Das Drama und der Skandal der Loveparade 2010 in Duisburg (gedruckt) - QR Code Friendly
Süddeutsche Zeitung vom 12.04.2016, Leserbriefseite, Titel: "In Gottes Hand"
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Wir alle haben immer noch die traumatischen Bilder von der Massenpanik der 19. Loveparade vom 24.07.2010 vor Augen, als auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüter- und Rangierbahnhofs in Duisburg wegen fehlgeleiteter Besucherströme und Planungsfehlern - vor allem im Gedränge im Tunnel und an der Treppe - 21 Menschen starben und 541 verletzt wurden. Jetzt hat das Landgericht Duisburg nach fast 6 Jahren wegen eines angeblich unschlüssigen Gutachtens die Einleitung eines Strafprozesses gegen die 10 mutmaßlichen Verantwortlichen der Katastrophe abgelehnt.

Niemand soll schuld sein an dem Drama von Duisburg. Auf eine gerichtliche Aufarbeitung der Massenpanik bei der Loveparade 2010 wird gänzlich verzichtet. Hätte das Landgericht genauso entschieden, wenn die Toten und Verletzten Flüchtlinge gewesen wären? Wohl kaum, weil die deutsche Justiz dann mit Rassismus-Vorwürfen aus dem Ausland bombardiert worden wäre.

Wie unterschiedlich die deutsche Justiz vorgeht, zeigt ein anderer Fall dieser Tage. Nach 61 Tagen Beugehaft wird Sieglinde Baumert (46) aus der JVA Chemnitz vorerst entlassen, weil sie GEZ-Rundfunkgebühren zahlen soll, obwohl sie weder einen Fernseher noch ein Radio besitzt. Zwei Fälle, zwei Skandale. Das wirft in meinen Augen Fragen auf: "Ist Justitia in Deutschland mittlerweile erblindet? Sind Recht und Gerechtigkeit den Freitod gestorben? Sind wir laut einer römischen Juristenweisheit vor Gericht und auf hoher See allein in Gottes Hand?"

Roland Klose, Bad Fredeburg
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