Liebe Freunde und Bekannte
Erster Fastensonntag
Versuchungen Jesu in der Wüste

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Kap. 4, 1-11
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
Predigt
Musste Jesus wirklich mit Versuchungen kämpfen? Oder ist das, was wir heute im Evangelium hören, nur ein frommer Text? Im Hebräerbrief heißt es ausdrücklich, Jesus sei versucht wurden wie wir, aber habe nicht gesündigt. Also war er versuchbar. Also kann man die Frage stellen, ob Jesus wirklich auch göttliche Natur hatte, wenn er so versucht werden konnte. Schon der ägyptische Theologe Arius schlug sich rund ums Jahr 300 nach Christus lange Zeit mit der Frage herum, ob Jesus einfach nur ein herausragender Mensch sei oder ob er göttlicher Natur war. Und er kam schließlich zu dem Schluss: Jesus war sicher ein herausragender Mensch. Aber er war nur ein Mensch. Das brachte vor allem Patriarch Athansius auf die Palme und er verurteilte Arius scharf mit dem Argument: Jesus war Gott und Mensch. Diese Streitfrage wirbelte dann durch den ganzen Osten des Christentums. Schließlich wurde das Konzil von Nizäa einberufen. Dieses formulierte das Glaubensbekenntnis, Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.
Zurück zu den Versuchungen Jesu. Ich denke: Gerade auch moderne Christen werden sich manchmal herumschlagen mit der Frage, ob Jesus nicht nur ein wunderbarer Mensch war, der eben versucht wurde, wie alle Menschen versucht werden. Jesus wollte ja mit uns mitfühlen können. Und hat Jesus nicht gezittert vor seiner Verhaftung im Ölgarten? Ja – aber gleichzeitig trat Jesus mit ungeheurer Selbstsicherheit auf. Er nannte sich Bräutigam und sagte: Solange der Bräutigam bei den Seinen ist, können sie nicht fasten. Er meinte mit dem Wort Bräutigam, dass er die ganze Menschheit in sein Herz geschlossen hat, der sein Leben für seine Braut, die Kirche hingab. Das haben wir vor wenigen Tagem im Evangelium gehört. Und Jesus tritt gegenüber Pilatus mit ungeheurer Selbstsicherheit auf. Er war ungeheuer souverän. Er sagt zu Pilatus: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie Dir nicht von oben gegeben wäre. Und Pilatus sagt dem Volk: Ich sehe keine Schuld an ihm. Und zurück zu den Versuchungen: Ja – Jesus kann mit uns mitfühlen.
Zu den Versuchungen selbst: Wir müssen uns vorstellen: Zu Anfang seiner Verkündigungstätigkeit fragte Jesus sich, wie er sein Volk gewinnen könne. Es kam ihm die Vorstellung: Wenn ich dem Volk Wohlstand verspreche, werden sie mir folgen. Oder wenn ich dem Volk eine Show biete, den Sprung vom Tempel, dann werden sie mir zuhören. Und wenn ich es mit Macht versuche, können sie nicht widerstehen. Er lehnte aber alle Versuchungen ab. Sein Weg war der Weg des Zeugnisses durch sein Wort und seine Heilstaten. Und er wollte sein Land, vor allem die Stadt Jerusalem gewinnen durch seine Verkündigung, durch sein Zeugnis, auch wenn ihm das das Leben kostete. Er wollte vor allem die Liebe des Vaters zeigen, die Liebe des Vaters, der sogar den Sohn hingab für das Heil der Menschen. Es ging um das Überzeugen des Volkes, dass Gott den Menschen liebt. Der Vater gibt seinen Sohn hin aus Liebe zum Volk. Es geht um das Zeugnis der Liebe. Nur wer nicht an seinem Leben hängt, um einen anderen zu retten, der zeigt, dass er wirklich liebt. Nur wenn eine Mutter bei der Geburt eines Kindes im Zweifelsfall den eigenen Tod annimmt und dem Kind das Leben schenkt, zeigt die radikale Liebe. Nicht ich, sondern du sollst leben. Nur wenn ein Mann einen anderen Menschen bei einem Unfall unter eigener Lebensgefahr rettet, das eigene Leben gefährdet, zeigt er seine Liebe. Nicht Worte zählen, sondern Taten. Jesus hat nicht die Zauberkünste angewendet, die der Teufel im vorschlug, sondern sein Leben eingesetzt. Er hat dadurch die Kultur der Welt geprägt und verändert. Jesus ist und bleibt eine Provokation, die wir anschauen, bewundern und im Zweifelfall nachahmen sollen. Amen.
Aus dem Buch Genesis, Kap. 2, 7-9, Kap.3. 1-7
Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. - Die Schlange war aber schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Menschen, die in dieser jetzigen Stunde in Versuchung zu einer Sünde sind. Schenke ihnen Deinen heiligen Geist, damit sie der Versuchung widerstehen. Christus höre uns
Herr Jesus Christus, schenke der Christenheit die Gnade, die modernen Versuchungen rechtzeitig zu erkennen und ihnen Widerstand zu leisten und nicht dann erst, wenn es zu spät ist. Christus höre uns.
Herr Jesus Christus, gib den Technikern, die andere Menschen durch neue Techniken verführen können, deinen heiligen Geist, damit sie ihre Bosheit rechtzeitig erkennen und von ihnen ablassen. Christus höre uns
Herr Jesus Christus, gibt allen Menschen, die für Staat und Wirtschaft Verantwortung tragen, deinen Heiligen Geist, damit sie die Menschheit schützen vor neuen Verführungen. Christus höre uns.
Eberhard von Gemmingen |
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