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Liebe Freunde und Bekannte

23. Sonntag im Jahreskreis 2026

Christenverfolgung

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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Kap. 10, 16-22

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben! Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen.  Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.  Wenn sie euch aber ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.  Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.  Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern und der Vater das Kind und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.  Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

Predigt

Vor wenigen Tagen haben wir Jesuiten den Gedenktag von mehr als einhundert Jesuiten-Märtyrern gefeiert. Daher möchte ich heute über das Evangelium sprechen, das an diesem Tag vorgetragen wurde. Sie starben zu verschiedenen Zeiten seit der Französischen Revolution.

Dürfen wir uns eigentlich wundern, dass so viele Christen im Lauf der Jahrhunderte ermordet wurden? Ich denke keineswegs: Christus hatte das ja vorausgesagt mit den Worten: Ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Ihr werdet um meines Namens wegen von allen verhasst sein.

Ich meine: Das Christentum ist schon ein eigenartiges Phänomen. Jesus sammelt eine Gruppe von Freunden, macht sie zu einer Gemeinschaft, schickt sie in die Welt und er sagt ihnen voraus, dass sie verfolgt und umgebracht werden. Und viele werden umgebracht. Und dennoch wächst die Gemeinschaft. Heute leben rund 2, 5 Milliarden Menschen, die sich Christen nennen. Und in vielen Ländern der Erde werden Millionen von Christen verfolgt und ermordet, eben genau weil sie Christen sind. Dennoch wächst die Zahl der Christen, zum Beispiel in China.

Christentum ist schon ein eigenartiges Phänomen. Wir sollten viel darüber nachdenken. Der Mann am Kreuz ist anziehend. Aber er ist auch ärgerlich, denn er passt nicht ins Weltsystem. Wer sich zu ihm stellt, eckt an.

Und er sagt den Seinen auch: Ihr werdet ausgelacht, verspottet und schließlich umgebracht. Indirekt sagt er auch: Ihr passt nicht ins allgemeine Weltsystem. Wenn ihr ins allgemeine soziologische System passt und nicht ausgelacht und verfolgt werden, dann stimmt bei Euch etwas nicht. Jesus sagt uns indirekt: Wehe wenn ihr von den Nichtchristen nur wegen eurer Sozialsysteme und wegen eurer christlichen Kunst bewundert werdet! Jesus wünscht: Man muss sich über euch Christen auch immer wieder ärgern. Ihr müsst Anstoß geben. Wenn ihr keinen Anstoß gebt, dann verhaltet ihr euch offenbar nicht ganz so wie ich mir das vorgestellt und gewünscht habe. Konkret heißt das heute etwa: Ihr müsst zwar für Eure politischen Gegner im In- und Ausland beten, ihr dürft euch auch gegen sie verteidigen, wenn sie euch angreifen. Denn ihr müsst vor allem Schwache verteidigen, zum Beispiel Kinder und alte Menschen. Und genau so wichtig: ihr müsst selbst denken. Wehe wenn Eure Zeitung oder gar das Fernsehen für euch denkt. Gerade Christen, die verfolgt werden, müssen selbst denken. Und das richtige Denken kommt vor allem, wenn man schweigend auf das Kreuz schaut, wenn man schweigend auf den schaut, der die Welt aus den Angeln gehoben hat, weil er sich absetzte von alten Vorschriften der Schriftgelehrten. Jesus war einer, der selbst gedacht hat, weil er sich vom Vater gesandt wußte. Sein Vater hatte ihm den Heiligen Geist ins Herz gegeben. Und der Geist ließ ihn Widerstand leisten gegen alle Versuchungen. Denn auch Jesus wurde versucht, vielleicht schlimmer als wir. Am Abend vor seiner Kreuzigung rang er mit dem Willen des Vaters. Es war ihm nicht leicht, den Willen des Vaters anzunehmen. Schließlich betete er: Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine. Jesus war der erste Märtyrer, der sein Leben gab für die Seinen. Amen.

Lesung aus dem Brief des Paulus an die Philipper Kap. 1, 20-26

Denn ich erwarte und hoffe, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit - wie immer, so auch jetzt - verherrlicht werden wird in meinem Leibe, ob ich lebe oder sterbe. Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn.  Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbares Wirken. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht.  Bedrängt werde ich von beiden Seiten: Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein - um wie viel besser wäre das!  Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.  Im Vertrauen darauf weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen verbleiben werde, um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen, damit ihr euch in Christus Jesus umso mehr meiner rühmen könnt, wenn ich wieder zu euch komme.

Christenverfolgung in unserer Zeit

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Rote Farbe: Schwere Christenverfolgung

Orange Farbe: Mittlere Christenverfolgung

Gelbe Farbe: Leichte Christenverfolgung

 

Eberhard von Gemmingen

 

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