Liebe Freunde und Bekannte 10. Sonntag im Jahreskreis Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder ![]() Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus, Kap. 9, 9-13 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach. Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war, siehe, viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Predigt Heute nennt sich offiziell fast ein Drittel der Weltbevölkerung Christen. Es sind rund 2, 5 Milliarden Menschen. Vermutlich steht es in Europa bei vielen nur auf dem Pass. Dennoch die Frage: ist es nicht erstaunlich, dass aus dem winzigen Häuflein des Jesus von Nazareth eine solche Weltbewegung geworden ist? Warum eigentlich? Woher kommt dieser Schub? Was bewegt die Menschen, sich Christen zu nennen. Neulich sagte mir jemand: Jesus sei einer der erfolgreichsten Start-ups. Der Gründer eines Unternehmens mit einer neuen zündenden Idee, aber am Anfang nur mit einer winzigen Crew. Soziologen hätten ihm vermutlich geraten: Deine Idee ist großartig, aber Du musst sie ganz anders anpacken. Mit den Fischern, Bauern und dem einen Mann vom Zollhaus kann nichts werden. Nun wir Christen haben gelernt: Er ist eben der Sohn Gottes, ihm ist alles möglich. Aber vielleicht machen wir es uns mit dieser Auskunft auch zu leicht. Oder denken wir einfach zu wenig darüber nach? Auf jeden Fall sollten und dürften wir staunen, dass aus dem Grüppchen, dessen Meister nach kürzester Zeit am Kreuz aufgehängt wurde, eine Weltreligion geworden ist und eine Weltkultur geprägt hat. Dazu muss man sagen: Das Riesenwachstum hat eigentlich erst in den letzten zweihundert Jahren stattgefunden. In China zum Beispiel fing das Christentum zwar vor rund 500 Jahren an, aber die Zahl der Christen schoss gerade trotz aller Schwierigkeiten und Verfolgungen erst in diesem Jahrhundert in die Höhe. Heute leben in China bald 100 Millionen Christen. In Afrika gibt es heute mehr Katholiken als in Europa. Der Krisenherd der Kirche ist Europa. Aufklärung, Materialismus und Säkularisierung haben scheinbar gesiegt. Was aber ist das Geheimnis hinter der Ausbreitung des Glaubens an den Mann am Kreuz, an Jesus Christus? Zunächst müssen wir feststellen: Es ist ein Geheimnis. Es ist rein rational nicht zu erklären. Aber man kann sagen: Jesus Christus, der Mann am Kreuz ist überzeugend. Er hat das Herz des Menschen gekannt und wusste, wo die Heimat dieses Herzens ist. Und: Er ist ein Mann, der für seine Sache gestanden ist, gestanden bis zur Kreuzigung. Sein Anspruch lautete: Ich bin von Gott gesandt, um die Menschheit dahin zu führen, wo sie glücklich und zufrieden sein kann. In Ruhe kann das Herz des Menschen nur dort finden, wo seine Heimat ist. Glücklich und zufrieden kann der Mensch nur sein, wenn er zu dem zurückfindet, aus dem sie hervorging, dem Schöpfer Himmels und der Erde. Letztlich glücklich wird der Mensch nicht sein mit Geld, Sex, Vergnügen, auch nicht allein mit Gesundheit und langem, gesundem Leben. Letztlich glücklich wird die Menschheit nur sein, wenn sie in die Arme dessen zurückkehrt, aus denen sie hervorgegangen ist. Schon der weise Konvertit Augustinus hat uns gelehrt: „Du hast uns für Dich geschaffen, o Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“ In der heutigen Zeit sind wir in Europa im Allgemeinen eher pessimistisch im Blick auf die Kirche. Die gute, alte Kirche Europas scheint zu verfallen. Ich verweise gerade jetzt auf Spanien, das einmal eine Hochburg des Katholizismus war. In diesen Tagen reist Papst Leo dorthin und findet ein sehr säkularisiertes und zerstrittenes Spanien vor. Es gibt Kreise, die verlangen, dass das Wort katholisch für Spanien nicht mehr verwendet werden darf. Der Glaube an Christus oder an den Schöpfergott scheint in weitesten Teilen Europa bedeutungslos zu sein für die Politik. Aber schauen wir zurück auf den Zöllner Matthäus. Als Jesus getadelt wird, dass er einen öffentlichen Sünder beruft, sagt er: Gerade um kleine und große Sünder zu berufen, bin ich gekommen. Wir können also fast glücklich sein, wenn wir erkennen, dass wir Sünder sind. Wehe, wenn wir uns für sündelos halten! Genau mit kleinen, defekten Menschen beginnt der Siegeszug der Sache Jesu Christi. Dass Millionen Menschen heute trotz allem Fortschritt in Asien und Afrika Christen werden, zeigt doch, dass die Sache Jesu Christi die für den Menschen richtige und überzeugende ist. Vielleicht müssen wir über das Geheimnis des Heiligen Geistes noch viel mehr nachdenken. Offenbar ist da der Geist des Vaters und des Sohnes heimlich still und leise ununterbrochen am Werk. Denken wir öfter mal über diesen Geist nach, den uns Jesus versprochen hat. Und lernen wir das Schweigen und das Lauschen. Vielleicht hören wir dann in unserem Herzen die Stimme dessen, der uns geschaffen hat und der für uns am Kreuz gestorben ist. Schweigen wir in allem Lärm der Welt und der Kirche. Vielleicht gehen uns dann auch die Ohren auf und wir erkennen: Die Sache Jesu geht weiter und hat Siegesgewissheit. Schluss also mit dem Kirchenpessimismus! Freilich genügt es nicht, nur fünf Minuten für das Abendgebet zu haben und am Sonntag eine halbe Stunde. Da hat der Heilige Geist keine Landezeit. Er braucht mehr Zeit und Ruhe und vor allem: Der Geist braucht auch unser Interesse an Jesus Christus. Vielleicht interessieren wir uns einfach zu wenig für den Umstürzler aus Nazareth. Man muss ihn schon kennen. Und: Der kleine Prinz erinnert uns: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Wagen wir viele Blicke aufs Kreuz. Dann haben wir schon wieder einen Sieg errungen. Amen Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kap. 4, 18-25 Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Ohne im Glauben schwach zu werden, bedachte er, der fast Hundertjährige, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß schon erstorben waren. Er zweifelte aber nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre erwies, fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt, auch zu tun, was er verheißen hat. Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet. Doch nicht allein um seinetwillen steht geschrieben: Es wurde ihm angerechnet, sondern auch um unseretwillen, denen es angerechnet werden soll, uns, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat. Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt. Fürbitten: Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Menschen, die glauben, mit Geld und Gesundheit sei der Mensch letztlich zu befriedigen. Gib ihnen den heiligen Geist, damit er sie in ihr tiefes Inneres führt, das nach Gott ruft. Christus höre uns. Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die Machthaber der Welt. Schenk auch ihnen den heiligen Geist, damit sie ihre Verantwortung erkennen und ihr entsprechen. Christus höre uns Herr Jesus Christus, schütze die Kinder und Jugendlichen vor allen Verführern. Schenke ihnen Eltern, die sie gütig an der Hand halten und dorthin begleiten, wo sie den Sinn des Lebens finden. Christus höre uns Herr Jesus Christus, sei bei den Einsamen in Krankenzimmern und den Einsamen auf der Straße. Lass sie Freunde und Begleiter finden, die ihre Einsamkeit überwinden helfen. Christus höre uns
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