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Liebe Freunde und Bekannte

5.Sonntag in der Osterzeit 2026

Wer mich sieht, sieht den Vater

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Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes Kap. 14, 1-12

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?  Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.  Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.  Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?  Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.  Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!  Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Predigt

Die entscheidenden Worte des heutigen Evangeliums lauten: Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. Über diese Worte möchte ich mit Ihnen nachdenken. Freilich sind sie nur der Höhepunkt der Rede Jesu vor seinem Abschied. Er sagt vorher, er gehe zum Vater, um seinen Jüngern eine Wohnung zu bereiten. Wir stehen im Kirchenjahr zwischen der Auferstehung Christi und seinem Gang zum Vater, genannt Himmelfahrt. Ich sage aber im Gebet nicht Himmelfahrt, sondern Eingang in die Herrlichkeit des Vaters, denn das Wort Himmel ist für uns heute missverständlich. Aber entscheidend sind die Worte: Jesus im Vater und der Vater in Jesus. Und noch ein ähnliches Wort: Ich und der Vater sind eins. Und: wer mich sieht, sieht den Vater.

Das sind provozierende Aussagen. Und genau wegen dieser Worte haben die Pharisäer ihn vor Pilatus angeklagt. Ihr Vorwurf: Er identifiziert sich mit Gott, und das ist Gotteslästerung. Daher muss er sterben. Wir müssen diese Worte sehr ernst nehmen. Denn auch uns sollten sie wenigstens sehr nachdenklich stimmen, wenn nicht gar provozieren. Jesus ist provokant. Wenn für uns Jesus nicht provokant ist, sondern nur lieb und freundlich, dann nehmen wir ihn nicht ernst. Wir wollten ihn aber doch erst nehmen. Wir können uns also fragen: Wie kommen die Jünger nach den Erscheinungen des Auferstandenen zu der Überzeugung, dass in Jesus Jahwe erschienen ist? Wieso sind sie nicht auch der Überzeugung, dass ihr Meister Gott lästert mit der Aussage: Ich und der Vater sind eins. Kommen sie nur zu dieser Überzeugung, weil sie eben keine Theologen sind, weil sie einfache Denker sind, weil sie von ihm begeistert waren. Jedenfalls kamen sie zu der Überzeugung, dass in ihm Gott selbst zu ihnen spricht, dass in Jesus Gott sichtbar geworden ist. Im Titusbrief heißt es „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“.

Ich glaube: Die Antwort muss lauten: Weil sie mit Jesus zusammen gelebt haben. Ihre Überzeugung kam durch die Begegnung von Mensch zu Mensch. Diese Begegnungen hatten die Theologen in Jerusalem nicht. Sie waren nur Denker, Theologen, Beobachter aus der Ferne. Sie haben nur ihren Verstand eingesetzt, ihre theologischen Überlegungen und diese sagten: Er kann nicht der Messias sein. Die Jünger hingegen hatten den Menschen Jesus persönlich kennen gelernt. Sie hatten seine tiefen Überzeugungen, sein Engagement, seine Menschenliebe erfahren, seine Treue zu seinem Auftrag. Sie hatten zwar geschlafen, als Jesus mit der Versuchung rang, in der Nacht vor der Kreuzigung davonzulaufen und sich durchrang zu den Worten: Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine. Die Jünger waren zu einer persönlichen Begegnung gekommen, die Theologen in Jerusalem nicht. Sie blieben distanzierte, kritische Beobachter und haben Jesus daher verurteilt als Gotteslästerer wegen seiner Worte: Ich und der Vater sind eins, wer mich sieht, sieht den Vater, Ich bin im Vater und er ist in mir.

Was heißt das für uns: Wenn wir nur theologisch und kritisch fragen: Wer ist Jesus, bleiben wir auf Distanz und kommen nicht zum Glauben. Wir müssen uns von Jesus anschauen lassen. Und wir sollen den Gekreuzigten anschauen. Es soll eine Atmosphäre zwischen ihm und uns entstehen. Dazu brauchen wir Zeit und Ruhe. Eine Stunde am Sonntag reicht dafür nicht.

Und zurück zu den Wohnungen, die Jesus uns beim Vater bauen will. Ich glaube: Die großen Christen haben sich nach den Wohnungen gesehnt. Sie hatten vielleicht ein wenig Angst vor dem Tod, aber sie hatten wohl auch die Sehnsucht nach der Wohnung des Herrn. Denn es sind im Himmel sicher nicht Einpersonenzimmer, sondern Gemeinschaftsräume, in denen wir mit IHM und unter einander beisammen sind. Amen

Lesung aus der Apostelgeschichte, Kap. 6, 1-7

 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.[1] 2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. 3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. 4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. 5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.[2] 6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Eberhard von Gemmingen

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