Karlspreis 2018: Churchill, Brandt und Macron im Vergleich - QR Code Friendly
"Wer eine Vision hat, soll zum Arzt gehen", war die pampige Antwort von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Willy Brandt hatte dagegen eine überaus starke Vision von Frieden, der Überwindung des Kalten Krieges in Europa und einer Ostpolitik - geprägt von einem Wandel durch Annäherung. Dafür erhielt er den Friedensnobelpreis 1971, aber nie den Karlspreis.

Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat eine Vision, eine reformatorische Vision, die Europa einen soll. Dafür erhält Macron, sozusagen als Vorschusslorbeer, den diesjährigen Karlspreis der Stadt Aachen. Ob Macron seine Vision jemals in die Tat umsetzen kann, ist höchst zweifelhaft, da es ihm bisher an aussichtsreicher Unterstützung mangelt. Diesbezüglich geht es ihm wie dem ehemaligen Premierminister Großbritanniens, Sir Winston Churchill (WC), Karlspreisträger von 1955, der in seiner visionären und berühmt gewordenen Züricher Rede vom 19. September 1946 die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa als europäisches Friedensprojekt forderte - natürlich ohne Großbritannien.

Meine Prognose: Macron wird es wie Churchill ergehen. Die Vision von den Vereinigten Staaten von Europa ist im Jahr 2018 genauso unwahrscheinlich wie Anno 1946. Warum? Weil die EU-Mitgliedstaaten keineswegs die Vereinigten Staaten von Europa wollen, aber dafür die harten Euros aus den EU-Fleischtöpfen. Je mehr desto besser. Ein großer Fehler, denn bei den gegenwärtigen Krisen der Welt werden die Vereinigten Staaten von Europa dringender gebraucht als je zuvor - als stabiler Gegenpol zu den Vereinigten Staaten von Amerika, Russland und China.

Roland Klose, Bad Fredeburg
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