Femen-Protest in der Weihnachtskrippe: Vatikan wird zum Muttikan - QR Code Friendly
21. Februar 2012: Vermummte Band-Mitglieder von Pussy Riot (Muschi-Krawall) tanzen vor dem Altar der Russisch-Orthodoxen Kirche in Moskau, der Christ-Erlöser-Kathedrale, und stimmen dabei ein Punk-Gebet gegen Ministerpräsident Wladimir Putin und den Patriarchen Kyrill I. an, wofür sie mit einer Freiheitsstrafe von jeweils zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Empörung im Westen ist groß. Pussy Riot gelten als Heldinnen. Amnesty International, zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und sogar viele Abgeordnete des Deutschen Bundestags fordern die sofortige Freilassung der Frauen.

Weihnachten 2017: Femen-Protest auf dem Petersplatz im Vatikan. Eine Nacktaktivistin der Femen posiert und protestiert in der übergroßen Weihnachtskrippe und reißt die Jesusfigur aus der Wiege - knapp zwei Stunden bevor Papst Franziskus seine Weihnachtsbotschaft verkündet und 50.000 gläubigen Christen seinen Segen "Urbi et Orbi" spenden kann. Sie ruft prophezeiend, "Gott ist eine Frau!", und auf ihrem nackten Oberkörper steht geschrieben "#metoo" und "Assaulted by church (Angegriffen durch die Kirche)", womit sie die katholische Kirche als frauenfeindlich und sexistisch kritisiert. Daraufhin wird sie wie damals die Band-Mitglieder von Pussy Riot - unter anderem wegen Beleidigung und Verletzung religiöser Gefühle und obszönem Verhalten in der Öffentlichkeit - umgehend verhaftet. Die Empörung in der katholischen Kirche ist groß, aber seltsamerweise fordert keiner die Freilassung der ukrainischen Femen-Aktivistin.

Zwei Ereignisse, zwei unterschiedliche Wahrheiten? Dabei weiß jeder, dass Frauen in der katholischen Kirche noch lange nicht gleichberechtigt sind. Einzige Ausnahme ist die höchst privilegierte Frau namens Maria, die auserwählt wurde, als Gottesmutter den Erlöser der Welt gebären zu dürfen. So wird durch den Femen-Protest in der Weihnachtskrippe anachronistisch gesehen der Vatikan zum Pornokan und Muttikan.

Roland Klose, Bad Fredeburg
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