Erbrecht: ein großer Schritt für die Menschheit? (gedruckt) - QR Code Friendly

Frankfurter Rundschau vom 09.06.2016 laut genios.de. Mehr Info nicht bekannt.


An der erbrechtlichen Behandlung von Unternehmen scheiden sich die Geister.
"Gar nicht besteuern!", sagen die Wirtschaftsgläubigen, "nur das erhält die Arbeitsplätze!".
"Besteuern wie jeden Anderen auch!", sagen die Vorschreiber, "Geld ist Geld!"

"Gerechtigkeit!", orakelt das Bundesverfassungsgericht.

 Jede Position hat viel Wahres. Und viel Falsches.

Ein Teufelskreis, bei dem der Gesetzgeber nie etwas ganz richtig, also gerecht, machen kann?

Falsch.

Es gibt eine einfache Möglichkeit, die sowohl der Wirtschaft, also den Arbeitsplätzen, als auch der Gerechtigkeit entgegenkommt:

Im Firmenerbfall einen Pflichtteil für die Belegschaft.

Dann erben die, die die Firma "erarbeitet" haben, genau so viel wie ein leiblicher Sohn, eine Tochter des Erblassers.

Der Trick dabei ist, dass dann nicht der Staat den Wert der Erbschaft Steuer kassiert, jedenfalls nicht sofort nach dem Erbfall, was zur Zerschlagung der Firma führen könnte, sondern eine Gruppe von Menschen, die ein direktes Interesse am Erhalt ihrer Arbeitsplätze hat.

Der bei der Belegschaft dadurch entstandene Mehrwert, kann dann, bei jedem Einzelnen, ganz normal besteuert werden. Erbschaftssteuer durch die Hintertür also, die den Erhalt der Arbeitsplätze fördert und nicht gefährdet. Gerechtigkeit.

Denn es ist gerecht, dass das "Kind" jeden Unternehmers, seine Firma, seine Belegschaft, im Erbfall nicht leer ausgeht. Und das gesamte Kapital bliebe in der Firma.

Behandeln wir also die Belegschaft einer Firma im Erbfall wie ein weiteres leibliches Kind!

Soviel Mut aber, befürchte ich, zu solch einer einfachen, gerechten, demokratischen Regelung des Erbrechts, hat in Berlin keiner.

Denn dieser kleine Schritt für das Erbrecht, wäre ein großer Schritt für die Menschheit: ein Kampfansage gegen den Turbokapitalismus.

 

Michael Maresch

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Autor: Michael Maresch

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Kommentare

# ErbrechtAlois Sepp 2016-06-02 08:48
Das wäre die allerbeste Lösung. Aber auf so eine einfache, wie gerechte Lösung kommt bei uns im Land kein Verantwortlicher. Wobei mit verantwortlich sowohl die Politiker wie auch die Justiz gemeint sind.

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