Liebe Freunde und Bekannte

27. Sonntag im Jahreskreis 2026

Der Weinberg des Herrn

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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus, Kap.21, 33-43

In jener Zeit sprach Jesus: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.  Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie.  Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.  Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.  Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.  Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.  Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun?  Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.  Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?  Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt. 

Predigt

Könnte der Weinberg des Herrn nicht vielleicht das früher einmal vom Christentum geprägte Europa sein? War das alte vom Glauben an Jesus Christus durchdrungene Europa nicht ein fruchtbarer Weinberg? Waren die süßen Trauben nicht die unzähligen Dorfkirchen und Kathedralen, die Klöster, die Kranken- und Waisenhäuser? Waren die besten Trauben nicht die unzähligen Väter und Mütter, die ihren Kindern das Beten lehrten, die Mönche und Ordensfrauen, die sich sozial einsetzten oder Jugend unterrichteten? Kamen nicht die besten Weinsorten vom heiligen Benedikt, von Theresia von Avila, von Franz von Assisi?

Dann aber machten sich fremden Winzer über den Weinberg her. Ich denke an die Ideologen der französischen Revolution, an die Ideologen rund um Karl Marx, an die Ideologen um die Nationalisten. Die Materialisten brauchten keine Ideologie. Sie gaben den Menschen nur Autos und Fernreisen. Es waren fremde Winzer, die sich über den Weinberg des Herrn hermachten. Sie hatten falsche Versprechungen, drehten die Worte Jesu in ihrer Bedeutung herum. Und es gab immer weniger gute Trauben. Oder die wenigen süß gebliebenen Trauben mussten sich gegen die Ansteckung durch die sauren Trauben wehren.

Und dann kam mir noch der Gedanke: Pflanzt der Herr des Weinbergs die guten Reben jetzt nach Afrika, um dort einen neuen Weinberg anzulegen? Heute gibt es in Afrika mehr Christen als in Europa. Und wachsen die christlichen Rebstöcke heute in China leichter als in Europa? Gibt der Herr den Weinberg an andere Volk?

Wenn ich auf die Papstreise in Frankreich schaue, kann ich nur sagen: Die Sache Europas ist noch nicht zu Ende.  Aber Europa muss viel kämpfen. Europa muss sich vor allem besinnen, muss sich von falschen Gedanken und Ideologien befreien. Und daran fehlt es. Der dummen Schlagzeilen sind zu viele. Die Weisheit und Nachdenklichkeit ist zu schwach und zu gering.

Papst Leo hat in Metz an den ersten großen Europäer, Robert Schumann erinnert. Für ihn hing der Frieden und die Einheit Europas mit Jesus Christus zusammen. Christus war für ihn die Wurzel Europas. Die Kohl- und Stahle-Union war nur ein technisches Mittel. Aber ohne die christliche Seele Europas war Frieden und Versöhnung nicht zu schaffen. Robert Schumann hatte Priester werden wollen. Er wusste, dass es ohne die Bindung an Jesus Christus nicht geht. Heute läuft für ihn ein Seligsprechungsverfahren. Ein Zentralproblem Europas ist die mangelnde Bildung, die mangelnde Kenntnis der Quellen Europas, die Oberflächlichkeit, die Handykultur. Gerade haben wir den Tag der deutschen Einheit begangen. Könnten wir nicht einen Tag des christlichen Weinbergs einführen, an dem wir süße Trauben anbauen und ernten? Herr, gib uns Deinen heiligen Geist. Amen

Aus dem Propheten Jesaia, Kap. 5, 1 - 7

Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe.  Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren.  Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg!  Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren! Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird.  Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen.  Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch - doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih - doch siehe da: Hilfegeschrei.

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Gebet für Europa

von Carlo Maria Kardinal Martini (1927–2012)

Vater der Menschheit,
Herr der Geschichte!

Sieh auf diesen Kontinent,
dem du die Philosophen, die Gesetzgeber und die Weisen gesandt hast,
Vorläufer des Glaubens an deinen Sohn, der gestorben und wieder auferstanden ist.

Sieh auf diese Völker, denen das Evangelium verkündet wurde,
durch Petrus und durch Paulus,
durch die Propheten,
durch die Mönche und die Heiligen.
Sieh auf diese Regionen,
getränkt mit dem Blut der Märtyrer,
berührt durch die Stimme der Reformatoren.
Sieh auf diese Völker, durch vielerlei Bande miteinander verbunden,
und getrennt durch den Hass und den Krieg.

Gib, dass wir uns einsetzen
für ein Europa des Geistes,
das nicht nur auf wirtschaftlichen Verträgen gegründet ist,
sondern auch auf menschlichen und ewigen Werten:
Ein Europa, fähig zur Versöhnung,
zwischen Völkern und Kirchen,
bereit um den Fremden aufzunehmen,
respektvoll gegenüber jedweder Würde.

Gib, dass wir voll Vertrauen unsere Aufgabe annehmen,
jenes Bündnis zwischen den Völkern zu unterstützen und zu fördern,
durch das allen Kontinenten zuteilwerden soll
die Gerechtigkeit und das Brot,
die Freiheit und der Friede.

AMEN.

 

Eberhard von Gemmingen

 

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