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Die "Junge Welt" vom 24.09.2012, Leserbriefseite, Titel "Kriegsspiele"

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Erich Maria Remarque beschreibt in seinem Bestseller-Roman, "Im Westen nichts Neues", eine verlorene Generation von jungen Männern, die aufgrund erfahrener Kriegstraumata nach dem Ersten Weltkrieg große Mühe hat, im zivilen Leben wieder Fuß zu fassen. Diese jungen Männer wurden dabei vorab von den patriotischen Reden ihres Klassenlehrers Kantorek derart infiziert, dass sie sich alle freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet haben. Fast 100 Jahre später unternimmt ausgerechnet die Jugendzeitschrift "BRAVO" einen erneuten Versuch, jugendliche Menschen für den Wehr- und Kriegsdienst in der Bundeswehr zu begeistern. Da wird übertrieben ausgedrückt der Wehrdienst zum Abenteuerspielplatz, der Krieg zum Mega-Event, der Soldat zum supergeilen Terminator a la Arnold Schwarzenegger, der Kriegsdienst zum SuperMario-Killer-Videospiel, der Kriegsschauplatz zum Schlachthof, das Lazarett zu den Paralympics und der Kasernenhof zur Showbühne für Lady Gagas "Pokerface" hochstilisiert. Bravo, BRAVO! Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Von der sexuellen Aufklärung um Dr. Sommer zur Verführung unserer Jugend zum Kriegseinsatz in Afghanistan im Stile eines Lehrers Kantorek? Habt ihr denn wirklich nichts aus unserer Geschichte gelernt? Ich jedenfalls werde meiner Enkelin Lea keine BRAVO mehr kaufen! Roland Klose


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