Sehr geehrte Herren Chefredakteure Andreas Tyrock und Dr. Jost Lübben,

in o. a. Artikel vom 09.06.2016 in der WAZ und in der WP - "Griechen können die erhöhten Steuern nicht mehr zahlen" - behauptet Ihr Journalist Gerd Höhler unter anderem, die Fantasie des Linkspopulisten Tsipras beim Erhöhen und Erdenken immer neuer Abgaben und Steuern kennt keine Grenzen. Und weil die Regierung Tsipras die Steuerschraube bereits überdreht habe, könnten zwei von drei Griechen ihre Steuern und Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr bezahlen. Außerdem trieben höhere Steuern die griechische Wirtschaft immer tiefer in die Rezession (siehe dazu: http://www.derwesten.de/politik/griechen-koennen-die-erhoehten-steuern-nicht-mehr-zahlen-id11900988.html).

Das hat mit objektivem Journalismus rein gar nichts mehr zu tun. Warum? Nicht Tsipras hat an der Steuerschraube gedreht, sondern die Troika aus EU, EZB und IWF. Die Troika hatte unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Unternehmensteuer, der Pay-TV- und Tourismussteuer gefordert und befohlen, ansonsten hätte Griechenland überhaupt keine weiteren Zahlungen aus dem ESM-Rettungsfonds erhalten. Richtig ist also, die Troika hat die Steuerschraube überdreht und nicht die Tsipras-Regierung. Wenn jetzt die griechische Wirtschaft mitten in einer tiefen Rezession steckt, dann ist das eindeutig die Schuld der Troika.

Massive Steuer- und Abgabenerhöhungen sind natürlich Gift für die Wirtschaft, das weiß jedes Kind. Deshalb wird so etwas Widersinniges in Deutschland auch gar nicht gemacht. Nur die Troika fordert das von Griechenland und glaubt damit fälschlicherweise noch, so die Staatsschulden senken, die Einnahmenseite verbessern und die griechische Wirtschaft wieder in Schwung bringen zu können.

Wen wundert es da, wenn die griechische Wirtschaft bei andauernd hoher Arbeitslosigkeit lahmt und zwei von drei Griechen außerstande sind, alle Steuern und Abgaben zu zahlen. Schließlich war es wiederum die Troika und nicht Tsipras, welche von Griechenland zum wiederholten Male massive Lohn- und Rentenkürzungen gegen Zahlung von Hilfsgeldern fast ausschließlich für die bankrotten Banken verlangt hatte.

Und wie sollen überhaupt zusätzliche Mehreinnahmen aus der Mehrwert-, Tourismus- und Unternehmensteuer in die griechische Staatskasse fließen, wenn die EU die Haupteinnahmequelle der Griechen, den Tourismus, mit dem Bau von Hotspots für Flüchtlinge auf den griechischen Urlaubsinseln mutwillig zerstört?

Aufgrund der Hotspots auf den Urlaubsinseln Lesbos, Kos, Samos, Chios und Leros verzeichnen nämlich die Tourismusbranche, der griechische Einzelhandel und die Restaurants einen Einbruch von bis zu 80%. Warum? Kein Tourist will Urlaub auf einer Flüchtlingsinsel machen.

Deshalb halte ich den Bericht Ihres Journalisten Gerd Höhler für nicht objektiv und schlicht für unwahr, weil er die Tatsachen verfälscht. Die WAZ und WP haben immerhin einen guten Ruf zu verlieren. Daher wäre eine Korrektur dieses Berichtes in Ihren Zeitungen zwingend notwendig.

Übrigens, ich mache es mir nicht so einfach wie viele Rechtspopulisten und bezeichne die Presse allgemein als "Lügenpresse". Auch bei der Presse muss man differenzieren. Es gibt gute und schlechte Journalisten. "Lügenjournalisten" sollten aber die absolute Ausnahme bleiben, ansonsten wird die durch das Grundgesetz geschützte Pressefreiheit sträflich missbraucht.

Roland Klose, Bad Fredeburg
Bewerten, Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Um diesen Artikel hier in der Bürgerredaktion zu kommentieren, bitte anmelden.

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
(Durchschnittliche Bewertung 0 bei Bewertung(en))