DDR und Kirchen in Deutschland: Massenrepublikflucht und Massenkirchenflucht - QR Code Friendly
Als es noch zwei deutsche Staaten in Deutschland gab - die BRD und die DDR - war die Fluchtbewegung von der DDR und von Ost-Berlin in die Bundesrepublik Deutschland wegen des Volksaufstands in der DDR vom 17. Juni 1953 nie wieder so hoch wie in jenem Jahr 1953. Damals flüchteten insgesamt 331.390 Menschen in den sog. freien Westen. Fluchtgründe waren unter anderem die staatliche Gängelung durch das SED-Regime und die eingeschränkten Menschenrechte bzw. die eingeschränkte Freizügigkeit, seinen Wohnort frei wählen und/oder ins kommunistische oder kapitalistische Ausland reisen zu können.
Warum schreibe ich das? Zum Vergleich: Beide christlichen Kirchen in Deutschland verloren im Jahr 2018 insgesamt sage und schreibe 436.000 Menschen durch Kirchenaustritte. Die evangelischen Kirchen 220.000 Menschen und die katholische Kirche 216.000 Menschen. Ein dramatischer Exodus sondergleichen - der sogar die Abstimmung mit den Füßen in der ehemaligen DDR bei Weitem übertrifft.
Und warum ist es z. B. zu dieser beispiellosen Massenkirchenflucht aus der katholischen Kirche überhaupt gekommen? Wie in der DDR lassen sich die Bürger einfach nicht mehr wie früher von dem undemokratischen Regime der Papst-Kirche gängeln. Sie verabscheuen die Sexualmoral der Kirche für die einfachen Gläubigen und jene Heuchelei eines angeblichen Pflichtzölibats für Priester und Mönche, die in einem beispiellosen sexuellen Missbrauchsskandal an Kindern und Nonnen ihren traurigen Höhepunkt gefunden hatte. Die katholische Kirche hat ihr wichtigstes Pfund - die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen - gnadenlos verspielt, zumal die von Papst Franziskus geforderte "Kirche der Armen" in Deutschland nie auch nur ansatzweise umgesetzt wurde. Außerdem hat sich die katholische Kirche als nicht reformierbar erwiesen. So steckt die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in einem Reformstau fest, ohne Anzeichen für eine mögliche Befreiung.
Was ist zu tun, da auch eine Mauer um die Kirchen wie in der damaligen DDR die Kirchenaustritte letztendlich nicht stoppen kann? Ein überzeugender Neuanfang mit einem Dritten Vatikanischen Konzil muss her, an dem auch Laien Mitspracherecht genießen. Weg mit dem menschenverachtenden Pflichtzölibat des frühen Mittelalters, die Kirche muss endlich mehr Demokratie wagen und gleiche Rechte für Frauen und Männer in Amt und Dienst in der Kirche einführen. Ansonsten wird diese Kirche wie die DDR an jenem 9. November 1989 nicht länger überlebensfähig sein.
 
Roland Klose, Bad Fredeburg
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