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Pfingstsonntag 2026

Empfanget den Heiligen Geist!

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Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20, 19-23

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam (der auferstandene) Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!  Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.  Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!  Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Predigt

Wir feiern Pfingsten, die Herabkommen des Heiligen Geistes. Und da erhebt sich sofort die zentrale Frage: Was aber ist das eigentlich „der Heilige Geist“? Können wir ihn uns vorstellen. Die Kirche kennt aus der Heiligen Schrift die beiden Symbole: Die Feuerzungen, die auf die Apostel herabkommen. Und der Heilige Geist als Taube. Das sind Versuche, sich das vorzustellen, was Jesus mit dem Heiligen Geist meint. Man kann verstehen, dass wir Menschen Symbole brauchen. Aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, muss man doch wohl sagen: Ebenso wenig wie wir uns Gott vorstellen können, können wir uns den heiligen Geist bildlich vorstellen.

Aber ich meine: Wir können uns das, was der Heilige Geist in Menschen bewirkt, nicht nur vorstellen, wir können es sogar genau erkennen. Seine Wirkungen können wir erkennen. Wir müssen uns nur ein wenig anstrengen und nachdenken. Erinnern wir uns: Die Feiglinge von Aposteln, die Jesus sitzen ließen, als es gefährlich wurde, wurden offenbar nach den Erscheinungen des Auferstandenen mutige Zeugen. Wenn das nicht so gewesen wäre, gäbe es heute kein Christentum. Sie waren plötzlich andere, neue Menschen. Es muss in ihrem Inneren etwas Ungeheures geschehen sein. Wir nennen das die Wirkung des Geistes Jesu in ihrem Herzen. Aus Feiglingen wurden Zeugen. Und dann ging es in Riesenschritten weiter: im alten Rom waren die Christen gefährliche Außenseiter, aber gegen alle politischen Widerstände und trotz aller Verfolgungen und Ermordungen wuchs die Sache Jesu Christi im römischen Reich. Unzählige Christen sind für ihren Glauben an Christus gestorben. Waren das nur einseitige Fanatiker? Wer das meint, muss es beweisen. Nein: sie haben ihr Leben an Christus festgemacht. Und dann gab es überzeugte christliche Männer und Frauen, die von Rom in den Norden zogen, zunächst erstaunlicherweise nach Großbritannien, um dort Christus zu verkündigen. Von dort kamen sie nach Germanien und taten das Gleiche. Und das waren nicht nur todesmutige Fanatiker, die vielleicht Angst hatten vor der Hölle, sondern es waren zum großen Teil Intellektuelle, Denker, Philosophen. Sie überzeugten nicht nur durch Mut, sondern auch durch Denken. Aber in ihnen war offenbar eine geistige Kraft, die sie auf Jesus Christus am Kreuz zurückführten. Und sie erinnerten sich an die Worte Jesu. Es ging bei der Geistausgießung ja nicht nur um die Sündenvergebung, von der im Evangelium heute die Rede war. Denn Jesus hatte ihnen vorher schon gesagt: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben. Dieser Beistand wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Der Beistand wird mich verherrlichen“. Und noch ein längeres Wort Jesu „Wer an mich glaubt, aus dessen Innerem werden Ströme lebendigen Wassers fließen“. Und wer sich ein wenig in die Geschichte der Kirche hineinliest, wird entdecken, dass es neben Religionskriegen, Hexenverbrennungen, religiöser Unterdrückung unzählige Christen gab, die die Welt positiv verändert haben – durch Pflege von Armen und Kranken, durch Bau von Sozialstrukturen, durch Klöster, in denen nicht nur gebetet, sondern Kultur geschaffen wurde, durch Missionare, die Sklaven befreit haben. Die Früchte des Geistes Jesu sind unüberschaubar. Aber damit man sie sieht, muss man die Augen aufmachen und den von Gott gegebenen Verstand im Kopf in Bewegung setzen. Die Vernunft ist nicht der Widersacher des Heiligen Geistes, sondern ihr Freund.

Der heilige Bischof Cyrill von Jerusalem schreibt ums Jahr 340 zum Pfingstwunder: „Was wunderst du dich? Du sollst ein Beispiel aus der materiellen Welt haben… Wenn das Feuer in das Innere des dichten Eisens eindringt und die ganz Masse zu Feuer macht, wenn also das Kalte heiß und das Schwarze leuchtend wird, wenn das Feuer, das selbst materiell ist, in die Materie des Eisens eindringt und dort ungehindert wirkt, ist es dann verwunderlich, dass der Heilige Geist in das Innerste der Seele eindringt?“

Der Geist helfe uns, die Augen aufzumachen und zu sehen. Jesus sagt auch: Ihr werdet sehen. Schauen wir in die Welt und entdecken wir das Wirken des Geistes Jesu Christi. Amen

Lesung aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther 12, 3-7b und 12-13

Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.  Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.  Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.  Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.  Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.  Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um den heiligen Geist insbesondere für die Mächtigen in Politik, Wirtschaft und in den Medien. Lass sie ihre Verantwortung vor Dir und vor allem Menschen erkennen. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um den heiligen Geist für alle Pädagogen. Gib ihnen die Kraft und die Vernunft, die ihnen Anvertrauten gut heranzuziehen. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, Wir bitten dich für alle Menschen, die sich in diesem Augenblick allein und verlassen fühlen. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für unsere Verstorbenen. Schenke ihnen die ewige Ruhe. Christus höre uns.

 

Eberhard von Gemmingen

 

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