Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen  20. Sonntag im Jahreskreis C - QR Code Friendly

Zur Einführung

Christentum ist kein Spaziergang und keine Wellnessveranstaltung, sondern primär ein geistiger Ringkampf. Der Grund dafür: In Welt und Geschichte ist der Wurm, ist etwas faul, ist etwas sündig. Kein Wunder also, dass es Streit um Jesus gibt und Jesus sagt: Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung. Im Hebräerbrief heißt es: Christus habe den Widerstand gewählt und das Kreuz auf sich genommen.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas, Kapitel 12, 49 - 53

Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.“

 

Predigt

 

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

wir haben ein aufregendes Evangelium gehört. Jesus sagt, er sei nicht gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern Konflikt und Streitigkeiten. Dann kann man heute eigentlich Jesus nur gratulieren. Denn wir haben in der Kirche unzählige Streitigkeiten vor allem rund um den synodalen Weg und den Umgang mit sexuellem Missbrauch. Und – es ist schlimm, das zugeben zu müssen: Wir haben auch viele Kriege. Ich meine nicht den Krieg in der Ukraine, sondern Verfolgung von Christen rund um den Globus. Man kann Jesus nur sagen: Es ist das gekommen, was Du vorausgesagt hast.

Vielleicht müssen wir ausgehen von dem Wort, er sei gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Feuer hat zwei Seiten: Feuer wärmt, schafft Energie, macht Licht. Aber Feuer ist auch sehr gefährlich, kann verletzen, Waldbrände zeigen es. Niemand will ins Feuer fallen.

Also Jesu Erscheinen hat zwei Seiten, zwei Auswirkungen: Frieden und Spaltung. Seine Worte und sein Tun zwingen zur Entscheidung. Er fragt: Bist du für mich oder gegen mich? Kämpfst Du notfalls für mich oder offen oder geheim gegen mich? Neutralität gibt es nicht. Und die beiden Gruppen führen dann Krieg gegeneinander. Jesus will nicht Krieg, aber er kommt durch seinen Aufruf zur Konfrontation, zur Entscheidung und zur Gruppenbildung. Die Gruppen sind durch Ihre Entscheidung überzeugt von ihrer Sache und klagen sich gegenseitig an.

Jesus sagt an anderer Stelle seinen Jüngern voraus, dass die Welt sie hassen und umbringen wird. Vor allem im Johannes-Evangelium spricht Jesus immer wieder von der Welt als seinen Gegner. Ich bin nicht von der Welt – sagt Jesus – und so seid ihr auch nicht von der Welt.

Also es muss einen Gegensatz geben zwischen Jesus und dem geben, was die Welt will.

Aber es stellt sich natürlich die Frage: Was ist mit Welt gemeint? Und warum ist die Welt böse. Ist sie denn nicht von Gott geschaffen? Liebt Gott nicht die Welt? Und hat nicht das 2. Vatikanum ausdrücklich einen Text geschaffen mit dem Titel „Die Kirche in der Welt von heute“? Also nimmt die Kirche die Welt heute nicht liebend in die Arme, wendet sich ihr liebend zu?

Ich glaube: Wir kommen nicht darum herum, festzustellen: In der Welt und ihrer Geschichte, ja im Menschen und in der Gesellschaft ist etwas faul, ist etwas kaputt. Es herrscht der Egoismus. Die von Gott gut geschaffene Welt ist nicht in Ordnung, etwas scheint schief gegangen zu sein in ihrer Entwicklung. Das kann jeder Mensch durch einfache Beobachtung feststellen. Der jüdische und christliche Glaube hat diese Tatsache schon seit Jahrtausenden interpretiert: Schon die ersten Menschen haben ihre Freiheit missbraucht und sich nicht an die Begrenzungen Gottes gehalten. Sie wollten autonom entscheiden. Im Bild gesprochen: Adam und Eva haben sich nicht an das Verbot gehalten, von dem verbotenen Baum im Paradies nicht zu essen. Sie haben ihre Unschuld verloren, müssen sich vor Gott verstecken. Seither ist etwas faul in der Welt. Und daher ist die Welt erlösungsbedüftig. Und wer sich Jesus anschließt, wird durch ihn erlöst. Aber dieses Anschließen braucht Kampf, Auseinandersetzung und Entscheidung und führt zur Scheidung, daher zu Auseinandersetzung und Streit. Dieses Anschließen an Jesus bedeutet, sein Kreuz mitzutragen. Konflikt gehört zum Christentum. Christein passt nicht in die Welt.

Und hier ist einer der großen Irrtümer in der westlichen Moderne: Viele meinen, dass das Christentum in den Rechtsstaat einfach hineinpasst. Das stimmt nicht. Denn auch zwischen Rechtsstaat und Christentum gibt es Konflikte. Der Rechtsstaat darf Taten bestrafen, die strafbar sind, aber er schafft keine Religion und keine Moral. Zwischen Jesus und Rechtsstaat gibt es manchmal Zusammenarbeit, aber der Rechtsstaat bleibt Teil einer unheilen Welt.

Und ich möchte schließen mit dem Hinweis auf einen höchst biblischen Gedanken: Es gibt den Widersacher Gottes, den Satan oder Teufel, auch wenn wir heute nicht gerne von ihm sprechen. Er aber versucht, den Menschen in die Irre zu führen – am liebsten nicht durch direkte Versuchung, sondern durch Verwirrung. Die direkte Versuchung wird vom Menschen leichter erkannt und dann abgelehnt. Der Satan versucht, den Menschen zu verführen durch Verwirrung und Irreführung. Ein Beispiel dafür ist die Behauptung jeder Mensch habe vor dem Staat alle Rechte, wenn sie nicht der Verfassung widersprechen. Daher habe jeder Mensch auch das Recht, sein Geschlecht zu wechseln, wenn er oder sie das will. Der Staat darf ihm dieses Recht nicht verwehren. Dass aus diesem Recht sehr viel Unrecht hervorgehen kann, ist evident. Ein Beispiel: Ein 17-jähriger Junge kann ein Jahr vor dem Abitur sein Geschlecht wechseln und vor dem Recht ein Mädchen werden. Dadurch werden seine sportlichen Leistungen als die eines Mädchens anerkannt. Dann bekommt er eine bessere Abiturnote und hat mehr Studienchancen. Der Teufel hat es geschafft, das Recht auf Geschlechtswechsel zu einem Unrecht in der Beurteilung der sportlichen Leistungen zu machen. Der Teufel steckt meist in der Verwirrung, nicht in der direkten Versuchung. Und vor allem: Der Widersacher Gottes hat es geschafft, sich zu verstecken. Seid wach und aufmerksam, der Teufel geht um, um Euch zu versuchen. Aber auch für den Versuchten gilt. Er hat die Möglichkeit zu lieben: Die Liebe überwindet alles Böse. Amen

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um Deinen heiligen Geist, damit wir die Versuchungen der heutigen Zeit erkennen und ihnen widerstehen. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die jungen Menschen. Schenke ihnen gute Vorbilder, die sie vor der Verführung zum Bösen bewahren. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um Frieden für die Menschen in der Ukraine. Zeige den politisch Verantwortlichen vernünftige Lösungen für den Krieg. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Stunden alleine und verlassen sind, die sich vergessen fühlen. Schenke ihnen Menschen der Zuwendung. Christus höre uns.

Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 12, 1 - 4

Wir wollen alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet. Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet

 

P. Eberhard Gemmingen SJ

Im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit

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Pater Eberhard v. Gemmingen SJ
Autor: Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

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