben wir nicht den Waren, sondern der Leistungsfähigkeit ihrer Erzeuger zugeschlagen. Wir haben sie eher da belassen. Denn früher, vor der Erfindung der Rente, wurden die Kinder in die Familien geboren und starben, unabhängig von ihrem Alter, auch in deren Verantwortung.

Das bedeutet, dass wenigstens vermutet werden darf, dass die finanzielle Herauslösung der Alten aus dem Familienverbund durch die Rente, den Warenwert in die Fänge der Spekulation treibt.

Warum ist das so?

Die augenblickliche Diskussion um die Rente mit 67 gibt einen Hinweis: anders als beim jungen Menschen, der altersunabhängig, nach Vermögen, in den Produktionsprozess eingegliedert wird, wird der alte Mensch starr mit 65 oder meinetwegen mit 67, vollständig unabhängig von seiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit, ausgegliedert.  Diese Trennung aber, zwischen Vermögen und realem Austritt, öffnet der Spekulation Tür und Tor: in unserer Vorstellung wird der gesunde leistungsfähige siebenundsechzigjährige Mensch zum Gewinner und der ausgepowerte Fünfundfünfzigjährige zum Verlierer. So entsteht, in einer vergreisenden Gesellschaft, eine Spekulationsblase, die unmittelbaren Einfluss auf den Warenwert hat: je gesünder die Alten, desto Blase.

Ob es für dieses Dilemma eine Lösung gibt, wage ich nicht zu beurteilen. Eine Auflösung des starren Rentenalters hin zu einem individuellen Leistungsunfähigkeitszeitpunkt wäre wohl ein erster kleiner Schritt. Schon der aber setzt riesigste Änderungen im sozialen Bewusstsein der Menschen voraus. Freude an der Arbeit im ganzen Leben zum Beispiel oder ein hohes Maß von freudig erlebter Selbstständigkeit aller Bürger und die Erziehung dazu, Abschaffung der zermürbenden Lohnarbeit, problemlose Grundversorgung..., eine andere Welt eben.

Gehen wir sie an.

Schaffen wir die Spekulanten ab. Auch in jedem von uns. Fällen wir den Baum, den wir brauchen, gemeinsam.

Michael Maresch


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