Der Exodus der Kirchen - QR Code Friendly
"Wir wollen aber die Kirche im Dorf lassen", diese gebräuchliche Redewendung verliert auch im Hochsauerlandkreis 21 in Zeiten von Kirchenverdrossenheit, Glaubenskrise, sexuellem Kindesmissbrauchsskandal und dem demographischen Wandel immer mehr an Kraft und Bedeutung. Nach dem Exodus von Schulen, Arztpraxen, Tante-Emma-Läden, Kneipen, Krankenhäusern, kleinen Geschäften etc. aus unseren kleinen, aber feinen Dörfern sind jetzt wohl oder übel die Kirchen an der Reihe. So sucht der Evangelische Kirchenkreis im Hochsauerland unter anderem für seine Kirchen in Reiste, Aue-Wingeshausen, Bad Fredeburg, Dorlar und in Meschede einen Käufer. Der Verwendungszweck ist egal, Hauptsache die Kirchen sind nicht dem Untergang und Verfall geweiht.

Dies beweist wieder einmal, sowie auf deutschem Boden nicht zwei deutsche Staaten - die BRD und die DDR - überleben konnten, so können auf Dauer auch keine zwei christlichen Kirchen nebeneinander in Deutschland existieren: die katholische und die evangelische Kirche. Die seit fast 500 Jahren andauernde Spaltung der Christenheit ist ein Skandal und geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit der e i n e n Kirche Jesu Christi. Diesbezüglich darf nicht allein auf das Wirken des Hl. Geistes vertraut werden, es muss auch im Sinne Jesu Christi endlich gehandelt werden. Der Ball und Schlüssel hierfür liegt im Vatikan bei unserem Schließer und Türöffner im Petrusdienst, Papst Franziskus.

Aber ich empfinde als katholischer Christ keineswegs Genugtuung über den Ausverkauf der evangelischen Kirchen im HSK, sondern, ganz im Gegenteil, einen tiefen Schmerz, weil dieses Schicksal früher oder später auch die katholischen Kirchen im Hochsauerland treffen wird. Hier hat sich mittlerweile das Gesicht der Kirche aufgrund des Priestermangels fundamental verändert und entstellt: aus den vielen kleinen katholischen Kirchengemeinden entstand der Pastoralverbund und ab dem 01.07.2013 aus mehreren Pastoralverbünden der Pastorale Raum mit immer weniger zur Verfügung stehenden hauptamtlichen Priestern. Die Kirche ist damit anonymer geworden und verliert sich in der Größe des seelsorglichen Raumes. Mit diesen Veränderungen geht die Anzahl der angebotenen Gottesdienste und der Gottesdienstbesucher im Allgemeinen immer weiter in den Keller. Und der Stress der Priester und die Gefahr eines Burnouts steigt. Ich bewundere in diesem Zusammenhang die Leistung des Leiters unseres neuen Pastoralen Raumes mit Sitz in Schmallenberg, Herrn Dechant Georg Schröder, der das Ausscheiden von Priestern in Wormbach und Dorlar und ab November 2013 in Schmallenberg kompensieren muss. In meinen Augen ist das eine große Zumutung von unserem Erzbischof von Paderborn, Herrn Dr. Hans Josef Becker. Und er kann trotz Priestermangel auch weiterhin in Paderborn mit drei Weihbischöfen arbeiten. Warum macht das Dr. Becker nicht alleine und schickt seine drei Weihbischöfe stattdessen als Leiter von Pastoralen Räumen an die Front? Oder noch besser: Warum gibt die katholische Kirche nicht endlich den Pflichtzölibat für Priester auf? Ich würde einen verheirateten Priester akzeptieren. Simon Petrus hatte doch schließlich laut Neuem Testament auch eine Schwiegermutter und somit eine Frau, oder?

Roland Klose, Bad Fredeburg
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Kommentare

# Alois Sepp 2013-07-20 19:38
Das ist traurig, aber wahr. Die Kirchenverbünde sind auch in München im Vormarsch.

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