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15. Sonntag im Jahreskreis 2026

Ein Sämann ging aus, um zu säen

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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus, Kap. 13, 1-23

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.  Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.  Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.  Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.  Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! - Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen. Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.  Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.  An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.  Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.  Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.  Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.  Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.  In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.  Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht - hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Predigt

Fragen wir uns gleich: Was will dieses Evangelium uns sagen? Was will es mir sagen? Oder sollen wir nur verstehen, was Jesus damals seinen Leuten sagen wollte. Dürfen wir fragen: Was sagt das Evangelium mir selbst? Was sagt das Evangelium uns?

Ich meine: Wir dürfen, ja wir sollen fragen: Was sagt Jesus mir selbst mit diesem Text. Ich wage die Antwort: Der Text sagt: Die vielen Leute, die Jesus hören, verstehen ihn meistens nicht. Nur ein Viertel von ihnen versteht ihn, diejenigen, deren Herz ein guter Boden ist. Anders die Apostel: Jesus sagt ausdrücklich: Ihr aber versteht mich, euch ist es gegeben, die Gleichnisse zu verstehen. Da kann man nur fragen: Warum ist das so? Die zwölf Apostel sind doch eher törichte und sogar feige Menschen. Sie haben Jesus sitzen lassen, als es gefährlich für sie wurde. Sie haben große Sprüche gemacht, dass sie ihn niemals verlassen würden, dass sie für ihn sterben würden. Und Jesus hat ihnen im Abendmahlsaal gesagt: Ihr werdet mich alle verraten. Und sie haben ihn alle sitzen lassen. Petrus hat ausdrücklich dreimal gesagt: Ich kenne ihn nicht. Sie waren feige Sünder.

Da stellt sich schon die Frage: Warum verstehen die Apostel Jesus besser als die vielen Leute, die Jesus nachlaufen und an seinem Mund hängen?

Die Antwort, die ich für mich finde: Die zwölf Apostel waren lange Zeit bei Jesus, sie gingen immer mit ihm. Sie waren und blieben Sünder und Feiglinge. Aber das Zusammensein mit Jesus hat aus ihnen trotz ihrer Sünden einsichtige Menschen gemacht. Sie waren keine Heiligen geworden, aber sie haben in seiner Atmosphäre gelebt, seine Ausstrahlung mitbekommen. Sie konnten sich seinem Fluidum und seinem Geist nicht entziehen, auch wenn sie Sünder blieben.

Was sagt das für uns: Wir werden nur richtige Christen, wenn wir mit Christus leben. Es genügt nicht, sonntags eine Stunde bei ihm zu sein und dann wieder ins alltägliche Leben abzutauchen. Wir sollten versuchen, ihn in den Alltag mitzunehmen, uns seiner Worte mitten im Alltag zu erinnern. Es reicht nicht, gewisse Zeiten für ihn zu reservieren. Auch Nicht-Ordensleute können ihn mit in den Alltag nehmen. Sie können und sollten sich dann und wann im Alltag an ihn erinnern. Herr, Du bist bei mir, auch wenn ich in der Straße gehe, auch wenn ich am Schreibtisch sitze, auch wenn ich in der Küche arbeite. Nur wer versucht, mit ihm zu leben, wird ihn verstehen.

Und dann stehen da noch ein paar Worte in unserem Evangelium, die mich aufhorchen machen. Jesus sagt: Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen. Das gilt meines Erachtens besonders für uns moderne Menschen. Der moderne Mensch hört unendlich viel mehr als der Mensch noch vor 100 Jahren, er sieht unendlich viel mehr als der Mensch damals. Das liegt nicht nur am Handy. Aber auch. Wenn unsere Ohren zu voll sind von Musik, Lärm, Gesprächen, gehen sie kaputt. Wir brauchen Stille – für unsere Seele. Und unsere Augen sehen zu viel. Wir brauchen Ruhe für die Augen. In meinem Alter merke ich, dass ich heute gründlich sehe, wie Blätter und Äste von Bäumen sich im Wind langsam oder auch schnell bewegen. Ich merke,  dass ich sehe, wie kleine Blümchen zwischen Straßensteinen hervorkommen. Ich sehe vieles, was ich früher gar nicht sah. Jesus kann man nur ahnen, wenn wir die Ohren schließen, wenn wir die Augen schließen. Jesus findet man nur in der Ruhe und wenn wir ein wenig Zeit für ihn haben. Im Schnell-schnell ist er und seine Botschaft nicht zu haben.  Und ganz zum Schluss: Jesus sagt in unserem Text auch: Sie verstehen mich nicht, denn ihr Herz ist hart geworden. Ist mein Herz hart geworden oder habe ich ein weiches Herz? Amen

Aus dem Propheten Jesaia, Kap. 55, 10-11

Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt  und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Gib ihnen die Gnade, die Kinder und Jugendlichen so zu Christus hinzuführen, dass sie Jesus und seine Botschaft verstehen und in ihr Herz aufnehmen können. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, schenke den Theologen den heiligen Geist, damit sie die Botschaft Jesu heute so auslegen, dass Jesus wirklich verstanden wird. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, gib den christlichen Eltern die Gnade, mit ihren Kindern den Glauben so zu leben, dass die Kinder in den Glauben hineinwachsen können. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, schenke den einsamen, alten Menschen den heiligen Geist, damit sie erkennen, wie wichtig ihr Gebet für das Leben der Kirche ist. Christus höre uns.

 

Eberhard von Gemmingen

 

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