PGR-Wahlen: Kirche trifft Politik - QR Code Friendly
Die neu gewählten katholischen Pfarrgemeinderäte (PGR) im Hochsauerlandkreis (HSK) sind jünger und weiblicher. Mag sein, aber dekanatsweit lag in den pastoralen Räumen Meschede-Bestwig und Schmallenberg-Eslohe die Wahlbeteiligung nur zwischen 10 und 12%, wobei sich in nur 35 von 39 Gemeinden überhaupt genügend Kandidaten für den PGR zur Verfügung gestellt hatten. In meiner Heimatgemeinde St. Georg 57392 Bad Fredeburg wurden 5 Kandidaten aufgestellt und 5 Kandidaten gewählt, was eigentlich eine PGR-Wahl überflüssig gemacht hätte.

 

Warum sind die Zahlen bei Gottesdienstbesuchen und PGR-Wahlen so alarmierend und beängstigend niedrig in der katholischen Kirche im Allgemeinen, wo doch gerade das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) die Gründung von Pfarrgemeinderäten als Gremium der Mitverantwortung aller christgläubigen Laien in den Gemeinden beschlossen hatte? Der PGR aus gewählten, berufenen und amtlichen Mitgliedern hat in Wirklichkeit nur eine beratende Funktion, sozusagen ist er der Consulting-Rat der Gemeinde - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die wichtigen Entscheidungen werden natürlich nach wie vor vom Klerus, im Erzbistum Paderborn und im Vatikan gefällt. Die Kirche ist schließlich keine demokratische Institution.

 

Was ist also z. B. der Unterschied zwischen einer deutschen Bundesregierung und der katholischen Kirche? Hier trifft die demokratisch gewählte Bundesmutti-Regierung auf die absolutistisch und hierarchisch regierte Papst-Kirche. Der mangelnden Bereitschaft für eine PGR-Kandidatur und der äußerst niedrigen PGR-Wahlbeteiligung stehen viele konkurrierende Politiker aller Parteien und eine Wahlbeteiligung von 76,2% bei der Bundestagswahl 2017 gegenüber. Mehr nicht? Doch, die wichtigen Probleme des Lebens werden von der Politik wesentlich schneller als von der Kirche entschieden und gelöst. So brauchte die Politik nur 44 Jahre für die deutsche Wiedervereinigung, die katholische Kirche wartet dagegen bisher vergebens bereits 963 Jahre auf die Wiedervereinigung mit den orthodoxen Kirchen und 500 Jahre auf die Wiedervereinigung mit den Kirchen der Reformation. Papst Franziskus hat es noch nicht einmal für nötig gehalten, zum 500. Reformationsjubiläum in die Schlosskirche zu Wittenberg zu kommen, um so ein unübersehbares Zeichen für die Einheit der gespaltenen Christenheit zu setzen und damit Martin Luthers (1483-1546) reformatorisches Anliegen nachträglich anzuerkennen. Dieser massive Glaubwürdigkeitsverlust beschert der katholischen Kirche gegenüber der Politik so extrem schlechte Zahlen. Ich kann und darf nicht einerseits die Scheidung von christlichen Paaren verurteilen, aber andererseits die Scheidung von den anderen christlichen Kirchen bedenkenlos fortführen.

 

Als die Berliner Mauer am 09. November 1989 fiel und die Wiedervereinigung Deutschlands in greifbarer Nähe war, begründete das der damalige Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli (1914-98) mit folgenden Worten: "Vox populi, vox Dei (Volkes Stimme, Gottes Stimme)." Die gespaltene Christenheit wünscht sich schon sehr, sehr lange die Wiedervereinigung aller christlichen Kirchen. Warum werden wir nicht erhört? Einen Aufbruch in der katholischen Kirche wird es erst geben, wenn die kirchliche Einheit wieder hergestellt sein wird. Denn nur eine geeinte Kirche ist wirklich glaubwürdg. Ist die Einheit geschafft, dann werden sich auch wieder mehr Kandidaten für die Pfarrgemeinderäte finden und es wird viel mehr Interesse an der aktiven Beteiligung in der Kirche vorhanden sein.

Roland Klose, Bad Fredeburg
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