Guantanamo und Stammheim - QR Code Friendly

Am 10. Juni 2006 gibt die Lagerleitung in Guantanamo bekannt, dass drei politische Gefangene Suizid durch Erhängen begangen hätten. Einige Indizien lassen jedoch den erschreckenden Rückschluss zu, sie seinen infolge systematischer Kriegsführung durch das Lagerpersonal ermordert worden. Guantanamo ist zweifelsohne ein Synonym für unmenschliche Haftbedingungen und Verhörmethoden und Verstöße gegen die Menschenrechte in einem rechtsfreien Raum. Guantanamo steht dabei für Isolationshaft und -folter. Aber was unterscheidet das US-Gefangenenlager in Guantanamo vom RAF-Gefängnis in Stuttgart-Stammheim im sog. Deutschen Herbst 1977? Auch dort sollen drei Gefangene der Roten Armee Fraktion (RAF), Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl-Raspe, am 18. Oktober 1977 Suizid begangen haben, als deren Freipressung durch die Schleyer- und Landshut-Entführung misslang. Gottfried Ensslin, der Bruder von Gudrun Ensslin, will jetzt, 35 Jahre danach, diese mysteriösen Todesfälle und noch 32 ungeklärte Fragen neu von der Staatsanwaltschaft untersuchen lassen, weil es berechtigte Zweifel an den angeblichen Suiziden in der JVA Stammheim ähnlich wie in Guantanamo 21 gibt. So soll es unter anderem keine Schmauchspuren an den Händen von Baader und Raspe und keine Fingerabdrücke auf deren Tatwaffe gegeben haben. Auch Ensslins Tod wirft die Frage auf, ob ihr Kopf tot oder lebend in die Schlinge gelegt wurde. Rätselhaft ist auch die Tatsache, wie Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel bereits um 5.30 Uhr vom Tod der Top-Terroristen informiert werden konnte, wenn sie nach offizieller Version erst um 7.41 Uhr tot in ihren Zellen gefunden wurden. Ist Stammheim wirklich mit Guantanamo vergleichbar? Wurden Baader, Raspe und Ensslin wirklich wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Jahr 1919 ermordet? Wenn das die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft wirklich bestätigen sollten, dann müsste die Geschichte des "Deutschen Herbstes 1977" und die Geschichte des Rechtsstaates Bundesrepublik Deutschland in der Tat ganz neu geschrieben werden. Eines ist jedenfalls sicher, der Ruf, die Ehre und die Moral der Zweiten deutschen Bonner Republik (1949-90) stehen auf dem Spiel. Roland Klose


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