Beihilfe zur unterlassenen Hilfeleistung (gedruckt) - QR Code Friendly

 AZ vom 20.09.2017 laut genios.de

Ein Essener Gericht hat drei Personen wegen unterlassener Hilfeleistung zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt, weil sie einem am Boden liegenden Mann nicht geholfen hatten.

Dieses Urteil wäre richtig, wenn die Geldautomaten Foyers der Banken noch so wären wie sie vor 10 Jahren waren: Räume in denen die Bank sich um die Sicherheit ihrer Kunden kümmert.



Diese Zeiten sind längst vorbei. 

Heute stehen die Türen, die früher nur mit Karte zu öffnen waren, beinahe alle offen. So sind diese Türen geradezu zu einer Einladung für entwurzeltes Volk aller Art geworden, die Geldautomatenräume als warmen, trockenen Aufenthalt- oder Schlafraum, oft auch als Toilette zu benutzen.

Jeder Geldautomaten Benutzer hat das schon erfahren.



Weil aber die Situation "Geldautomat" an sich schon sicherheitstechnisch prekär ist, schließlich hebt man da Geld ab, das Begehrlichkeiten erwecken könnte, gerät man automatisch, lümmelt da jemand fremdes rum, in eine Vorstufe der Panik, ob denn alles gut gehen wird und konzentriert sich mehr auf seine eigene Sicherheit. 

Ich behaupte: mit einer Zugangskontrolle an der Tür zum Geldautomaten in Essen, wäre das nicht so geschehen. Vielleicht würde sogar der am Boden liegende Mann noch leben: in einem Raum in dem ich mich sicher fühle, helfe ich sofort.



Nun könnte man der Bank unterstellen, sie habe mit der offenen Türe Beihilfe zu dieser unterlassenen Hilfeleistung geleistet. Das aber, greift zu kurz.



Denn die Banken haben 2008-2010 die Zugangskontrollen nicht ausgebaut um ihre Kundschaft der Sicherheit zu berauben oder halbseidigen Gestalten Schlafplätze bereit zu stellen, sondern, weil das Bundeskriminalamt zum Ausbau aufgerufen hat.  

Der Ausbau sollte verhindern, dass sich die Datenklauer schon an der Eingangstüre die Kartendaten besorgen können. 

Das war zwar auch damals schon nur bei etwa 5% der Zugangskontrollen möglich, weil bei allen anderen der Kunde, bei der Türöffnung, seine Karte in der Hand behielt, aber dem Dekret Mufti des kurzsichtigen BKAs folgten beinahe 90% aller Geldinstitute. Zugangskontrollen ausgebaut. Punkt.



Und jetzt, beinahe 10 Jahre später, haben wir, neben den Millionen beim Geldabheben verunsicherten Kunden und ein paar Tausenden Nutznießern, meist schlafenden Nutznießern, die ersten Opfer dieser unnötigen und dummen Maßnahme. 3 unnötige Geldstrafen.

Und vielleicht den ersten Toten. 



Michael Maresch

Bürgerredaktion.de


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