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Leserbrief zu Einat Wilf (SZ, 18. 2. 2014, Außenansicht, S. 2)
Vorbemerkung an die zuständige Redaktion:
Es erschließt sich mir in keiner Weise, warum die SZ jemandem wie Frau Wilf, die so eindeutig die - wie ich meine - ethnokratisch-exklusionistische Ideologie des Zionismus vertritt, nicht zumindest hin und wieder eine dissidente Stimme (aus der israelischen Friedensbewegung, etwa von Uri Avnery....) oder aus dem akademischen Bereich entgegenstellt. Und da gibt es nun wirklich ganz andere intellektuelle Kaliber, wie etwa Prof. Nurit Peled-Elhanan (von der Hebräischen Universität in Jerusalem, immerhin Sacharow-Preisträgerin des europäischen Parlaments) oder Prof Moshe Zuckermann (von der Uni Tel Aviv), um nur zwei stellvertretend zu nennen.
Damit würde die SZ dem Anspruch der "ausgewogenen" Berichterstattung eher genügen.
Die erfolgreiche Methode der Infragestellung eindeutiger Tatsachen, etwa der (v. a. von israelischen NGOs oder der UNO erdrückend dokumentierten) ungerechten Wasserverteilung, durch die schlichte Behauptung, das sei nicht wahr oder - gern auch - „einseitig dargestellt“, führt in unseren Medien zumeist dazu, dass der unbezweifelbare Sachverhalt als „umstritten“ gilt, so auch für Frau Wilf. Dabei ist gerade die Wasserverteilung so gründlich untersucht worden wie kaum ein anderer Aspekt der systematischen Diskriminierung der Palästinenser. Aber genau davon soll der Skandal ja wohl ablenken.
Beliebt ist auch die Methode, nicht etwa die zionistisch-kolonialistische Landnahme und die brutale Besatzung, sondern die Palästinenser selbst als Ursache ihrer Misere darzustellen; hier konkret: „das Missmanagement der palästinensischen Behörden bei der Wasserversorgung“.
Frau Wilf scheut sich nicht einmal, den vorsichtig in Frageform vorgetragenen Hinweis von Schulz unverfroren in die Nähe einer  antisemitischen „rhetorischen Figur“ zu rücken, nämlich „dass die Juden zum Pessach-Fest das Blut kleiner [christlicher!] Kinder in den Mazzen verbacken“.
Bizarr, allerdings durchaus typisch ist die Argumentation von Frau Wilf, wenn sie sich zum Sprachrohr der israelischen „Befürchtung“ macht, dass mit „Lügen und falschen Behauptungen“ die „ideologische Grundlage für eine kollektive Gewalt bereitet wird“, welche „die große Errungenschaft des Zionismus“ , den jüdischen Staat, zerstören soll.
Das klingt doch sehr nach einer Projektion, denn von Anfang an setzte die - nicht nur unter Juden höchst umstrittene - bellizistische Variante des Zionismus, die sich historisch durchgesetzt hat, ideologisch-programmatisch auf Gewalt, um einen möglichst araberfreien jüdischen Staat zu schaffen. Ben Gurion, der „ganz Palästina als jüdischen Staat“ wollte: „Wir werden nach der Staatsgründung eine starke und große Armee schaffen, die Teilung des Landes aufheben und uns im ganzen Land ansiedeln.“
Abgesehen davon: ist etwa Südafrika durch die Abschaffung der Apartheid zerstört worden?
Angesichts dieser ihrer zionistischen Gedankenführung  - die Juden (= Israel!) als die „ewigen Opfer“ des eliminatorischen Antisemitismus - klingt die Versicherung von Frau Wilf, dass die Rede von Schulz „insgesamt sehr wohlwollend gegenüber Israel“ gewesen sei, einigermaßen heuchlerisch. Er wolle zwar den Frieden wirklich, aber leider könnte er „unfreiwillig“ (ist halt ein wenig beschränkt, der Schulz!) jene unterstützen, „die diesen Frieden nicht wollen“.
Der eigentliche Skandal liegt eher darin, dass sich in Schulz’ Rede nicht der geringste Hinweis darauf entdecken lässt, dass die EU Druck auf Israel zu machen bereit ist – was im Interesse eines gerechten Friedens dringend erforderlich wäre -, damit die rechtsvergessene ethnokratisch-exklusionistische „zionistische Errungenschaft“ endlich einem wirklich demokratischen Staat aller seiner Bürger Platz macht, der Menschenrechte und Völkerrecht achtet.

Jürgen Jung, Pfaffenhofen
 
SALAM SHALOM  Arbeitskreis Palästina-Israel e.V.      
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V.i.S.d.P. Eckhard Lenner, Rottenbucher Str. 3 A, 82166 Gräfelfing

Kommentare  

# Alois Sepp 2014-03-08 16:28
Komplizierter kann man es wirklich nicht mehr ausdrücken!!

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