6. Ostersonntag im Jahreskreis C - QR Code Friendly

Einführung vor dem Schuldbekenntnis

Wir werden heute konfrontiert mit einem sehr herausfordernden Gedanken: Der Einwohnung Gottes im Menschen. Gott werde im Menschen wohnen, wenn der Mensch an Jesu Wort festhält. Es klingt nach Mystik und überfordernd. Jesus traut uns allerhand zu. Er fordert nicht, sondern verheißt.

Und in der Lesung hören wir: im Himmel gebe es keinen Tempel, denn Gott sei der Tempel. Wir werden also mit Texten konfrontiert, die uns veranlassen, entweder gleich rauszugehen oder uns zum Nachdenken veranlassen. Christsein verlangt neben dem Glauben vor allem auch das Denken.

Aus der Geheimen Offenbarung, Offb. Kap.21, 10-14, 22-23

Ein Engel entrückte mich im Geist auf einen großen hohen Berg und zeigte mir die Heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabstieg. Ihr Glanz gleicht dem Glanz eines kostbaren Edelsteins, eines kristallklaren Jaspis. Eine hohe und starke Mauer umgab die Stadt. Sie hatte zwölf Tore, die von zwölf Engeln bewacht wurden. An den Toren standen die Namen der zwölf Stämme Israels. Auf jeder Seite – im Norden, Süden, Osten und Westen – gab es drei Tore. Die Mauer ruhte auf zwölf Grundsteinen, auf denen standen die Namen der zwölf Apostel des Lammes. Nirgendwo in der Stadt sah ich einen Tempel. Ihr Tempel ist der Herr selbst, der allmächtige Gott, und mit ihm das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr Licht spenden. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes, Kap.14, 23-29

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder

Wir haben wieder ein Evangelium gehört, das uns ganz schön überfordert. Es ist die Rede vom Wohnen Gottes in uns, vom Kommen des Geistes, der uns an alles erinnert, was Jesus uns gelehrt hat. Wir sollen Frieden im Herzen haben und uns nicht ängstigen. Und vor allem. Jesus geht von uns fort und komme dann wieder. Wir sollten uns freuen, denn er gehe zum Vater.

Man kann nur sagen: Herr, gib uns Deinen heiligen Geist, damit wir wenigstens etwas von diesem dichten Text verstehen und mitnehmen.

Ich gehe einmal davon aus, dass Jesus während seines irdischen Lebens regelmäßig allein und meist nachts auf einen Hügel gestiegen ist und mit dem Vater gesprochen hat. Aus diesem stillen Gebet mit dem Vater kamen dann seine Verkündigung und sein heilendes Wirken. Er hat vom Vater Kraft bekommen, aber wohl auch immer wieder mit dem Vater gerungen. Der Höhepunkt des Ringens war im Ölgarten, wo er gebetet hat: Vater nimm diesen Kelch des Leidens von mir.

Jesus fordert uns auf, an seinem Wort festzuhalten. Es ist das Wort, das er vom Vater gehört hat. Und wer das Wort des Herrn festhält, in dem wird der Vater wohnen. Auf die Frage als: Wo wohnt Gott und wohin ist Jesus gegangen, ist die Antwort: Wenn wir Jesu Wort festhalten, wohnt Gott in uns, in unserem Herzen, Gott will in uns wohnen. Daher sollen wir das Wort Gottes festhalten. Wer sein Wort festhält, in dessen Herzen wohnt der Vater. Es gibt noch ein verwandtes Jesuswort: Wer in mir bleibt, in dem bleibe ich. Bleibt in mir, so bleibe ich in Euch.

Wenn wir also demnächst die Aufnahme Jesu in die Herrlichkeit des Vaters feiern, dann ist es nicht eine Entfernung, sondern im Gegenteil ein Hinabsteigen und Hineinsteigen in unsere Herzen.

Aber wie können wir sein Wort festhalten? Wie können wir seine viele Worte festhalten. Rein menschlich ist das unmöglich. Daher sagt Jesus: Der Geist wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Damit der Geist uns erinnern kann, müssen wir versuchen, immer wieder die Reden des Herrn zu lesen, mit ihnen umzugehen, um die Worte Jesu rätseln. Die Frage stellen: Was will Jesus uns damit sagen? Im Spiel sind also Jesu Worte und seine Person, der Lehrer Jesu, der den Jüngern viel gelehrt hat. Aber das, was Jesus gelehrt hat, hat er vom Vater – vor allem durch sein einsames Beten in der Nacht. Dabei kam der Geist auch immer wieder neu auf ihn herunter. Und diesen Geist sendet Jesus, damit wir uns erinnern können an die Gebote, Wünsche, Verheißungen, Mahnung Jesu. Es ist ein Dreiklang der Dreifaltigkeit. Der Vater spricht zu Jesus, Jesus spricht zu den Menschen, zu uns, der Heilige Geist erinnert die Menschen und uns, die am Wort Jesu festhalten. Und dann ist es nicht nur ein intellektuelles Beisammensein, sondern ein Ineinander Wohnen. Gott will in uns Wohnung nehmen, bei uns zuhause sein. Wir in Ihm und Er in uns. Ich komme nicht darum herum, immer wieder von Mystik zu sprechen. Wir kommen mit unserem Verstand nicht mit, aber das Herz versteht mehr. Das Herz fühlt.

Aber das erste Wort des Evangeliums lautete: Wer mich liebt, wird mein Wort festhalten. Wir müssen uns also bemühen, sein Wort festzuhalten. Das heißt: Sein Wort zu hören, wiederholt zu hören, gleichsam wieder zu käuen. Sein Wort auf unserer Zunge zergehen zu lassen. Er und der Vater kommen zu uns dadurch, dass wir Zeit und Aufmerksamkeit haben für sein Wort. Wir können auch sagen: Nicht nur hören, sondern lauschen. Lauschen auf die Töne und die Zwischentöne. Und dann gibt es noch die Zeichen in unserem Leben. Um Zeichen zu erkennen, müssen wir versuchen, innezuhalten, still stehen zu bleiben. Im Evangelium heißt es immer wieder, Jesus habe Wunder und Zeichen getan. Die Wunder kann man nicht überlesen, aber um die Zeichen wahrzunehmen, braucht man ruhige, geduldige Aufmerksamkeit. Vielleicht pocht Gott auch im Inneren unseres Herzens und bittet um Aufmerksamkeit. Gott ist bescheiden, er drängt sich nicht auf, aber er pocht manchmal ganz leise an die Türe des Herzens. Und wenn wir aufmachen, steht er vor uns. Amen

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die jungen Menschen rund um unseren Globus. Gib ihnen deinen heiligen Geist, damit sie den Mut haben, die Welt in deinem Sinn zu gestalten, dass sie die Schöpfung pflegen, dass sie nicht resignieren, dass sie sich auch nicht verführen lassen durch Menschen, die ihnen schädliche Dinge und Ideen verkaufen wollen. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um einen Waffenstillstand in der Ukraine, um Einsicht der russischen Führung, um den guten Geist der Vermittlung für alle Berater. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Kranken, für die Menschen, die in diesem Moment große Schmerzen leiden. Gib ihnen Heilung oder gib ihnen wenigstens Befreiung von den Schmerzen. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle, die in der katholischen Kirche beraten und den richtigen Weg in die Zukunft suchen. Schenke ihnen auch den Geist des Gebetes. Christus höre uns.

  

P. Eberhard Gemmingen SJ

Im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit

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Pater Eberhard v. Gemmingen SJ
Autor: Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

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