Ein Land in Narkose - QR Code Friendly
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Martin Balle,

 

mit der Überschrift "Ein Land in Narkose" Ihres Artikels Samstag im Magazin Ihrer Abendzeitung treffen Sie den Punkt: "Ein Land" in Narkose. Ein Land einschließlich seiner Medien.

Der Schluss, den Sie aus dieser angenommenen Tatsache ziehen, dass nämlich, wenn die Regierenden das Volk narkotisieren, die Medien halt einfach nur mitschlafen, darf so nicht stehenbleiben.

Ist es nicht vielmehr so, dass, wenn es schon "Eine Politik, die nicht ernsthaft das Mandat der Bürger übernimmt" gibt, der Auftrag der Medien ist, die Bürger, notfalls auch gegen die Regierung, zu schützen? Ist es nicht so, dass ein Journalist, der eine "Leere Welt" entdeckt, anfangen muss in den Hohlraum zu brüllen? Anfangen muss Mittel gegen das Chloroform zu propagieren, zu erzwingen? Da ist dann eben nicht nur Kritik gefragt wie in normalen Regierungszeiten, sondern Zukunft, Visionen, Mut, Verzweiflung. Die Übernahme der politischen Funktionen  durch die Medien also, bis die Politik wieder dem Mandat der Bürger entspricht. Jede Menge Arbeit.

Leider ist das nicht so einfach. Die Abendzeitung München mit ihrer jüngsten Geschichte ist da ein erschreckendes Beispiel.

 

Im Überlebenskampf die Fahne der Freiheit voraus zu tragen fordert meist Selbstaufgabe. Den Banken hat man Rettungsschirme gespannt. Bei den Zeitungen, die mindestens genauso demokratierelevant und unverzichtbar sind, klammert sich jeder an den unter dem Internet versagenden Markt. Die freie Informationsversorgung kann, anders als die freie Geldversorgung geopfert werden, weil das Ergebnis den Herrschenden entgegenkommt. Das, meine ich, ist ein "Entdemokratsierungsprozess". Dem hinzuzufügen ist nur noch mein Versuch die Überschüsse der GEZ nicht auf die hohe Kante zu legen, sondern sie in einen Rettungsfont für Printmedien einzubringen. Das hat bisher niemanden, außer Herrn Joffe, interessiert. Keine Zeitung druckt das. Obwohl es doch, so scheint mir, die einzige Möglichkeit ist, die Unabhängigkeit und den Mut der Journalisten zu stärken und gleichzeitig die ungeliebte Staats - Fernsehabgabe in den Rang eines demokratischen Instruments für den Erhalt der regierungsfreien unabhängigen Meinungsbildung zu erheben.

 

Womit wir bei dem Horror Wort "Lügenpresse" sind, das, meine ich, genau in der oben beschriebenen Unterwerfung der Printmedien unter Marktzwänge seinen Ursprung hat.

Wie das funktioniert, will ich Ihnen an einem Beispiel aus der Abendzeitung zeigen. Da erschien am 31.10.2016 auf Seite 6 folgender Artikel:

Nun mag man ja der Meinung sein, dass es nicht die Aufgabe der Zeitungen ist, die eh schon aufgeheizte Stimmung gegen Flüchtlinge durch Nennung von Ross und Reiter noch mehr anzufachen. Trotzdem: solch ein Artikel ist nicht nur ärgerlich, er ist blöde. Verfügt doch heute Jedermann über Internet und nach zwei Klicks weiß man, was man schon vermutet hatte: die Abendzeitung verschweigt zusammen mit der Polizei die Herkunft der 50 Randalierer. Blöd ist das, weil es Öl in das Feuer der Idioten gießt, die mit solchen, sicher gut gemeinten Meldungen, auf Stimmenfang gehen: Lügenpresse.

Nun bin ich ja der Meinung, dass man diesen einen Artikel, so gut er die Stimmung erklärt, nicht auf eine ganze Zeitung und schon gar nicht auf alle Zeitungen ausdehnen darf. Und trotzdem habe auch ich mich geärgert. Reicht der Nanny Staat mit Nichtrauchen und krummen Gurken noch nicht? Muss mich jetzt auch noch meine Zeitung zum Blöd sein erziehen?

Nein, Herr Dr. Balle, wenn wir die Freiheit der Journalisten nicht mit Geld unterstützen, mit dem Geld der Bürger, das Geld der Verleger reicht gegen das Internet auch nicht annähernd, werden wir genau das erhalten, was Sie an die Wand malen: anonyme Meinung, frei jeder Demokratie. Mode statt Bürgerrecht.

Und, in der Existenznot der Journalisten, sicher auch immer mehr "Lügenpresse". Ein Teufelskreis, dem man nur mit der Bildung eines Rettungsschirms für notleidende Medien wirksam begegnen kann. Wenn jeder weiß, dass ein Journalist schreiben kann was er denkt und trotzdem seine Kinder ernähren kann, komme was da wolle, werden wir die verantwortete Meinung gerettet haben.

Bilden wir ein Kartell: Die Freiheit der verantworteten Meinung und das Geld der Bürger. Wir schaffen das.

 

Michael Maresch


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