Wachet und betet  19. Sonntag im Jahreskreis C - QR Code Friendly

In den beiden heutigen Lesungstexten geht es um das Wachen in der Nacht. Im Text aus dem Buch der Weisheit um das Wachen des Volkes Israel, bevor es von Gott aus Ägypten befreit wurde. Im Evangelium werden wir aufgerufen, wach auf das Kommen des Herrn zu warten. Dieses Wachen und Warten hat wohl in unseren Tagen der weltweiten Not eine besondere Note. Wir müssen wach sein in unseren Tagen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas, Kap. 12, 35 - 40

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

 

Predigt

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen

Wir leben weltweit in dramatischen Tagen und Stunden. Viele Menschen sehnen sich zurück nach dem, was sie das normale Leben nennen. Die Hauptdramen: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der Klimawandel und die Pandemie. Wir haben Angst und Sehnsucht nach Frieden, Gesundheit und Rückkehr zum früheren Klima. Wir erwarten Beruhigung, Ende der Angst.

Jesus würde uns fragen: Erwartet ihr auch mich, meine Rückkehr? Erwartet ihr mein Erscheinen in Herrlichkeit? Erwartet ihr auch, dass ich eine Rolle spiele in der Geschichte? Christen sollten Menschen sein, die keine Angst haben, die auf den Herrn vertrauen und die immer wach leben, denn der Herr steht vor der Türe. Wie geht das? Wie können wir solche Christen sein wie sie sich der Herr wünscht.

Da ich viele Jahre zur Zeit von Papst Johannes Paul II. in Rom gelebt habe, denke ich sehr gerne an seine ersten Sätze gleich nach seiner Wahl: Habt keine Angst. Non avete paura. Gemeint war damit in Richtung Ostblock: Habt keine Angst, euch gegen die kommunistischen Unterdrücker zu wehren. Habt Mut, vertraut auf den Herrn. Vermutlich würde uns Papst Johannes Paul II. auch heute zurufen: Habt keine Angst, vertraut auf den Herrn. Und aufgrund dieses Mutes, werdet ihr bereit sein zu Opfern – Opfern zugunsten der Menschen in der Ukraine, zu Opfern zugunsten des Klimas, zu Opfern zugunsten der Gesundheit der Menschen. Ihr müsst bereit sein zum Opfer der Einschränkung. Und das könnt ihr, wenn ihr, wenn ihr auf den Herrn vertraut. Wer auf den Herrn vertraut und ihm glaubt, dass er vor der Türe steht, der ist stark. Johannes Paul II. war stark, weil er völlig auf den Herrn vertraute. Einmal wurde er von einem Terroristen angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Dies hätte immer wieder geschehen können, aber er hat sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: Seid wach, behaltet die Lampen in Euren Händen und vertraut auf mich, ich stehe vor der Türe. Es handelt sich nicht nur um das Ende der Welt und der Zeit, es handelt sich um unsere Einstellung und den Glauben: Der Herr ist nahe, der Herr ist bei denen, die auf ihn vertrauen.

Wir Christen sind dazu berufen, in unserer Welt zu leuchten. Es kann nicht nur darum gehen, zum „normalen“ Leben zurückzukehren. Es geht nicht zurück zur friedlichen Merkelzeit – vor die Pandemie, vor die Klimakrise, vor den Krieg in der Ukraine. Es geht um ein Vorwärts: Vorwärts zu einem Leben aus der Hoffnung, aus der Hoffnung, dass Gott den Weg der Welt in seinen Händen hält. Gott hat es auch nicht verhindert, dass der 2. Weltkrieg ausgebrochen ist, er hat die Menschen nicht von ihrer Verführbarkeit befreit. Die Dramen der Weltgeschichte haben stattgefunden. Meist gingen sie auf die Dummheit und Bosheit der Menschen zurück. Aber die Menschen, die auf den Herrn ihre Hoffnung setzten, haben am meisten dazu beigetragen, dass wieder Frieden einzog. Der Mut von Johannes Paul II., sein Gottvertrauen, seine ermutigenden Worte an alle Menschen im damaligen Ostblock habe wesentlich dazu beigetragen, dass der kalte Krieg überwunden wurde, dass der Kommunismus zusammenbrach. Der Glaube an den Herrn, das Vertrauen auf den Herrn macht Geschichte. Glauben wir: Der Herr steht vor der Türe und will mit uns Hochzeit feiern. Aber wir müssen wartende Menschen sein, Menschen, die auf ihn warten mit Leuchten in unseren Händen. Amen

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um die Gnade der Wachsamkeit für alle Menschen. Lass sie die Zeichen der Zeit erkennen und verstehen, was Du der Menschheit sagen willst. Christus höre uns

Herr Jesus Christus, schenke uns weise Frauen und Männer, die der Menschheit deutlich und überzeugend sagen, wo sie wach sein und umkehren muss. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, schenke der Menschheit Gedanken des Friedens und der Versöhnung. Überwinde du allen Streit, alle Konkurrenz und zeige den Menschen, wie sie in Frieden zusammenleben können. Christus höre uns.

Herr Jesus Christus, gib den Christen den festen Glauben an Deine göttliche Vorsehung, lass sie auf Dich vertrauen und so Geschichte und Politik gestalten. Christus höre uns

 

Lesung aus dem Buch der Weisheit, Kap. 18, 6 - 9

Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten sich freuen in sicherem Wissen, welch eidlichen Zusagen sie vertrauten. So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Wodurch du die Gegner straftest, dadurch hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht. Denn im Verborgenen opferten die heiligen Kinder der Guten; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und stimmten dabei schon im Voraus die Loblieder der Väter an.

 
P. Eberhard Gemmingen SJ

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Pater Eberhard v. Gemmingen SJ
Autor: Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

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