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02.08.1914: Generalmobilmachung in Deutschland, der Erste Weltkrieg beginnt. Dem 66-jährigen Militär und Pensionär Paul von Hindenburg juckt es in den Fingern. Der Virus der Kriegsbegeisterung erfasst auch ihn. Dann ist es endlich so weit. Kaiser Wilhelm II. ruft ihn zu den Waffen. Vor 100 Jahren gesteht Generalfeldmarschall von Hindenburg: "Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur." Bereits am 30.08.1914 wird Hindenburg zum Mythos. Er lässt sich als Held der Schlacht bei Tannenberg feiern, obwohl eigentlich Erich Ludendorffs Schlachtplan erfolgreich war. Wie konnte das geschehen?

Anfänglich in den deutschen Medien als "Schlacht bei Allenstein" bezeichnet, wurde sie auf Wunsch Paul von Hindenburgs kurze Zeit danach zu Propagandazwecken in Schlacht bei Tannenberg umbenannt. Tatsächlich liegt nicht die Ortschaft Tannenberg (heute Stebark/Polen) unmittelbar im Hauptkampfgebiet, sondern Hohenstein. Mit der Namensgebung sollte die in der deutschen Geschichtsschreibung als Schlacht bei Tannenberg bezeichnete Niederlage der Ritter des Deutschen Ordens gegen die Polnisch-Litauische Union im Jahre 1410 überstrahlt werden.

Nach anfänglichen Erfolgen geht der Erste Weltkrieg am 11.11.1918 für Deutschland verloren. Kaiser Wilhelm II., Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff werden als Kriegsverbrecher bezeichnet, aber nie an die Alliierten ausgeliefert. Paul von Hindenburg gelingt sogar in der Weimarer Republik als zweiter Reichspräsident (1925-34) und Medienliebling ein rasanter Aufstieg. Dem "Held von Tannenberg" bekam die "kriegerische Badekur" trotz Niederlage. Von 1924-27 wird für Paul von Hindenburg bei Hohenstein das sog. Tannenberg-Denkmal errichtet.

Am 02.08.1934, exakt 20 Jahre nach der Generalmobilmachung in Deutschland, stirbt Paul von Hindenburg, der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Von 1934-45 werden die Särge Paul von Hindenburgs und seiner Frau Gertrud in einer Gruft im Hauptturm des Tannenberg-Denkmals aufbewahrt. Die Anlage wurde von Pionieren der Wehrmacht im Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee gesprengt.

100 Jahre Erster Weltkrieg und 100 Jahre Geschichtsfälschung. Es war die erste große Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Die zweite große Katastrophe sollte nur 25 Jahre später folgen - am 01. September 1939.

Roland Klose, Bad Fredeburg
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